Gastspiel mit Seltenheitswert

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 28. Dezember 2018

Rheinfelden

Die Dauer-Schwestern aus Bad Säckingen gastierten in der Reihe "Junge Klassik" in Schloss Beuggen.

Tannenzweige schmücken die Treppenstufen und Lichter weisen den Weg in den Rittersaal von Schloss Beuggen, wo ein besonderes Konzert der Reihe "Junge Klassik" für einen Besucheransturm sondergleichen sorgte: Die Cellistin Natalia Dauer und ihre Schwester, die Geigerin Aloisia Dauer, spielten Originalkompositionen für diese seltene Besetzung und virtuose Solowerke. Es war eine der raren Gelegenheiten, die aus Bad Säckingen stammenden Musikerinnen im Zusammenspiel zu erleben.

Natalia Dauer, Initiatorin der erfolgreichen Reihe "Junge Klassik", studiert an der Musikhochschule Basel, Aloisia Dauer konzertiert nach dem Studium am Mozarteum Salzburg als Solistin und Kammermusikerin und unterrichtet an einer Musikschule in München. Wie reizvoll die Kombination von Violine und Cello klingt, war schon im Duo op. 3 von Reinhold Glière zu hören. Spürbar auf einer Linie gestalteten Natalia und Aloisia Dauer die sieben Sätze. Der geerdete, warme Celloklang und das bewegliche, ausdrucksvolle Geigenspiel gingen schön zusammen. Die Gavotte klang rhythmisch prägnant, die Berceuse einfühlsam und sanft im weichen, wiegenden Klang. In der Canzonetta und im Intermezzo gefiel die Leichtigkeit im Bogenstrich, das Sehnsuchtsvolle, Wehmutsvolle im Duospiel der Schwestern, das auf Schönklang und gefühlvoll romantischen Ausdruck ausgerichtet ist.

Klar durchgezeichnet im Streicherklang war ihre Interpretation der Passacaglia g-Moll des Norwegers Johan Halvorsen auf ein Thema von Händel, im Original für Cello und Bratsche. Die barocke Struktur des Themas machten die Schwestern transparent durchhörbar. Ihr Duospiel war getragen von rhythmischem Elan und prägnanter Durchzeichnung der Violin- und Cellostimme.

Aloisia Dauer nahm sich mit der Sonate für Violine solo Nr. 4 op. 27 von Eugène Ysaye etwas vom Schwierigsten vor, was es an Sololiteratur für Geige gibt. Hochkonzentriert spielte die Geigerin diese an Johann Sebastian Bach orientierte Solosonate des belgischen Virtuosen. Nicht minder beeindruckend war die Vehemenz und emotionale Intensität, mit der sich Natalia Dauer in den ersten Satz aus der Sonate für Cello solo op. 8 von Zoltan Kodály legte. Mit dunklem Timbre und vollem Ton in der ausschwingenden Melodie spielte die Cellistin dieses Allegro maestoso, in dem sie in den tiefen Lagen viel Melancholie mitschwingen ließ. Sie betonte das Elegische und Traurige dieser Seelenmusik in den leisen Passagen, sehr aufwühlend mit glühendem Ton.

Zum Ausklang erfreuten die jungen Musikerinnen mit einem Potpourri von Weihnachtsmelodien aus verschiedenen Ländern in eigenen Arrangements, wobei ein ukrainisches Lied in Moll und ein englisches Weihnachtslied andere Klangfarben und ganz eigenen Charakter in dieses Medley brachten. Rhythmisch fröhlich und schwungvoll klang zum Schluss ihre flotte Version des Winterlieds "Jingle Bells".