Der Grabbestei wird amtlich

Richard Kaiser

Von Richard Kaiser

Fr, 02. Juni 2017

Rheinfelden

Der Aussichtspunkt Rappenfelsen in Herten erhält offiziell den gebräuchlichen Namen.

HERTEN. Den Freunden der Mundart wird es gefallen, denn "ihr" Grabbestei findet demnächst im amtlichen Kartenwerk Eingang. Bislang war der markante, große Gesteinsblock nordwestlich des Hertener Ortskerns darin bislang als "Rappenfelsen" beschrieben und so vom Schwarzwaldverein auch als Wanderziel markiert. Jetzt stieß der Antrag der Ortsverwaltung auf Namensänderung beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg auf offene Ohren.

Da sich für den Hertener Aussichtspunkt die Bezeichnung Rappenfelsen heimatgeschichtlich nicht nachweisen lässt, sondern allem Anschein nach in das Reich der Fabeln fällt, hat der Ortschaftsrat vor kurzem beschlossen, den Rappenfelsen offiziell in den gebräuchlichen Namen Grabbestei umnennen zu lassen.

Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung als zuständige Oberbehörde sah im Antrag der Ortsverwaltung Herten ein stichhaltiges Argument, dem es gerne folge, wie der verantwortliche Referatsleiter Christoph Hermann mitteilte. Bei der Benennung topografischer, lokaler Objekte seien Entscheidungen eines Ortschaftsrates von Bedeutung, sagte er. Dass jedoch Dialektbezeichnungen, wie der Grabbestei eine ist, – der jedoch schon 1785 zum besseren Verständnis von Amts wegen als Grappenstein hervortrat – von heutigen Behörden akzeptiert werden, ist nicht selbstverständlich. "Bezüglich lokaler topografischer Objekte nehmen wir auf die örtlichen Festlegungen und Namensbezeichnungen Rücksicht, sofern es keine strittigen Ansichten gibt", Hermann.

Ältester Eintrag aus dem Jahr 1785

Die alteingesessenen Hertener Bürger werden die Entscheidung der Stuttgarter Oberbehörde wohl als bürgernah auffassen, die zugezogenen Bewohner können den Grabbestei in ihren Wortschatz aufnehmen.

Der älteste Eintrag für den Aussichtspunkt, der sich 120 Meter über dem Dorf befindet, trägt auf der Gemarkungskarte aus dem Jahr 1785 bereits die Bezeichnung Grappenstein. Da ein Grapp die mundartliche Bezeichnung für einen Raben ist, entstand daraus bei der Katastervermessung in den 1880er Jahren für das umliegende Waldgebiet der Gewannname Rabenstein, denn Dialektnamen sind als Flurbezeichnung nicht zulässig.

Dieser Flurname existiert noch bis heute, für den großen Gesteinsblock ist im Jahr 1965 als topografische Bezeichnung jedoch der Name Rappenfelsen gewählt geworden. Nun wird dieser wieder zum Grappenstein, oder vielmehr zum Grabbestei.