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17. September 2011

Finger weg von der Elektronik

Profis setzen bei der Fehlerdiagnose am Auto auf Software – Hobbyschrauber sollten dies nicht tun.

  1. Die Diagnosesysteme der Werkstätten kommen Fehlern in der Autoelektronik schnell auf die Spur. Hobby-Schrauber können mit ihnen viel falsch machen. Foto: Jens Schierenbeck/dpa

Ein Blick unter die Motorhaube bei einer Panne und den Schaden finden – das war einmal. Heute gleicht das Auto einem Computer. Oft steckt der Fehler irgendwo versteckt in der Elektronik. Eine schnelle Diagnose per Software kann helfen. Hobbybastler können damit aber gefährlich viel falsch machen.

Werkstätten und Pannendienste setzen auf die On-Board-Diagnose (OBD). Mit einem Diagnosegerät wird die Elektronik automatisch überprüft und der Fehler so ausfindig gemacht. Es gibt auch für Hobbyschrauber Systeme im Handel. Doch Experten raten ab.

Kompakte Diagnosegeräte aus dem Zubehörmarkt für rund 50 Euro zeigen lediglich Fehler in Form genormter Codes, erklärt Fahrzeugtechniker Arnulf Volkmar Thiemel vom ADAC. "Man muss dann in einer Liste nachschlagen, wofür der jeweilige Zahlencode steht." Spezielle Diagnosesoftware, für die der Nutzer ein Laptop braucht und die gut und gerne 500 Euro kostet, kann wesentlich mehr.

Im Handel erhältliche Diagnosesoftware kommt nicht von den Autoherstellern selbst, sondern wird von unabhängigen Anbietern entwickelt, erläutert Thiemel. Die Mehrmarken-Diagnose-Geräte könnten nicht bei jedem Auto alle Fehler anzeigen. "Das hängt sehr vom Anbieter ab und davon, wie gut der sich mit den verschiedenen Marken auskennt." Die größte Diagnose-Tiefe erreichten meist die Herstellerwerkstätten selbst mit ihren eigenen Systemen.

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Kann ich mein Auto damit selbst reparieren? "Der Nutzen wird meist überschätzt", urteilt Mirko Dölle, Fachredakteur der Computerzeitschrift c’t. "Das System liefert zwar die Codes. Was schiefläuft, muss ich aber selbst herausfinden." Und meist gebe es eine Vielzahl von Fehlern. Die richtige Interpretation der Codes bedürfe viel Erfahrung. "Man kann das mit einem Arztbesuch vergleichen", erklärt Dölle. "Das Diagnosegerät ist der Patient, der dem Doktor erklärt, wo es wehtut. Aber erst wenn der Arzt anhand der Symptome die Erkrankung diagnostiziert, kann er dem Patienten helfen." Die Diagnosegeräte ersetzten deshalb keinen versierten Mechantroniker.

Grundsätzlich wird davon abgeraten, mit der Software in die Elektronik einzugreifen – beispielsweise für Tuningzwecke. "Das ist nur etwas für jemanden, der solide Kfz-Grundkenntnisse hat", sagt Tuning-Experte Sven Meyer: "Mit mancher Software lassen sich sicherheitsrelevante Einstellungen ändern. Da sollte man genau wissen, was man tut." Das sieht auch ADAC-Experte Thiemel so: "Wer sich damit nicht auskennt, kann ganz viel kaputtmachen."

Autor: Philipp Laage (dpa)