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17. Oktober 2013

Ein Vorbild für jede Generation

176 Jahre nach seinem Tod ist Georg Büchner als Revolutionär und Namensgeber des Rheinfelder Gymnasiums noch immer aktuell.

  1. Büchner in der Popversion Foto: Martina Proprenter

Bereits 1956 wurden die ersten Schüler im Gymnasium unterrichtet, das noch ohne Namenspatron war. Zuerst wurde überlegt, eine "Tochter oder einen Sohn der Stadt als Namensgeber zu nehmen", schreibt der Schulleiter Karlheinz Hoppe in der Festschrift zum 40-jährigen Bestehen der Schule. Dabei dachten die Verantwortlichen an Emil Rathenau, der die Kraftübertragungswerke durchsetzte, seinen Sohn Walther Rathenau, Reichsaußenminister in der Weimarer Republik, oder Karl Fürstenberg, eine Größe in der Bankwirtschaft, um nur einige Beispiele zu nennen.

Der Namenspatron
Zum 40-jährigen Bestehen sollte das Gymnasium endlich einen Namen erhalten. 1995 schlug Hoppe Georg Büchner als vor, erntete Zustimmung in der Lehrerkonferenz und im Gemeinderat. "Er gehört zu den wenigen ganz großen früh Vollendeten in der deutschen Literatur", begründet Hoppe heute seine Wahl. Da das Gymnasium in der Industriestadt mehrheitlich Schüler aus der Arbeiterschaft und dem mittleren Mittelstand hatte, war der soziale Ausgleich laut Hoppe immer ein Thema. Mit der Wahl von Büchner als Namensgeber sollte sich die Schule den Werten verpflichten, die bei Büchner menschliches Zusammenleben und Zusammenwirken in besonderem Maß bestimmten: Achtung vor dem Nächsten, welcher Herkunft er auch sein mag, Respekt vor dem Recht und Zivilcourage im Aufspüren von Unrecht und Ungleichbehandlung. Hoppe sah und sieht in Büchner aber auch eine Vorbildfunktion für Jugendliche, da dieser sich hin zur Demokratie und sozialen Gerechtigkeit für alle wendete, und das stets in einer für alle Schichten verständlichen Sprache.

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Büchners Denken wirkt nach
"Wir räumen in der Schule den sozialen Kompetenzen einen hohen Stellenwert ein", sagt Eugen Morath und verweist stolz auf den Spendenbetrag von über 100 000 Euro, den Schüler in den letzten 30 Jahren für Terres des Hommes gesammelt haben. Bei internen Besprechungen der Lehrer, wie Wischnewski verrät, werde immer wieder in Streitfällen Büchner angeführt, etwa wenn es darum gehe, sich sozial zu engagieren. Wollen die Deutschlehrer ihren Schülern den hessischen Literaten des Vormärz schmackhaft machen, verweisen sie meist auf sein Alter. "Mit 23 Jahren war er nur unwesentlich älter, als es unsere Oberstufenschüler sind, das beeindruckt sie", erklärt Anette Lassahn. Sinnvoll sei es, Schüler ab der 10. Klasse mit seinen Werken vertraut zu machen, jüngeren sei die altdeutsche Sprache oft zu kompliziert.

Aktuelles Projekt
Zum 40-jährigen Bestehen organisierte die Schule eine Ausstellung seiner Werke, zum 50-jährigen Bestehen einen Büchner-"Eintopf", ein Theaterstück, in dem verschiedene Werke kurz angerissen wurden. Das nächste große Jubiläum steht erst noch bevor, das 60-Jährige feiert das GBG 2016. Zum 200. Geburtstag wurde trotzdem etwas geplant, erneut eine Ausstellung. Lassahn, die mit ihren Schülern zurzeit Dantons Tod liest, hat diesen den Auftrag gegeben, selbst etwas zu entwickeln, in dem Werk und Leben Büchners in Verbindung gebracht werden. Abgeschlossen ist das Projekt vermutlich nach den Herbstferien.

Umgestaltung in Planung
"Wir suchen immer neue Anknüpfpunkte, um den Schülern Büchner näher zu bringen", erklärt auch Direktor Hubert Wischnewski. Zwar wurde das Schullogo, ein skizziertes Porträt von Georg Büchner, vor fünf Jahren gegen ein moderneres Logo ausgetauscht, das die Verbindung zwischen Eltern, Lehrern und Schülern symbolisiert. Dafür wird Büchner auf offiziellen Schulschreiben mit dem Zitat "Ich bin so jung und die Welt ist so alt" geehrt. Demnächst wird der Eingangsbereich neu gestaltet. Der alte Hausmeisterraum soll zugeklebt werden. Ihm gegenüber hängen bereits drei Porträts von Büchner, die Schüler in Anlehnung an Andy Warhol in Popart-Versionen gestaltet haben.

So soll sich jeder Schüler, gleich mit dem Namenspatron bekannt machen, auch die jüngeren, die noch keines seiner Werke gelesen haben. Wer zum Appell ins Schulleiterzimmer gerufen wird, findet dort auch den Steckbrief von 1835 vor, mit dem Büchner wegen seiner revolutionären Flugschrift, dem Hessischen Landboten, gesucht wurde.

Georg-Büchner- Gymnasium (GBG)

1956 Unterrichtsbeginn mit 113 Schülern, im Schuljahr 2012/2013 waren es 636. Namensgebung 1996 zum Georg-Büchner-Gymnasium. Schulleiter: Hubert Wischnewski. Sprachzertifikate in Englisch, Italienisch und Französisch können erworben werden. Seit 1976 Schülermitverantwortung. Seit 1995 hilft der Freundeskreis finanziell bei Projekten. Seit dem Schuljahr 2010/2011 gibt es einen bilingualen Zug (Englischunterricht sowie der englischsprachige Sachfachunterricht in Erdkunde, Geschichte, Biologie und Gemeinschaftskunde). 61 Lehrer unterrichten 194 Fächerstunden pro Woche.  

Autor: mtp

Autor: Martina Proprenter (Text und Fotos)