Boreout

Sind Sie auch gelangweilt von ihrem Job?

Wolfgang Mentzel

Von Wolfgang Mentzel

Sa, 02. Dezember 2017 um 16:25 Uhr

Beruf & Karriere

Sowohl bei Burnout als auch bei Boreout leiden die Betroffenen unter Stress. Während allerdings bei Burnout Überlastung als Stressursache genannt wird, liegt die Ursache bei Boreout in einer dauerhaften Unterforderung.

Der Begriff Boreout wurde vom englischen Wort boredom für Langeweile abgeleitet. Studien besagen, dass etwa zehn bis 15 Prozent der Arbeitnehmer sich beruflich unterfordert fühlen und unter Langeweile an ihrem Arbeitsplatz leiden. Gelegentlich wird Boreout als Faulheit bezeichnet. Das ist nicht korrekt. Mitarbeiter, die faul sind, wollen nicht arbeiten, Mitarbeiter, die an Boreout leiden, sind unterfordert und dürfen nicht entsprechend ihres Könnens arbeiten.



Die Hauptursache für Boreout liegt im Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft. Verwaltungsberufe, deren Inhalte sich durch Rationalisierung verändert haben, sind stärker gefährdet als technische Berufe. Die hierarchische Ebene spielt keine Rolle; Führungskräfte können ebenso betroffen sein wie Mitarbeiter unterer Ebenen.

Die meisten an Boreout leidenden Mitarbeiter sind mit dieser Situation nicht zufrieden. Weil sie sich unterfordert fühlen und langweilen, sehen sie in ihrer Arbeit keinen Sinn mehr. Boreout entsteht, weil Menschen das Bedürfnis in sich haben, etwas zu leisten, um dafür Anerkennung zu erhalten.

Wenn diese Anerkennung ausbleibt, weil ein Mitarbeiter nichts leistet, ist das Selbstwertgefühl beeinträchtigt. Aber statt auf dieses Problem hinzuweisen, werden langfristig angelegte Verhaltensstrategien entwickelt, um ausgelastet zu wirken. Eine intensive Beschäftigung wird vorgetäuscht, etwa Surfen im Internet, willkürliches Tippen am PC, Erledigen privater Arbeiten. Das mag paradox klingen, hängt aber damit zusammen, dass die Betroffenen nicht zugeben möchten, dass sie sich mangels echter und interessanter Arbeit langweilen.

Damit kommt es zu einem Teufelskreis: Obwohl die an Boreout leidenden Mitarbeiter mit ihrer Situation unzufrieden sind, versäumen sie es, die Situation zu analysieren und nach Lösungen zu suchen. Stattdessen werden Ersatzstrategien entwickelt. Das Problem wird nicht beseitigt, die Unzufriedenheit dauert weiter an.

Das Selbstwertgefühl leidet nach wie vor. Mit dieser Verhaltensweise schaden die an Boreout leidenden Mitarbeiter sowohl dem Unternehmen als auch sich selbst. Ein erster Schritt zur Besserung ist getan, wenn der Mitarbeiter sein Problem selbst erkennt.

Im Gegensatz zu an Burnout leidenden Mitarbeitern, die ihre Rolle weitgehend passiv ertragen, können von Boreout betroffene Mitarbeiter selbst aktiv werden und sich um eine Änderung ihrer Situation bemühen. Ein Mitarbeiter, der sich langweilt oder unterfordert fühlt, sollte so früh wie möglich seinen Vorgesetzten ansprechen und über Lösungen nachdenken. Auf Unternehmensseite sollte man sich bewusst machen, dass Mitarbeiter, die an Boreout leiden, mehr leisten können, als man sie lässt. Es liegt an den Führungskräften, solchen Mitarbeitern zu helfen, damit sie das Unternehmen nicht verlassen.

Boreout erkennen ist nicht einfach

Es ist allerdings nicht einfach, Boreout zu erkennen. Alle Merkmale, durch welche sich die an Boreout leidenden Mitarbeiter von anderen Mitarbeitern unterscheiden, können auch andere Ursachen haben. Ebenso wie der Mitarbeiter sollte auch der Vorgesetzte das Gespräch suchen, wenn er den Eindruck hat, dass Mitarbeiter nicht ausgelastet sind. Gemeinsam sollte nach Lösungsmöglichkeiten gesucht werden, die beide Seiten zufrieden stellen.

Je nach Situation bieten sich an: Erweiterung des Aufgabengebietes, mehr Verantwortung und Übertragung anspruchsvollerer Aufgaben, Beteiligung an wichtigen Projekten, Weiterbildung sowie der Erwerb von Zusatzqualifikationen.