Per Rad auf Friedenstour

Bernd F. Meier

Von Bernd F. Meier (dpa)

Sa, 15. September 2018

Reise

Unterwegs auf den historischen Spuren der Friedensreiter zwischen Münster und Osnabrück.

Bedächtig wiegt der Bauer seinen Kopf. "Den Weg der Friedensreiter wollt ihr bis nach Osnabrück fahren?", fragt er. Ungläubig scheint er zu staunen, was den Leuten heutzutage so einfällt, die auf E-Bikes an seinem Gehöft vorbeirollen.

Wir wollen in drei Tagen auf der 175 Kilometer langen Friedensroute von Münster nach Osnabrück und zurück fahren. Auf handtuchschmalen Sandpfaden, holprigen Waldwegen und über stille Landstraßen. Die flache Strecke führt vorüber an Weiden, Getreidefeldern und durch kleine Wälder in der sanften münsterländischen Parklandschaft.

Greven, Tecklenburg, Lienen, Bad Iburg, Bad Laer, Glandorf, Ostbevern und Telgte sind die Hauptorte entlang der Rundtour, die seit 1998 besteht. Der 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens, der den Dreißigjährigen Krieg beendete, war die Initialzündung für das Projekt. "Sie folgt den Pfaden der reitenden Boten, die ab 1643 während der fünf Jahre dauernden Friedensverhandlungen mit Depeschen zwischen Münster und Osnabrück unterwegs waren", erklärt Hans-Joachim Gerdemann, Radexperte beim Tourismusverband Münsterland in Greven. Auch eine Route für Wanderer gibt’s (X 1648), die 74 Kilometer von Münster nach Osnabrück führt.

Radtouristen wie Wanderer begeben sich zwischen beiden Städten auf eine Zeitreise in die europäische Geschichte. Wer die Tour in Münster beginnt, sieht während der "Stadtführung 1648" im gotischen Rathaus den Friedenssaal. Dort wurde am 15. Mai 1648 der Teilfrieden zwischen Spanien und den Niederlanden beschworen und damit die politische Selbständigkeit der Niederlande besiegelt. Am 24. Oktober 1648 folgte der Westfälische Frieden, mit dem zum ersten Mal überhaupt in Europa ein Krieg nicht militärisch, sondern durch Verhandlungen beendet wurde.

In Tecklenburg etwa führt die Route zum hübschen Haus Marck, dessen Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen. Hausherrin Ricarda Freifrau von Diepenbroick-Grüter gesellt sich hin und wieder zu den Friedensradlern. "Auch bei uns auf Haus Marck gab es im Juli 1643 erste Vorverhandlungen. Zu dem dreistündigen Gespräch kamen die Gesandten Johann Krane für die katholische Seite und für die Protestanten Christopher von der Lippe", erzählt sie historisch Überliefertes. Doch die Räumlichkeiten erschienen den Gesandten als zu klein, die weiteren Gespräche fanden in der evangelischen Stadtkirche im benachbarten Lengerich statt.

Dort erinnert eine Pferdeskulptur an das wichtigste historische Ereignis der Stadt, das Lengericher Conclusum vom 1. Juli 1645. Danach durften alle freien Reichsstädte und Reichsstände ebenfalls an den Friedensverhandlungen teilnehmen und nicht allein die kriegführenden Parteien – das galt als Durchbruch.

Ein paar steilere Anstiege gilt es im Tecklenburger und Osnabrücker Land zu überwinden. Dann fahren wir aus der stillen Natur in die lebendige Altstadt und zum Rathaus von Osnabrück mit dem Friedenssaal, wo einst getagt wurde. Über Bad Iburg mit dem Schloss aus dem elften Jahrhundert, Bad Laer mit einem frühromanischen Wehrkirchenturm und die Loburg in Ostbevern rollen wir zurück nach Münster. Im Wallfahrtsort Telgte steht die barocke Gnadenkapelle von 1657. Dort beten fromme Christen vor dem Bildnis der Schmerzhaften Muttergottes – für den Frieden.

Infos: http://www.muenster.de www.muensterland-tourismus.de, http://www.osnabrueck.de