Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
23. Januar 2009 10:03 Uhr
Rundfahrt gesichert
Regio-Tour wird zum Junioren-Rennen
Neuigkeiten zur Regio-Tour gibt es aus dem Markgräflerland. Vier Etappenziele haben sich ausgeklinkt. Sechs andere machen weiter mit. Die Rundfahrt findet damit auch 2009 im Markgräflerland, am Kaiserstuhl und eventuell auch im Elsass statt.
-
Hat wieder Grund zur Zuversicht: Regio-Tour-Organisator Rudi Renz (rechts). Foto: Bernd Michaelis
-
Ein Bild der Vergangenheit: Der Gesamtsieger 2008, Björn Schröder, gehört zu den Profis. Die sollen in Zukunft bei der Regio-Tour nicht mehr starten. Foto: Presse Rothaus Regio-Tour
-
Will auch in Zukunft bei der Regio-Tour dabei sein: Schliengen – hier ein Bild vom Start einer Etappe 2008. Foto: Bernd Michaelis
Fest steht: Im Markgräflerland wollen Heitersheim, Buggingen, Neuenburg, Müllheim, Kandern und Schliengen bei der 25. Auflage der Rundfahrt weiter dabei sein. Die Rundfahrt ist vom 20. bis 23. August geplant. Badenweiler, Malsburg-Marzell, Auggen und Bad Bellingen haben sich ausgeklinkt.
Das südbadische Radereignis war bisher ein Wettbewerb für Profis. Nach den schlagzeilenträchtigen Dopingskandalen im Radsport in der vergangenen Saison stand die Regio-Tour vor dem Aus. Die Gespräche mit dem Hauptsponsor, der StaatsBrauerei Rothaus, laufen im Moment noch, heißt es seitens der Regio-Tour GmbH. Die Brauerei hatte nach den ersten Doping-Enthüllungen einen Rückzug aus dem Sponsoring binnen zwei Jahren angekündigt, sollten weiterhin Profis an den Start gehen. "Diese Forderung haben wir ja jetzt erfüllt", sagt Rudi Renz, Organisator der Tour. Die Tour ist 2009 erstmals als Junioren-Rennen ausgeschrieben, eventuell gehen auch U19-Nationalmannschaften an den Start. Darüber hinaus werde es ein sogenanntes Jedermann-Rennen geben.
Als weiterer neuer Sponsor ist die Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau angefragt. Eine Entscheidung über ein mögliches Engagement sei aber noch nicht gefallen, sagt das Bankhaus.
Werbung
Klar ist jedenfalls, dass die Regio-Tour ein etwas anderes Gesicht bekommen wird. Es gibt kein Zeitfahren mehr, die Etappen werden zudem kürzer werden. Mehr als 100 bis 110 Kilometer werden die Abschnitte nicht aufweisen. Und so, wie es jetzt aussieht, wird es auch nur zwei Etappen von A nach B geben. Fest steht bereits, dass die Schlussetappe der Regio-Tour 2009 in Vogtsburg starten und enden wird. Auch den beliebten Rundkurs über den Texas-Pass werde es wahrscheinlich geben, darüber sei man mit der Stadt Endingen allerdings noch im Gespräch, hieß es von Seiten des Veranstalters.
Die Gemeinden, die weiter mitmachen, sind sich einig: Man könne Rudi Renz als langjährigen Veranstalter "nicht im Regen stehen lassen". Renz habe durch sein langjähriges Engagement verdient, auch in schwierigen Zeiten unterstützt zu werden, heißt es aus den Rathäusern in Kandern, Schliengen und Heitersheim.
Es gelte, den Radsport und hier gerade die Jugend und damit den "dopingfreien Nachwuchs" in schwierigen Zeiten zu unterstützen, sagt Schliengens Bürgermeister Werner Bundschuh. "Es muss uns ein Anliegen sein, die Jugend für den Sport zu begeistern", findet Müllheims Bürgermeister René Lohs. Radsport sei ein wichtiges Merkmal der Region, deshalb unterstütze er diese Veranstaltung gerne. Müllheim werde solange dabei sein, wie es die Regio-Tour gebe. Lohs fühle sich an den Vertrag gebunden, den die zehn ursprünglich beteiligten Gemeinden mit Rudi Renz geschlossen haben. Nun seien einige Gemeinden ausgestiegen. "Ich hätte es gerne gesehen, wenn man sich vorher noch einmal zusammengesetzt hätte", sagte er.
Man könne nicht wegen ein paar hundert Euro jede gewachsene Gemeinsamkeit zerschlagen, sagt Schliengens Bürgermeister Werner Bundschuh. Der Ausstieg sei kleinkariert. "Wir sind eine Urlaubsregion mit vielen Radfahrern und eigentlich hat man doch nicht so viel Aufwand, wie immer behauptet wird," denn Neuenburgs Bürgermeister Joachim Schuster übernimmt einen Großteil der Organisation im Markgräflerland. Man könne die "Dreckspatzen im Radsport" nur durch eine gute Jugendarbeit los werden. Dazu gehöre die Unterstützung der Regio-Tour – gerade auch wegen des 2009 stattfindenden Jugend-Rennens.
Gut fände es der Schliengener Bürgermeister, wenn im nächsten Jahr noch ein Jedermann-Rennen für Alt und Jung, Groß und Klein zustande kommt. Dann würde auch Bad Bellingens Bürgermeister Christoph Hoffmann wieder in die Tour einsteigen. Die Kurgemeinde ist diesmal nicht dabei. "Wir haben das Resultat 2008, das heißt wenige Zuschauer, dem großen Aufwand an Absperrungen und Organisationsarbeit gegenübergestellt und finden, dass es sich derzeit nicht lohnt", erklärte Christoph Hoffmann auf Anfrage. Der Rathauschef glaubt an die Popularität eines Jedermann-Rennens. Dazu könne man ein touristisches Beiprogramm auflegen. "Dann kommen auch wieder mehr Leute und nicht nur die am Profiradsport Interessierten, sondern auch die vielen Freizeitradler".
Auggens Bürgermeister Fritz Deutschmann denkt ähnlich. In seiner Gemeinde habe sich kein Verein mehr gefunden, der eine Anlaufstation der Regio-Tour unterstütze. Die Tour sei wegen der Dopinggeschichten derzeit "ein Spiel vor leeren Rängen". Der Aufenthalt der Radfahrer in den Orten sei für das Publikum zudem zu kurz. "Ein neuer Weg, ein neues Konzept, ähnlich wie beim Genusslauf – das gehört hierher".
Für Badenweiler als Fremdenverkehrsgemeinde sei Radtourismus wichtig, erklärt Hauptamtsleiter Roland Belle. Da der Profiradsport wegen des Dopings keine Werbewirksamkeit mehr entfalte, sei die Kurgemeinde, lange Zeit Trainingsstandort des Teams Telekom, ausgestiegen.
Malsburg-Marzell hat sich aus der finanziellen Förderung der Markgräfler Etappe verabschiedet. "Im Grunde genommen sieht das so aus: Die pfeifen vom Blauen herab zwei Minuten durchs Dorf und dann ist Schluss", sagt Bürgermeister Dieter Schwald. Auch hier sind die die Negativschlagzeilen Hauptgrund für den Ausstieg.
Tour-Veranstalter Rudi Renz ist enttäuscht vom Rückzug der vier Gemeinden: Man könne doch die Jugend, die mit einem Extra-Rennen dabei sei, nicht so einfach übersehen. Es werde doch "immer gesagt, man will was für die Jugend machen".
Renz ist klar, dass die vielen Doping-Affären den Radsport fast alle Sympathien gekostet haben. Das äußere sich auch in stark zurückgegangen Zuschauerzahlen der Regio-Tour. Gerade aus diesem Grund sei Aufbauarbeit wichtig.
Autor: Jutta Schütz und der Online-Redaktion


