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29. Oktober 2010 18:49 Uhr

Filme über Amateurfussball

BGH-Urteil: Punktsieg für die Hartplatzhelden

Fußball-Fans dürfen weiter Bilder und kurze Videos von Amateurfußballspielen in das Internetportal der Hartplatzhelden einstellen. Das entschied der Bundesgerichtshof. Damit scheiterte die Klage des Württembergischen Fußballverbands.

  1. BGH-Urteil: Punktsieg für die Hartplatzhelden Foto: usage worldwide, Verwendung weltweit

FREIBURG. "Auswärtssieg! Wir haben das Spiel gedreht", meldeten gestern die Hartplatzhelden. "Wir sind glücklich und erleichtert." Hartplatzhelden, so nennt sich ein Internetportal, das nun schon eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Nach einem drei Jahre währenden Rechtsstreit entschied der Bundesgerichtshof (BGH): Das Portal darf auch künftig Videos von Amateurspielen im Netz veröffentlichen.

Das Urteil des BGH in Karlsruhe könnte sich als wegweisend herausstellen – für den Amateurfußball in Deutschland, aber auch für andere Sportarten und ganz grundsätzlich für "Partien aus den unteren Ligen, in die sich niemals eine professionelle Fernsehkamera verirren wird", wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.

Wer darf wann, was filmen?

Es geht um das Recht, bewegte Bilder herzustellen und diese dann für jeden öffentlich zugänglich zu machen. Als Filmkameras noch klobige Koffer waren, ein Internet nicht existierte und der Sportfan allenfalls zwischen ARD und ZDF hin- und herzappen konnte, war die Frage des Rechtes am bewegten Bild noch nicht von allzu hoher Bedeutung. Die Kommerzialisierung des Sports, die neue Medienvielfalt, der Siegeszug des World Wide Web und die Digitalisierung des Alltagslebens haben das grundlegend geändert. Immer wichtiger wird nun die Frage, wer wann was filmen und veröffentlichen darf.

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Im Fall der Hartplatzhelden geht es um Amateurfußball bis hoch zur Oberliga – also um Kicks, bei denen die Vertreter der Vereine in aller Regel hocherfreut sind, wenn sich dort am Spielfeldrand Medienvertreter jedweder Couleur überhaupt einmal blicken lassen. Fans erstellen Videos von Spielen, die nie im TV zu sehen sein werden und über die allenfalls die Lokalzeitung berichtet. Mehr als 2000 solcher Kurzvideos haben die Macher von www.hartplatzhelden.de mittlerweile öffentlich zugänglich gemacht. Meist handelt es sich um einzelne Spielszenen von ein bis zwei Minuten Länge.

Ein Schlupfloch für den Verband

Dem Württembergischen Fußballverband (WFV) war das ein Dorn im Auge. Er wollte die Videos verbieten mit der Begründung, dass es sich dabei um eine unerlaubte gewerbliche Verwertung handle. Vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht Stuttgart hatte der WFV mit seiner Argumentation Erfolg. Schließlich, so sein Vizepräsident Michael Hurler, halte der Verband den ganzen Spielbetrieb mit seinen zahlreichen Ehrenamtlichen am Laufen, bilde Schiedsrichter aus und erstelle die Spielpläne.

Darf der Verband die Kicks, die er organisiert, dann aber auch ausschließlich selbst verwerten? Nein, entschied der BGH am Donnerstag. Es gebe kein ausschließliches Recht an der Verwertung von Fußballspielen, so das höchste deutsche Zivilgericht. Der Verband wolle einen umfangreichen "Event-Schutz" erwirken, so der Vorsitzende Richter. Die Vorschriften des Wettbewerbsrechts seien in diesem Fall aber nicht einschlägig. Der Verband könne sich die Verwertung auch sichern, indem er den Besuchern im Stadion Videoaufnahmen verbiete. Genau das könnte nun ein Schlupfloch sein für den WFV und andere Sportfachverbände: Wenn der Verein von seinem Hausrecht Gebrauch macht und das Filmen einer Veranstaltung auf seinem Gelände generell untersagt.

Einem Monopol den Weg bereiten?

Oliver Fritsch, im Jahr 2006 der Gründer des Internetportals, sieht das entspannt. "Wenn der gastgebende Verein das Filmen untersagt, würden wir das akzeptieren." Fritsch glaubt aber nicht, dass dieser Fall eintreten wird. "Die Vereine waren auf unserer Seite, und die Spieler sind es ohnehin." Fritsch ist Journalist, seine Auseinandersetzung vor Gericht war auch ein Kampf für die Pressefreiheit und Medienvielfalt in Deutschland.

Natürlich geht es in dem Streit – zumindest langfristig – auch um finanzielle Fragen. Noch finanziert sich http://www.hartplatzhelden.de vor allem aus Spenden – und zum Teil aus der Werbung, die auf der Seite geschaltet werden kann. Eines Tages könnte mit den Bildern aber Geld verdient werden. Auch deshalb will der Deutsche Fußball-Bund auf seiner Seite www.fussball.de ein ähnliches Angebot wie die Hartplatzhelden aufbauen. Sollte sein württembergischer Landesverband mit seiner hartnäckigen Klage einem Monopol den Weg bereiten?

Schutz der Verwertung über das Hausrecht?

Das ist nicht geglückt. "Heute ist ein Stück Freiheit für das Internet erkämpft worden, aber auch für Vereine und Spieler", sagte Portalgründer Fritsch nach dem Urteil. Der Badischen Zeitung erklärte er: "Das Urteil lässt sich nach meiner Ansicht problemlos auch auf alle anderen Sportarten übertragen." Man wolle denjenigen "zum Lichte verhelfen", die sonst keine Chance haben. "Eigentlich müsste der Verband auf unserer Seite stehen. Wir wollen die schönen Seiten des Amateurfußballs zeigen."

WFV-Vizepräsident Michael Hurler erklärte, man müsse das Urteil hinnehmen. "Uns war klar, dass es schwierig wird und dass wir uns auf absolutes Neuland begeben." Einen Schutz der Verwertung über das Hausrecht hält auch er für unrealistisch: "Wir wehren uns ja nicht gegen das Filmen, sondern gegen das Verwerten."

Multimediale Verwertung gewinnt an Bedeutung

Welche Folgen das Urteil haben wird, wird nun im Internet bundesweit engagiert erörtert. Zeit online schreibt: "Der Fußball gehört eben nicht den Herren Blatter, Platini und Zwanziger, sondern dem Bezirksliga-Libero und Kreisklassen-Stürmer." Der angesehene Sportjournalist Jens Weinreich spricht von einem "Urteil, über das gewiss noch ausgiebig debattiert wird. Ein Schock für den Württembergischen Fußballverband und den Deutschen Fußball-Bund."

Die multimediale Verwertung von Sportereignissen gewinnt auch in Südbaden an Bedeutung. Hunderte von Sportvideos können etwa im Internetauftritt der Badischen Zeitung angeklickt werden (www.badische-zeitung.de). Es handelt sich dabei zum einen um Videos zu nationalen und internationalen Sportereignissen, die von Agenturen angeliefert werden.

Probleme bei der Berichterstattung

Die Online-Redaktion der BZ filmt aber auch häufig selbst in der Region. Sie berichtet zum Beispiel ausführlich vom Freiburg-Marathon. Im Internet sind dann Videos zum Renngeschehen anzuschauen, aber auch ein Livebild aus dem Zielbereich. Eine fest montierte Kamera filmt die Läuferinnen und Läufer auf ihren letzten Metern. Gernot Weigl, Geschäftsführer der Münchner Runabout GmbH, ist als Veranstalter im Besitz der Rechte. Er erlaubt der Online-Redaktion der BZ ausdrücklich die Filmaufnahmen.

Häufig darf sie aber nicht das eigentliche Sportgeschehen, sondern nur das "Drumherum" einer Veranstaltung aufnehmen. Das ist natürlich im Profifußball der Fall. SC-Trainer Robin Dutt zum Beispiel darf regelmäßig auf seinen Pressekonferenzen im Badenova-Stadion gefilmt werden. Das Video dazu stellt BZ-Online dann in der Regel zwei Tage vor dem Spiel ins Netz.
Anders verhält es sich mit den Spielen der Profikicker selbst. Partien der Bundesliga dürfen ausdrücklich nicht gefilmt und gezeigt werden, Testspiele sind Verhandlungssache.

Bei vielen kleineren Sportveranstaltungen und Events ist das Filmen hingegen völlig unproblematisch. So hat badische-zeitung.de schon Videos vom Hundeschlittenrennen in Todtmoos oder von der Axtwurfmeisterschaft im Hotzenwald gedreht. Aber auch das Freiburger Zweitligaeishockey ist regelmäßig Gegenstand der Berichterstattung.

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Autor: Andreas Strepenick