"Der Umweltpreis ist fürs Projekt"

mtp

Von mtp

Mo, 26. Januar 2015

Rheinfelden

BZ-INTERVIEW mit Robert Uhlmann und Tim Seitz von St. Josef.

RHEINFELDEN. Autarke und unabhängige Stromproduktion hat nicht jedes Zeltlager. Umso mehr freuten sich die "Leinegger", dass sie für ihre in Eigenregie gebaute Photovoltaikanlage mit dem Umweltpreis der Erzdiözese Freiburg ausgezeichnet wurden. BZ-Mitarbeiterin Martina Proprenter sprach mit Lagerverwalter Robert Uhlmann und Lagerleiter Tim Seitz über Aufbau und Planung und was sie mit dem Preisgeld machen werden.

BZ: Herr Uhlmann, Sie haben 3300 Euro Preisgeld bekommen, gehen Sie von dem Geld jetzt erst mal Pizza essen?

Uhlmann: Nein (lacht). Es wird ein Helferfest von der Pfarrei geben, das aber nicht von dem Betrag genommen wird, der ist projektgebunden für die Leinegg. Denn es sind noch verschiedene Ausbaustufen, Optimierungen der jetzigen Anlage möglich. Etwa mehr LEDs verwenden, die Anzeige des Batteriestandes transparenter machen, damit die Leute sehen, wann der Akku schwach wird. Aber auch Beschriftungen, Anschlüsse, viele Kleinigkeiten, die man verbessern kann, um die Anlage leicht bedienbar zu machen. Wir überlegen auch, ob es in kleinem Rahmen möglich ist, die Wasserkraft zu nutzen, da ein Bach vorbeiläuft. Wenn die Sonne mal länger nicht scheint, hätte man eine gute Alternative, um Strom produzieren zu können. Bisher ist es nur eine vage Idee. Durch das Preisgeld haben wir aber die Option, vielleicht auch versuchstechnisch mal etwas aufzubauen.

BZ: Warum haben Sie sich für eine Photovoltaikanlage entschieden, als die Stromleitung zerstört wurde?

Uhlmann: Mehrere Bäume sind auf die Leitungen gefallen, haben die halbe Leitungsstrecke zerstört. Seitens des Energieversorgers wäre es unwirtschaftlich gewesen, diese wieder aufzubauen. Da wir Strom für die Infrastruktur brauchen, dachten wir, wir nutzen die Chance. Statt eines großen Aggregats wollten wir es regenerativ und autark machen, unabhängig von außen sein.

BZ: Wie teuer war die Anlage?

Uhlmann: Die reinen Materialkosten betrugen etwa 18000 Euro, für die komplette Anlage, bei der wir auch die Wasserleitungen erneuert haben. Um Strom zu sparen, musste die Wasserversorgung optimiert werden, durch größere Leitungen konnten wir auf Pumpen verzichten, das Wasser fließt nun über Schwerkraft ins Lager. Wir haben die gesamte Infrastruktur erneuert, Brauch- und Trinkwassertanks installiert.

BZ: Wer hat die Anlage gezahlt, die Pfarrgemeinde?

Uhlmann: Die Anlage haben wir dank Sponsoren bauen können. So hat ED einen Beitrag gespendet, mein Arbeitgeber, Aluminium Semis, hat uns beispielsweise die Werkstatt zur Verfügung gestellt. Es gab auch sehr viele kleine Spenden von Privatpersonen oder Sachspenden. Die Konstruktion der Aufhängung der Photovoltaik-Elemente haben zwei Maschinenbaustudenten aus dem Leinegg-Team übernommen.

BZ: Aufgebaut haben Sie die Anlage ehrenamtlich, haben dafür rund 800 Stunden investiert. Wie viele Personen haben geholfen?

Uhlmann: Etwa 25. Viel Arbeit war es, ein Konzept zu erstellen, mit dem wir uns an die Sponsoren wenden konnten. Als wir die hatten, haben wir nach Leineggern gesucht, also ehemaligen und aktiven Leitern der Kinder- und Jugendzeltlager, die helfen wollten. Gearbeitet haben wir am Wochenende, da wir alle Familie, Beruf und andere Hobbys haben. Innerhalb eines halben Jahres hatten wir das Projekt umgesetzt. Unser Ziel war es, vor dem Sommerlager 2014 mit der Infrastruktur fertig zu sein, das ist gelungen.

BZ. Herr Seitz, wie funktioniert die neue Anlage in der Praxis?

Seitz: Im Pfingstlager stand das Grundgerüst bereits, da konnten wir es testen, also wie viel Strom wir verbrauchen können. Der größte Stromabnehmer ist die Pumpe, die das Wasser aus dem Bach für die Sanitäranlagen hochpumpt, die muss aber einmal pro Tag laufen, um genügend Wasser im Lager zu haben. Im Sommerlager war alles fertig und es hat alles gut funktioniert. Wir konnten den Kindern so zeigen, dass man auch ohne Steckdose Strom haben kann und wie viel Aufwand dahinter steckt, diesen nutzen zu können. Ihnen ist natürlich aufgefallen, dass die Stromleitungen weg sind und nun zwei Solarpanels auch auf dem Lagergelände unter anderem für Licht im Sanitäts-, Technik- und Küchenzelt stehen.

Robert Uhlmann (36) ist Lagerverwalter der Pfarrgemeinde St. Josef und war bereits als Kind bei Lagerfreizeiten auf der Leinegg. Tim Seitz (19) ist Lagerleiter der Leinegg und macht gerade sein FSJ in einem Kinderhort. Das nächste Sommerlager ist in den ersten beiden Sommerferienwochen. Infos unter http://www.leinegg.de Die Pfarrgemeinde St. Josef nutzt das Areal bereits seit den 60er Jahren, seit den 70ern für Freizeiten und Lager, pro Jahr gibt es bis zu 2000 Übernachtungen aus Rheinfelden.