Ophelia

Wirbelsturm sorgt für Riesenwellen an irischer Küste

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Di, 17. Oktober 2017 um 00:01 Uhr

Panorama

"Ophelia" legt das öffentliche Leben in Irland weitgehend lahm. Drei Menschen sterben. Tausende sind von der Stromversorgung abgeschnitten. Der Sturm zieht in Richtung Schottland weiter.

Schwere Schäden hat am Montag ein nach Nordwesteuropa abgedrifteter Wirbelsturm aus den Azoren in Irland angerichtet. Ophelia, der stärkste jemals so weit im Osten des Atlantiks beobachtete Ausläufer eines Hurrikans, entwurzelte Zehntausende von Bäumen und Leitungsmasten, legte den Verkehr lahm und deckte Häuser ab. Eine Autofahrerin und ein Autofahrer wurden von Bäumen erschlagen, ein Mann beim Zersägen eines umgestürzten Baumes getötet.

Küstenstraßen wurden gesperrt, während hohe Brecher sich vom Atlantik aufs Land ergossen. Vor der Westküste wurden Wellen von neun Meter Höhe gemeldet. Busse und Züge in ganz Irland mussten zeitweise den Betrieb einstellen. Fähren lagen in den Häfen still. Mehr als 200 Flüge wurden im Laufe des Tages gestrichen. Vor den Küsten erreichte der Wind eine Geschwindigkeit von mehr als 160 Stundenkilometern. Dächer wirbelten durch die Luft. Im Fußballstadion in Cork brach das Tribünendach in sich zusammen. Schon am frühen Nachmittag waren mehr als 360 000 Menschen ohne Strom.

Die Regierung hatte für das ganze Land "roten Alarm" gegeben und den nationalen Notstand ausgerufen. Die Armee war im Einsatz, um den Rettungsdiensten auszuhelfen. Schulen und Universitäten blieben überall in Irland geschlossen. Kaufhäuser, Banken, Gerichte und viele Ämter schlossen ebenfalls ihre Tore. Die Post stellte alle Dienste ein. Irlands Regierungschef Leo Varadkar hatte die Iren schon am Morgen aufgefordert, an diesem Tag besser nicht zur Arbeit zu gehen – oder bis zum Ende des Sturms am Arbeitsplatz zu bleiben.

Forscher und Politiker streiten über den Klimawandel

Präsident Michael D Higgins appellierte an seine Landsleute, sich "gut in Acht" zu nehmen. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, der just nach Belfast geflogen war, um diskret unter den total zerstrittenen nordirischen Parteien zu vermitteln, musste seine Gespräche absagen. Abenteuerlustige Einheimische und Touristen ließen sich allerdings nicht davon abhalten, an Stränden Aufnahmen zu machen oder sogar schwimmen zu gehen. Mehrere Personen, die trotz der amtlichen Warnungen in Ausflugsbooten unterwegs oder auf Surfbrettern in den Wellen waren, mussten von Seenotrettungsdiensten aufgefischt werden.

Die Grafschaft Cork meldete am Montag an einzelnen Küstenabschnitten "regelrechte Sandstürme". Wegen der von Ophelia aufgewirbelten Partikel war die Sonne bis nach England hinüber in ein orangefarbenes Licht getaucht. Selbst in London verdunkelte sich stundenlang der Himmel. Es sei ein gespenstisches Ereignis, twitterte Englands Sportveteran Gary Lineker: Offenbar sei "das Ende nah". Filmaufnahmen zur TV-Serie Game of Thrones in Nordirland mussten wegen des Sturms am Nachmittag unterbrochen werden.

Klimaforscher Dann Mitchell von der Universität Bristol sagte, der Sturm sei "typisch" für die gegenwärtige Klimaentwicklung. Auf solche Stürme müsse man sich nun einstellen auf den Britischen und Irischen Inseln, so Mitchell. Der irische Abgeordnete Danny Healy-Rae dagegen meinte dagegen, Ophelia habe "nichts zu tun mit Klimawandel". Solche Stürme habe es über die Jahre immer wieder gegeben, in der Geschichte Irlands. Wie das Wetter werde, bestimme Gott allein. Ältere Iren erinnerte Ophelia an Debbie – den letzten schweren Wirbelsturm dieser Art in ihrer Heimat. Er hatte 1961 in Irland 18 Menschen getötet und verheerende Schäden angerichtet. Am Montagabend zog der Sturm Richtung Schottland weiter. Auch in Schottland, Wales und Teilen Englands wurden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Die Behörden befürchten Überschwemmungen.