Fürs "I Fratelli" beginnen neue Zeiten

Ingrid Böhm-Jacob

Von Ingrid Böhm-Jacob

Di, 20. Dezember 2016

Rheinfelden

Die Familie Lamano zieht sich als Restaurantpächter aus dem Haus Salmegg zurück / Raffaele und Dana Maio übernehmen.

RHEINFELDEN. In 18 Jahren hat sich das Ristorante "I Fratelli" im Haus Salmegg zum gastronomischen Aushängeschild der Stadt entwickelt. Vom "großen Bedauern" sprach Wohnbau-Geschäftsführer Dieter Burger deshalb beim Vertragsabschluss zum Pächterwechsel in "andere Hände". Die Familie Enrico, Petra und Bruno Lamano hat mit Können, hohem Anspruch und Charme das 90-Plätze-Ristorante am Rhein betrieben. Ende des Monats verabschiedet sie sich von der Leitung auf dem Gipfel des Erfolgs. Die Nachfolge treten Raffaele und Dana Maio an, bekannt vom La Piazzetta im Rathaus.

Perfektion in Service und Küche, Qualität ohne Abstriche und Gastlichkeit mit italienischem Flair, haben die Lamanos über Jahre verkörpert. Diese Leistung hat ihren Preis: ein zwölf Stunden-Tag ist "das Minimum", 14 Stunden "normal". Oft sind es aber auch 16 und das Woche für Woche, blickt Enrico Lamano zurück. Der Einsatz für den Gast auf gleichbleibend hohem Niveau hat dem Haus viel Erfolg gebracht. Dabei hat die historische Liegenschaft der Wohnbau viel Glanz auf Rheinfelden geworfen als Adresse.

An Weihnachten decken die Lamanos ein letztes Mal in ihrer verbindlichen Gastgeber-Art den festlichen Tisch mit einem kreativen Frische-Menü in fünf Gängen. Es gibt Köstlichkeiten von Meer und Land. Es beginnt bei Tintenfischsalat mit weißem Port und endet beim Maracuja-Spuma auf Schokoladenbiskuit mit "Fior di latte-Eis". Dann folgen traditionell vom 30. Dezember bis 5. Januar Ruhetage, mit Rücksicht auf das 20-köpfige Personal in Küche und Service. "Wir geben bis zum letzten Tag hundert Prozent" verspricht Enrico Lamano als Noch-Chef des Hauses.



Tradition verpflichtet
Von Januar an ist die Geschäftsführung neu geregelt. Raffaele und Dana Maio, die beide im Service erfahren sind, starten dann. Das Ehepaar, das zuletzt eine "Babypause" eingelegt hat, übernimmt das eingespielte I Fratelli-Personal. Damit der Wechsel gelingt, begleitet Familie Lamano aktiv auch in der Küche bis ins Frühjahr für den "nahtlosen Übergang" . Dieter Burger sieht darin eine gute Voraussetzung, dass das "gute Niveau und der Namen" weitergeführt werden. Auf Fortsetzung der Tradition legt die Wohnbau als städtische GmbH Wert.

Deshalb wird auch der eingeführte Name "I Fratelli", die Brüder (Enrico und Bruno) für das Ristorante bleiben. "Wir wollen hier keine Pizzeria oder Trattoria", betont Burger mit dem Hinweis: "Das ist uns als Verpächter und Stadt wichtig". Den neuen Betreibern gelten Burgers und Lamanos Zuversicht, dass die Fortsetzung gelingt beim Start "in unserem Sinne".

Große Leistung
Enrico Lamano, der bevor er in Rheinfelden das in Feinschmeckerkreisen gelobte Restaurant im Haus Salmegg übernahm, zuerst im "Wasserturm" und danach im "Danner" als international erfahrener Hotelfachmann agierte, blickt selbstbewusst zurück, wenn er sich fragt: "Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Aufhören?" Dabei schwingt berechtigter Stolz über sein Lebenswerk mit: "Besser und mehr ist fast nicht möglich", aber "der Wunsch aufzuhören ist da", merkt der 55-Jährige an. Das Wohl "unserer Gäste" bleibt weiter im Blickfeld, auch über den letzten Tag in der Verantwortung hinaus. Professionalität, nicht Improvisation trage zur Qualität in einem kontinuierlichen Betrieb bei. Sein Erfolgsrezept ging auf. Als schönstes Kompliment der Gäste versteht er zwei Gesten: Wenn die Soße im Teller mit Brot aufgetunkt wird und der Gast beim Abschied ihn umarme, dann sei alles gesagt. Zwar traurig, aber glücklich über das Erreichte und die Anerkennung verabschiedet sich Petra Lamano. "Wir haben zu hundert Prozent geschafft, was wir uns vorgenommen haben".

Die Nachfolger
Raffaele Maio betrachtet es als "große Ehre" das "I Fratelli" weiterzuführen und blickt dazu auf zweijährige Vorgespräche zurück. "Verbessern können wir nicht mehr, es ist schon top" meint er, er möchte das Niveau halten. Er bringt 15 Jahre Erfahrung als Wirt des La Piazetta mit. Seit Sommer bereitet er sich auf die Aufgabe im "I Fratelli" vor: "Das ist ein anderes Niveau". Er freut sich, dass er die komplette Mannschaft hinter sich weiß, denn Spitzengastronomie ist ein harter Job.