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02. Juni 2010

Dritter Gedichtband von Heimatdichterin Wiltrud Pfunder

Die Natur als Inspirationsquelle für alemannische Poesie

  1. Wiltrud Pfunder an ihrem Schreibtisch. Dort entstanden auch die Gedichte für ihr drittes Buch „Wottsch an d Sunne muesch duur d Nacht“. Foto: Tanja Bury

PFAFFENWEILER. Nachts, wenn es still ist und das Licht ein ganz besonders, sitzt Wiltrud Pfunder an ihren Tisch im Wohnzimmer und schreibt. Sie verarbeitet Notizen, die sie sich den Tag über gemacht hat, beschreibt Stimmungen, Entdeckungen, Gefühle – und das alles auf Alemannisch. So entstehen Gedichte über s’Läbe, d’ Schöpfig und d’ Mensche, die die Heimatdichterin in Büchern zusammenfasst. Das dritte mit dem Titel "Wottsch an d Sunne muesch duur d Nacht" hat die 72-Jährige jetzt veröffentlicht.

Gedichte hat Wiltrud Pfunder schon als Kinder geschrieben – "allerdings auf Hochdeutsch". Dabei war dem Freiburger Bobbele das Alemannische schon immer vertraut: "Meine Mutter hat mit ihren Eltern nur Alemannisch geredet." Beim Großvater auf dem Schoß hat Wiltrud Pfunder viele Gedichte und Texte gehört – vor allem in Mundart. Ihr Talent, in Alemannisch zu dichten, hat sie durch die Fastnacht entdeckt. In der fünften Jahreszeit stand sie in der Bütt und war Redakteurin der Narrenzeitung. In Pfaffenweiler gehörte sie zur Stammbesetzung der Schneckennarren, war immer im Einsatz. "Mein Mann wollte mir in dieser Zeit schon einen Zettel mit der Aufschrift ’Hier ruhte meine Frau, bevor sie zu den Narren ging’ übers Bett hängen", erzählt Wiltrud Pfunder und lacht. 16 Jahre lang hat sie an Fasnet das Geschehen im Ort auf Alemannisch glossiert, dann entschied sie sich das Feld zu räumen und anderen zu überlassen.

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"Du kannst mehr als Fastnacht" hat ihr Mann Hermann all die Jahr zu ihr gesagt und als sie in den "Narrenruhestand" gegangen ist, widmete sie sich endlich dem Schreiben von Mundartgedichten. Das war 1986. Sieben Jahre später erschien Wiltrud Pfunders erstes Büchlein mit dem Titel "Midem Herze gluegt", 2002 das zweite Buch "Bis an’s End vum Regeboge". Aller guten Dinge sind drei habe sie sich gesagt, als sie die Gedichte für ihre neueste Erscheinung "Wottsch an d Sunne muesch duur d Nacht" zusammengetragen hat. "Und jetzt ist mein Ordner schon wieder voll. Mir fällt immer etwas ein", sagt die gelernte Kunstgewerblerin, die im Freiburger Keramik- stüble ihre Ausbildung gemacht hat.

Was Wiltrud Pfunder immer wieder bezaubert ist die Natur, die Landschaft, in der sie lebt. "Wenn ich an einem Herbstmorgen aus dem Fenster schaue und die Sonne scheint, tragen die Baumgipfel goldene Krone", erzählt sie und strahlt dabei. Es sind nicht die großen Sensationen und Ereignisse, die Wiltrud Pfunder bewegen, es sind die kleinen, die feinen, die ruhigen Dinge. Zum Beispiel die Blumenwiese hinter ihrem Haus: "Macht s’Lebe wieder mol Rabatz, isch bockig un voll Schimmel, luegi d’ Gänseblüemli a; si sin mi Sternehimmel!" Angetan haben es ihr aber auch die Menschen, "die ihr Herz öffnen". Ihnen widmet sie in ihrem neuen Buch ein ganzes Kapitel.

Wichtigster Baustein in Wiltrud Pfunders Leben aber ist die Familie. Ihr Mann Hermann, mit dem sie seit 46 Jahren verheiratet ist, ihre drei Kinder und die zwei Enkel, die sie "Geschenke des Himmels" nennt. "Sie alle zusammen sind meine Säulen der Erde", sagt Pfunder. Der Schreibtisch, an dem sie ihre Gedichte verfasst, ist ein Geschenk ihrer Kinder, als diese noch Schüler waren. Und der Tisch ist gesäumt mit selbst Gebasteltem von den Enkeln. Als Pfunder ein Gedicht über die Schönheit der Alpen, die sie so sehr mag, verfassen wollte, ist dabei am Ende eine Liebeserklärung an ihren Mann herausgekommen. "Er ist mein Kritiker", so die 72-Jährige. Und außerdem auch ihr Chauffeur: Seit sie nicht mehr selbst Auto fahren kann, bringt er sie nicht nur zu ihren bis zu 20 Lesungen im Jahr.

Wiltrud Pfunder will bei ihren Auftritten erreichen, dass es den Menschen warm ums Herz wird. Und dabei hilft ihr das Alemannische: "Unsere Sprache hat eine unglaubliche Kraft in sich." Es gebe viele Worte in der Mundart, für die es einfach keine hochdeutsche Übersetzung gebe, manche Stimmungen und Gefühle könnten nur im Dialekt passend beschrieben werden. "Die Sprache ist geradeaus, ohne Schnörkel", sagt Wiltrud Pfunder und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu, "beim manchem aber isch d’Zunge vrboge, denn alemannisch wird au g’loge!" Für sie steht fest, dass die Muttersprache erhalten gehört und sie setzt sich als Vorsitzende der Muederschpröchler Gruppe Schimberg/Batzeberg/Hexedal dafür ein: "Ich will für das Alemannische kämpfen, das hat es verdient." Wenn Wiltrud Pfunder ihrer Muttersprache etwas wünschen könnte, dann wäre es "unzähliger Nachwuchs". Als "unglaublich dumm" bezeichnet sie es, wenn die Mundart mit Begriffen wie ungebildet oder zurückgeblieben gleichgesetzt wird.

Zum 250. Geburtstag von Johann Peter Hebel rückt das Alemannische wieder mehr in den Fokus, das freut Wiltrud Pfunder. Mit Hebels Werk ist sie seit ihrer Kindheit vertraut – durch den Großvater. Der hat ihr auch gesagt, "wirsch groß un chunsch an Mensche dra, begegnesch au dä Schmerze. Luegs nit nur mit da Auge a, wenn’s goht lueg midem Herze!" Das macht Wiltrud Pfunder.

Das Gedichtbuch "Wottsch an d Sunne muesch duur d Nacht" ist bei Wiltrud Pfunder, Kehlenweg 2, in 79292 Pfaffenweiler, 07664/6548, für zehn Euro zu bekommen.

Autor: Tanja Bury