Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

17. Juli 2017

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegt der Kassensturz

Der RV Schutterwald richtete zum 30. Mal die Landesmeisterschaft aus und muss als Veranstalter keine ernsthafte Konkurrenz im Bundesland fürchten.

  1. Fachkundiges Publikum auf der Fohlenweide Foto:  Pressebüro Schaller

REITEN (uws/utw). Never change a winning Team – eine siegreiche Mannschaft sollte man nie ändern. Das sagt eine Weisheit aus dem britischen Fußball, die in leichter Abwandlung auch anderswo Anwendung finden kann. Zum Beispiel im Reitsport. Warum sollte die Landesmeisterschaft nicht immer in Schutterwald ausgetragen werden, warum etwas ändern, wenn sich alle – Aktive und Funktionäre – dort so sehr wohl fühlen, wenn die Meisterschaft ein Erfolg ist?

Der Wunsch des Verbandes
Miriam Abel, Geschäftsführerin des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg, gehört zu denen, die am allerliebsten gar nichts ändern würden. "Hier haben wir eine tolle Anlage, ausgezeichnete Bedingungen", stellt sie fest. "Unser Wunsch vom Verband ist es, die Landesmeisterschaft auch im nächsten Jahr wieder hier zu veranstalten." Wer könne schon, so fragt sie, Platz für mehr als 300 Pferde bieten, dazu Raum für Wohnwagen, Stellplätze und die entsprechenden Reitanlagen. Außerdem sei die Stimmung ausgezeichnet. Ihr ist kein anderer Kandidat im Bundesland bekannt, der den Finger haben würde. Sie hätte gerne Planungssicherheit zu einem frühen Zeitpunkt und spricht naturgemäß jetzt schon mit den Vertretern des Reitvereins Schutterwald über die 31. Meisterschaft im kommenden Jahr.

Werbung


Das Warten auf den Kassensturz
Reiner Oßwald und Andreas Maile, sind Vorsitzende beim RV Schutterwald. Sie und ihre zahlreichen Mitstreiter dürfen die Meisterschaft also wieder ausrichten – wenn sie wollen. Zum 30. Mal waren sie in diesem Jahr Gastgeber, allerdings nicht zum 30. Mal in Folge. Premiere war im Jahr 1983 auf der Schutterwälder Fohlenweide, auch Tübingen, Bad Urach und Heidenheim waren schon am Zug. Seit 1988 wird permanent in Schutterwald um die Titel im Südweststaat geritten. "Wie lassen das Turnier jetzt erst mal vorbeigehen", sagt Oßwald. Nach einer Pause folgen die Aufarbeitung und ein Kassensturz. Dass die finanzielle Bilanz eine entscheidende Rolle spielt, ist klar. "Für den Verein muss am Ende natürlich etwas übrig bleiben", erklärt Oßwald. Angesichts steigender Fixkosten wollen die Schutterwälder gut überlegen. Dass in diesem Jahr das Wetter ausgezeichnet passte, kann eine Rolle spielen. Maile sagt, es habe schon Jahre gegeben, da habe man draufgelegt, oder es sei "gerade so null auf null aufgegangen." Er schätzt, dass die Entscheidung in sechs bis acht Wochen fällt.

Hilfe von der Ostsee
Zu einer funktionierenden Veranstaltung gehört auch eine engagierte Öffentlichkeitsarbeit. Dafür steht Ute Winkler, Pressesprecherin mit Wohnsitz an der Kieler Förde. Am Donnerstag ist sie, quasi mit den Reitern, zur Veranstaltung angereist. Am Sonntagnacht geht es wieder nach Hause. Die Frau, die aus Greifswald in Vorpommern stammt, hat eine starke Verbindung nach Schutterwald. 2006 zog sie mit ihrem Mann, der eine Beschäftigung in Offenburg fand, gen Süden. 2015 ging es aus familiären Erwägungen wieder an die Ostsee, nach Laboe. Obwohl sie selbst keine Reiterin ist, begann sie in Schutterwald 2012 mit der Pressearbeit für den Reitverein. Daran hat die Frau festgehalten, die Heilpraktikerin und freie Journalistin von Beruf ist. Sie sagt, sie habe ihre Hobbys zum Beruf gemacht. Nicht nur für die Reiterin nimmt die lange Fahrt in Kauf. Viermal im Jahr betreut sie in der Ortenau ihre Patienten, die sie nicht im Stich lassen möchte.

Akrobatik in der Nacht
Die Schutterwälder Pferdenacht gehört zu den Höhepunkten der viertägigen Veranstaltung. Die Zuschauer erlebten am Samstagabend eine rasante, hochklassige Gala-Show. Die französische Zirkusgruppe Troupe Jehol avancierte zum Zuschauerliebling. Ob mit Zirzensik, Akrobatik oder Freiheitsdressuren – ihre eindrucks- und temperamentvollen Kaltblüter eroberten die Herzen des großen und kleinen Publikums. Rasant schossen sie wie wilde Kosaken über den Festplatz, liefen neben dem galoppierenden Pferd her, schwangen sich unter den Vierbeinern durch und wieder hinauf in den Sattel. Wie die Anfänge und Entwicklung der Akrobatik auf den Pferderücken aussehen, zeigten die Voltigierer des RV Kehl-Sundheim in ihrer Schaunummer. Die Ausbildungsstufen eines Dressurpferdes stellte die Dressurreiterin Nicole Casper vor. Der talentierte Nachwuchshengst Topas ist Nachkomme des berühmten Dressurpferdes Totilas. Über feste Hindernisse sprangen Baden-Württembergs Nachwuchs-Pony-Vielseitigkeitsreiter. Mit rasanter Galoppade absolvierten sie den Parcours aus festen Hindernissen. Einige der jungen Reiter waren erst elf Jahre alt. Statt eines Feuerwerks endete die Pferdegala mit etwas anderen Pferdestärken. Beim Einfahren der großen Rampe auf dem Springplatz bewies die Gruppe der Motocross-Show Fingerspitzengefühl. Die Freestyler flogen mit ihren Maschinen unter tosenden Applaus in den Schutterwälder Himmel. "Wir haben eine Alternative zum Feuerwerk gesucht", erklärten die Vorstände Malle und Oßwald. Viele Reiter hatten gebeten, aus Rücksicht auf die Pferde auf ein Feuerwerk zu verzichten.

Autor: uws