Kein billiger Ersatz

SP-X

Von SP-X

Sa, 23. Dezember 2017

Auto & Mobilität

Neuer VW Polo TGI fährt mit Erdgas.

Der Diesel steht im Kleinwagen kurz vor dem Aussterben. VW will mit der neuen Erdgasversion des Polo jedoch Ersatz für urbane Vielfahrer bieten. Der 66 kW/90 PS starke Fünftürer mit bivalentem CNG-Antrieb (CNG = Compressed Natural Gas) steht nun beim Händler und kostet mindestens 19 800 Euro.

Anders als der Diesel benötigt der Polo TGI keine aufwendige Abgasreinigung, um sauber zu fahren. Das ist vor allem im Kleinwagensegment wichtig, wo die Kosten für Stickoxidfalle und SCR-Katalysator viel stärker ins Gewicht fallen als bei großen und teuren Autos. Ein Schnäppchen ist der Gas-Polo aber trotzdem nicht; gegenüber dem vergleichbaren Modell mit reinem Benzinantrieb beträgt der Aufpreis 2600 Euro.

Vielfahrer können das durchaus herausfahren: Wer konsequent Gas statt Super tankt, kommt mit dem halben Kraftstoff-Budget aus. Auch gegenüber einem Diesel liegt der Kostenvorteil bei rund 30 Prozent. Hinzu kommen Vorteile beim Schadstoffausstoß. Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen rund ein Drittel weniger CO2, rund zwei Drittel weniger Stickoxide und 99 Prozent weniger Feinstaub.

Beim Fahren merkt man dem Polo seine saubere Arbeit nur akustisch an. Der Dreizylindermotor läuft im Gasbetrieb ein wenig rauer und metallischer als wenn er mit Benzin betankt wäre. Weil der Innenraum des großen Kleinwagens aber gut verarbeitet ist, ist das allenfalls zu hören, nicht über Vibrationen zu spüren. Bei Kraft und Durchzug muss sich der VW nicht verstecken: Dank Turboaufladung kommt der Ein-Liter-Motor flott in Schwung. Und wer ihn durch fleißiges Schalten bei Laune hält, schwimmt im Verkehr locker mit.

Nachteile hat das Antriebskonzept allerdings bei der Reichweite. Die 11,3 Kilogramm CNG-Vorrat reichen gerade einmal für 365 Kilometer Fahrt. Dann schaltet der Polo automatisch und kaum merkbar auf Benzinbetrieb um. Der vollwertige 40-Liter-Tank reicht dann zwar noch einmal für rund 800 Kilometer nach Norm, die Kosten- und Umweltvorteile des Gasmotors gehen dann aber verloren.

Wer den Polo wirtschaftlich nutzen will, sollte daher möglichst ausschließlich im CNG-Modus fahren. Das allerdings ist nicht so einfach. In Deutschland gibt es zwar 900 Tankstellen, die aber sind ungleichmäßig verteilt und vor allem an Fernstraßen Mangelware. Am besten eignet sich der Polo wie alle Erdgasautos daher für Kunden, die vor allem in der Nähe der Heimat-Tankstelle bleiben, etwa für mobile Pflegedienste, Kurierfahrer oder Besitzer eines zusätzlichen Erstwagens.

Auch für VW soll sich Erdgas lohnen. Die Erdgasautos sollen die entstandene Diesel-Lücke zumindest teilweise schließen.