Automatischer Retter

Holger Holzer (SP-X)

Von Holger Holzer (SP-X)

Sa, 10. März 2018

Auto & Mobilität

In Neuwagen wird europaweit Ende des Monats das Notrufsystem E-Call Pflicht.

Lange hat es gedauert, bald ist es soweit: Vom 31. März an muss jeder Neuwagen in Europa über das Notrufsystem E-Call verfügen. Der Assistent alarmiert bei einem Unfall automatisch die Rettungskräfte und sendet ihnen den Standort. Die Technik, die nun in Neuwagen zur Pflichtausstattung wird, soll Leben retten.

Bei schweren Autounfällen, bei denen es oft um Minuten geht, kann E-Call den entscheidenden Zeitvorteil bringen, hat die EU-Kommission bereits 2014 befunden und ein Einbaupflicht auf den Weg gebracht. Nach ihren Schätzungen können Retter dank des Systems bis zu 50 Prozent schneller am Unfallort sein und so besser Menschenleben retten.

Das System ist simpel: Werden Airbags ausgelöst oder wird das Fahrzeug stark deformiert, stellt das System über eine im Fahrzeug fest integrierte SIM-Karte europaweit eine Telefonverbindung zur nächsten Notrufzentrale her. Zusätzlich übermittelt es den Notdiensten automatisiert ein Datenpaket zum Unfall, wie beispielsweise den genauen Standort des verunfallten Fahrzeugs und seine vorherige Fahrtrichtung – wichtig auf Autobahnen und im Tunnel. Und es wird eine Sprechverbindung hergestellt, so dass die Leitstelle mit Fahrzeuginsassen kommunizieren kann. Das E-Call-System kann auch manuell ausgelöst werden. Hierfür muss nur ein SOS-Knopf im Auto betätigt werden.

An das europaweit einheitliche E-Call-System stellt die Kommission strenge Anforderungen. So muss ein Notruf immer direkt an die nächste Rettungsleitstelle gehen. Datenschutzregelungen sind erst im Nachhinein eingezogen worden und waren ein Grund für die lange Verzögerung der schon vor vier Jahren beschlossenen Einführung. Kritisch ist aus Sicht der Datenschützer vor allem, dass durch E-Call nun faktisch jeder neue Pkw mit einem Ortungssystem ausgestattet ist.

Die Kosten für E-Call zahlt aufgrund des obligatorischen Einbaus jeder Neuwagenkäufer. Rund 100 Euro kostet die Technik, sagen Experten. In immer mehr Autos sind aber zumindest SIM-Karte, Antennen und Navigationsmodul sowieso an Bord, sei es als Teil des Navigationssystems oder von Konnektivitätsdiensten. Spürbare Preissteigerungen bei Neuwagen wird es also wohl eher nicht geben.

Die E-Call-Pflicht gilt nur für Neuwagen. Bereits zugelassene Fahrzeuge benötigen das System nicht. Viele neuere Autos haben es jedoch bereits an Bord. Für ältere Modelle gibt es Nachrüstlösungen in Form von Handy-Apps, Adaptern für die 12-Volt-Steckdose oder sogenannten OBD-Dongles. Diese Stecker werden in den OBD-II-Anschluss des Autos gesteckt und setzen ihren Notruf entweder über eine integrierte SIM oder ein per Bluetooth angeschlossenes Handy ab. Diese Lösungen bietet der Fahrzeughandel bereits für rund 100 Euro.