Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
22. August 2009
Woher stammt der Teufel?
Kostüm der Miss Peru bei Schönheitswettbewerb führt zu Streit zwischen Bolivien und Peru
PUEBLA. Stein des Anstoßes ist ein hautenges, weißes Minikleid mit buntbestickten Motiven. Dazu mehr als kniehohe Stiefel, ein knallbunter Feder-Kopfschmuck, ein gelb-rot-blauer Umhang und eine Peitsche. Was sich jetzt nach verruchter Männerbar anhört, war die typische Tracht, die Karen Schwarz aus Peru beim jüngsten Miss- Universum-Wettbewerb trug, der am Sonntag auf den Bahamas zu Ende geht. Ihr Motto: "Teuflisch schön."
Doch damit löste Schwarz eine diplomatische Krise aus. Denn Bolivien erklärte umgehend, die Tracht der Diablada, einer Allegorie des Teufels, sei bolivianisch, und Peru solle bitteschön auf dieses Plagiat verzichten. Weil Peru sich gar nicht einsichtig zeigte und erklärte, die Diablada sei kein nationales Eigentum, sondern kulturelles Erbe der gesamten Andenregion, setzte Bolivien sein ganzes diplomatisches Arsenal ein.Zunächst legte das Kulturministerium Beschwerde bei den Veranstaltern des Miss-Universum-Wettbewerbs ein. Die Diablada sei der sinnbildliche Tanz des Karnevals von Oruro, der 1904 zum ersten Mal verbrieft sei und seit 2003 zum Welterbe der Unesco gehöre, lautete das Argument. 1990 habe schon die bolivianische Miss bei dem Wettbewerb ein Diablada-Kostüm getragen.
Werbung
Doch weil die Argumente nicht fruchteten, drohte das Kulturministerium, deshalb den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zur Schlichtung heranzuziehen. Zur Bekräftigung ihres Anspruchs veranstaltete die bolivianische Regierung ein großes Diablada-Festival in La Paz. 250 Tänzer aus Oruro in den bunten Trachten defilierten dabei unter den Augen des Vizepräsidenten durch das Stadtzentrum und wurden beklatscht von Hunderten Schaulustigen. Gleichzeitig debattierten Ethnologen, Anthropologen und Musikexperten über das Thema. "Bolivianer, verteidigt euch gegen solche symbolischen Aggressionen" gab Kulturminister Pablo Groux das Motto aus. Sogar Präsident Evo Morales rührte die nationalistische Trommel und forderte Karen Schwarz auf, öffentlich einzugestehen, dass ihr Kleid nicht peruanisch, sondern bolivianisch sei.
In Peru entgegnete der Parlamentarier Wilbert Bendezu, der Tanz sei eine immaterielle Tradition der Folklore in den Anden und sei im Süden Perus, genauer in der Ortschaft Juli, schon zwei Jahrhunderte vor dem Karneval in Oruro getanzt worden. Peru sehe daher keinen Anlass zum Einlenken. Staatschef Alan Garcia, der ein gespanntes Verhältnis zu seinem Amtskollegen in La Paz unterhält, führte süffisant den hitzigen Schlagabtausch auf "eine gewisse Unreife der bolivianischen Führung" zurück. Und die Regierung berief als Unterstützung für Karen Schwarz für den heutigen Samstag in Puno einen großen, folkloristischen Umzug in Teufelskostümen ein.
Auch die Presse mischte kräftig mit im nationalistischen Schlagabtausch. Im Fernsehen schaltete die bolivianische Regierung Werbespots, in denen die Diablada als bolivianisches Kulturgut gepriesen wird. "Sie provozieren weiter", titelte daraufhin die peruanische Zeitung La Republica.
Der Designer des Kleids, Ricardo Davila, konnte den ganzen Streit nicht recht nachvollziehen. Schließlich habe er nicht das traditionelle Kostüm verwendet – das deutlich weniger sexy ist als das Miss-Outfit –, sondern sich nur von der Dia-blada inspirieren lassen, sagte er in einer Talkshow. In der Andenregion kommt es immer wieder zu Streit um derartige Symbole. So beanspruchen sowohl Chile als auch Peru den Traubenschnaps Pisco für sich. Und 2006 kam es zum Streit zwischen Bolivien, Peru und Chile, nachdem der chilenische Präsident dem Sänger Bono eine Panflöte geschenkt und als chilenisches Instrument bezeichnet hatte.
Autor: Sandra Weiss


