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02. Mai 2010 14:46 Uhr

Rheinfelden

Hakenkreuze und Steine - Anschlag auf Moschee

Bislang unbekannte Täter haben in der Nacht auf Sonntag Scheiben der Moschee eingeworfen sowie die Fassade mit Hakenkreuzen und anderen Parolen besprüht. "Wir sind traurig", sagte Jasa Gökpinar, der frühere Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde.

  1. Drei Scheiben gingen beider nächtlichen Attacke zu Bruch. Foto: Staub

  2. Ein Hakenkreuz sprühten Unbekannte auf die Eingangstüre zum Gebetsraum der Alperenler Moschee. Foto: Ralf Staub

Der Anschlag ereignete sich irgendwann zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens, sagt Gökpinar, entdeckt wurden die eingeworfenen Scheiben und die Schmierereien an der Westfassade der Moschee gegen 5.30 Uhr, als das Frühgebet beginnen sollte. Zwei der Fenster liegen im Erdgeschoss des Gebetshauses, eines im Obergeschoss, wo die Gebetsräume der Räume der Frauen liegen.

An die Eingangstür zur Moschee ist ein schwarzes Hakenkreuz gesprüht, einige Meter weiter steht das Wort "Sieg", weitere Hakenkreuze sind angedeutet, zum Teil falsch herum. Gökpinar davon aus, dass es mehrere Täter waren, weil eben nicht nur eine Scheibe eingeworfen wurde und auch nicht nur eine Schmiererei an die Fassade gesprüht wurde.

Ermittler hoffen auf Zeugen

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, wurde zunächst noch von einer Sachbeschädigung ausgegangen, die in das Aufgabengebiet des Polizeireviers Rheinfelden gefallen wäre, hat sich aufgrund eines möglichen ausländerfeindlichen Hintergrunds die Kriminalpolizei Lörrach eingeschaltet, die jetzt auch auf Hinweise hofft.

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"Angst haben wir keine, aber wir sind traurig", sagt Jasa Gökpinar, der selbst über Jahrzehnte Vorsitzender der Gemeinde war, seit 30 Jahren in Rheinfelden lebt, mittlerweile mit seiner ganzen Familie eingebürgert ist und sich auch im Runden Tisch einbringt. Er versteht nicht, dass so etwas in "einer so kleinen Stadt wie Rheinfelden passiert, wo jeder jeden kennt. Wie schlimm muss es dann erst in großen Städten sein", fragt er sich. Eine Gemeindeversammlung werde wohl nicht einberufen, aber beim kommenden Freitagsgebet werde der Angriff sicher thematisiert. Vor einigen Jahren, erinnert sich Gökpinar habe es schon einmal eine eingeworfene Scheibe und Schmierereien gegeben.

Einer der ersten der sich am Morgen ein Bild von dem angerichteten schaden gemacht hat, war Werner Ross vom christlich-islamischen Verein. In einer Stellungnahme bedauert und verurteilt er die Tat. "Bei dem Anschlag handelt es sich um mehr als nur um eine ärgerliche und zeit- wie kostenintensive Sachbeschädigung. Hier wurden die religiösen Gefühle von Mitbürgern verletzt. Damit ist der Anschlag auch ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben der Bürgergemeinschaft", meint Ross im Namen des gesamten Vorstands.

Wieweit Rechtsradikale die Täter waren, ist für ihn unklar: "Das Anbringen von Hakenkreuzen mag es nahe legen, aber vielleicht wollten die Täter auch so mehr Aufmerksamkeit erlangen". Verräterischer ist für ihn das Wort "Sieg". "Was für einen absurden Sieg haben die Täter errungen, wenn sie anonym und heimlich in der Dunkelheit der Nacht vorgehen mussten. Dass sie künftig keine Siege erringen können, ist unser aller Aufgabe", so Ross.

Hinweise etwaiger Zeugen an das Polizeirevier Rheinfelden, Tel. 74040 oder die Kriminalpolizei Lörrach, Tel. 07621/176-0.

Autor: Ralf Staub