Die Begegnung steht im Mittelpunkt

Danielle Hirschberger

Von Danielle Hirschberger

Mo, 20. November 2017

Rheinfelden

Beim "Stimmungsvollen Abendverkauf" des St. Josefshauses Herten wird Inklusion lebendig und sorgt für heitere Momente.

RHEINFELDEN. Zum "Stimmungsvollen Abendverkauf" strömten Besucher aus Herten und Umgebung zum St. Josefshaus, um diesen ersten weihnachtlichen Markt in der Region zu erleben. 15 externe Anbieter, vier eigene Stände, ein gut sortierter Werkstattladen und ein reichhaltiges Angebot zum Essen und Trinken warteten auf interessierte Käufer. Der Markt wird vom Leiter der Werkstätten Joachim Trüby und seinem Team organisiert, das primäre Ziel ist die Begegnung.

"Der finanzielle Gewinn steht nicht im Vordergrund, wir wollen lediglich die Kosten reinholen", erklärt Joachim Trüby. Dem Leiter der Werkstätten ist es eine Herzenssache, unbefangene Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen. "Das Ziel des "Stimmungsvollen Abendverkaufs" ist es, deutlich zu machen, dass Menschen mit Behinderung Teil des Sozialraums sind. Es darf nichts Besonderes mehr sein, wenn sich Menschen mit und ohne Behinderung begegnen, sondern etwas ganz Selbstverständliches." Die Mitarbeiter des St. Josefshauses widmen sich der Aufgabe, die Menschen mit Behinderung zur Selbstständigkeit zu befähigen und zu ermutigen. Nach dem Subsidiaritätsprinzip wird Hilfe gewährt, wo sie benötigt wird, ansonsten soll der Betroffene möglichst selbstbestimmt und eigenverantwortlich leben. Trüby wünscht sich, dass die Gesellschaft den Wandel vom früheren Ausgrenzen zur gewünschten Inklusion mitträgt, aber dazu brauche es die offene Begegnung. Menschen mit Behinderung seien anders, und je weniger Kontakt Menschen einer Region miteinander pflegen, desto weniger können sie miteinander umgehen. Beim "Stimmungsvollen Abendverkauf" jauchzt ein Mann mit Rollator laut und fröhlich: "Bald isch Wiehnächte, bald isch Wiehnächte". Die Menschen in seiner Umgebung lächeln. Am Glühweinstand dauert es ein bisschen länger, bis der Vordermann das passende Sackgeld aus seinem Portemonnaie gezupft und sich zögerlich von ihm getrennt hat. Anna kreischt, weil sie etwas Hübsches entdeckt hat – sie ist lauter und drückt ihre Gefühle direkter aus als gleichaltrige Frauen sonst. Bei diesem Abendverkauf ist dies Normalität und trägt zur heiteren Stimmung bei.

Auch im Werkstattladen herrscht dichtes Gedränge, im Café Grenzenlos muss auf Selbstbedienung umgeschaltet werden, und in der nett dekorierten, sonst ganz schmucklosen Kantine können sich Besucher bei Gulasch- oder Kürbissuppe aufwärmen. Die Kinder freuen sich über einen eigenen Stand der Werkstattmitarbeiter, an dem sie Stockbrot backen können. Für alle gibt es Waffeln, Bratwürste und den ersten Früchtepunsch und Glühwein des anbrechenden kalten Winters. Schule und Förderbereich bieten Produkte an, die von den Menschen mit Behinderung gefertigt wurden.

Es erfordert Fantasie, ein geeignetes Produkt zu finden, das von Menschen mit Behinderung hergestellt werden kann. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Knotenkissen. Das sind Kopfkissen, die im Förderbereich aus dicken rosa Schläuchen gefertigt wurden und beim Abendverkauf der Renner waren. Externe Anbieter hatten feine Marmeladen und pfiffiges Eingemachtes, Taschen aus leeren Kaffeetüten, Holzprodukte, Honig, Likör sowie eine große Vielfalt origineller Weihnachtsdekoration im Angebot. Zwölf Musiker im Alter von 10 bis 18 Jahren, das Jugendorchester des Musikvereins Herten spielt unter der Leitung von Georg Schanz moderne Melodien. Die Inklusive Familienhilfe bietet Führungen im hell beleuchteten Haus Elisabeth an.

Weitere Fotos unter http://mehr.bz/abendverkauf17