Ein Marathon ist nichts dagegen

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Do, 16. Juli 2015

Rheinfelden

Aufbau der Gartenmesse Diga auf Schloss Beuggen beginnt / Mitarbeiter des Veranstalters Süma legen bis zu 50 Kilometer zurück.

RHEINFELDEN. In aller Seelenruhe schwimmen die beiden Schwäne im Schlossgraben ihre Runden, es riecht nach gemähtem Gras: Schloss Beuggen ist ein idyllischer Ort. Von außen betrachtet, stimmt das auch heute Morgen. Doch von jenseits des Schlosstors sind Hammerschläge zu hören. Froh ist, wer den Aufbau für die Gartenmesse Diga im Schatten erledigen oder sich wie Dieter Maier im lauschigen, kühlen Büro hinter dicken Mauern um die Organisation kümmern kann. Seit Montag bereitet Süma Maier die Messe vor Ort vor. Gestern kamen die ersten Händler.

Der Hausmeister ist der Star
Bevor Seerosen mit so vielsagenden Namen wie Black Princess im Becken schwimmen, ist Franz Reichle der unangefochtene Star auf dem Gelände. Er hilft. Immer. Auch zwei Wochen nach seiner Lendenwirbelentzündung hilft der Hausmeister. Er weiß, wo was ist und wo man was bekommt. Und er ist in aller Munde. Die Verwaltungschefin des Schlosses, Petra Rieckmann, gönnt ihm eine rasche Erholung, sie will aber nicht auf sein Wissen verzichten, betont sie: "Franz, habe ich ihm gesagt, wir brauchen nur Deinen Kopf." Wo Dieter Maier auch hinkommt, die Aussteller sind voll des Lobes für Reichle ("Wir legen gerade den Strom") – auch wenn dieser selbst das gar nicht so gerne hört. Süma-Geschäftsführer Maier sagt trotzdem: "Franz Reichle ist unbezahlbar."

Die Händler kommen
Mittwochs kommen stets die ersten Händler. Dann sind viele Dinge längst vorbereitet, damit genug Platz zum Ausladen und Aufbauen auf dem Schlossgelände bleibt. Strom und Wasser werden ebenfalls heute angeschlossen. Am Vortag lieferte ein örtlicher Händler schon die gesamten Getränke. Zwei Toilettenwagen, mehrere Pagodenzelte und drei Müllcontainer wurden aufgestellt. "Wir werden am Ende 50 Kubikmeter Müll zu entsorgen haben", sagt Maier.

Manche Aussteller bauen nicht selbst auf. Sie lassen aufbauen. Mitarbeiter einer Firma ziehen die weißen Pagodenzelte hoch, die eines anderen Unternehmens bauen für Energiedienst diesmal eine Grillstation direkt vor dem Haupteingang des Schlosses auf und müssen sich am neuen Standort erst orientieren, denn bisher richtete Energiedienst seinen Stand mit Starkoch Begyn immer hinterm Schloss auf der Rheinterrasse ein. "Wo ist der VIP-Bereich?", fragt also ein junger Mann im schwarzen T-Shirt Maier. Auf dem Rasen rund ums Schloss sind mit roter Farbe als Kennzeichnung die Ecken der Standplätze gesprüht. Bauelemente liegen herum, die Männer schwitzen, wenn sie nicht gerade ein kühles Plätzchen für eine Pause gefunden haben. Wo früher der Bibelgarten war, hieven Helga und Heinz Fiekers aus dem Emsland eine große Menge rot-braunes Metall aus ihrem Transporter. Seit der ersten Diga sind sie in Beuggen dabei. Heinz Fiekers sagt: "Wir vertreiben seit 20 Jahren nur Rost." An die vier Tonnen Ware bringen sie mit und bewegen sie eigenhändig ohne fremde Hilfe. Mit Maier tauschen sie sich bereits über die Messe in einer Woche in Wolfegg am Bodensee aus: "Habt ihr noch eine Ferienwohnung bekommen?", fragt Maier, der auch dort sein wird.

Fragen zur Zukunft
Während des ganzen Treibens läuft der Betrieb der evangelischen Tagungsstätte weiter. Auch deren Gäste ziehen sich in den Schatten am Fuße der alten Mauern zurück. Petra Rieckmann und Dieter Maier treffen sich indes beim Bibelgarten und nehmen sich ein paar Minuten Zeit für eine Unterhaltung im Schatten der alten Bäume. Die Gastgeberin macht dieselbe Erfahrung wie Maier: Die Zukunft von Schloss Beuggen beschäftigt Gäste der Tagungsstätte wie Händler der Messe intensiv.

"Die häufigsten Fragen an uns sind", erzählt Maier, "kann ich meinen Hund mitbringen, wo finde ich Behindertenparkplätze und wie sieht die Zukunft des Schlosses aus?" Rieckmann sagt, sie sei ganz froh, dass von der Landeskirche in Karlsruhe entschieden wird, wer der neue Schlossbesitzer wird. Maier kann immerhin mit zwei Antworten dienen: Hunde ja, aber bitte angeleint. Und: Barrierefreie Parkplätze gibt es auf dem Rasen vor dem Haupteingang.

Fünf Tage Arbeit durchgeplant
Vor allem die bis zu 18 000 Besucher sollen sich abkühlen und entspannen können. 80 Sonnenschirme sind für sie geordert. Der Arbeitsplan für die fünf Tage ist zweieinhalb DIN-A-4-Seiten lang und beinhaltet auch das Codewort für die Mitarbeiter der Schule Tüllinger Höhe, die sich auf dem Areal befindet. Die Lehrer sollen ja ohne Eintritt zum Unterricht kommen können. Das Mähen der Wiesen, die Treppe am Alu-Parkplatz, die Beschilderung für Verkehrsleitsystem und die drei Parkplätze, die ein Anwohner in Beuggen freigehalten haben möchte: Solche Details werden darin geregelt. Süma Maier hat teils mehr als 30 Mitarbeiter im Einsatz. Dazu kommen die zehn Mädchen und Frauen der Hertener Grabben-Clique, die seit jeher die Eintrittskassen betreuen, und fünf Securitymitarbeiter.

Welche Strecken seine Mitarbeiter in den sechs Tagen der Vorbereitung und Messe zurücklegen, hat Maier mit einem Schrittzähler ermittelt. Fast 50 Kilometer kamen da zusammen. Er selbst packt nicht mehr mit an: "Meine Aufgabe ist es, den Kontakt zu den Kunden zu halten, den ganzen Ablauf komplett im Kopf zu haben und ihn zu kontrollieren." Dafür hat er sich sein kühles Büro eingerichtet.