Informativer Besuch bei den Nachbarn

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Sa, 30. Dezember 2017

Rheinfelden

Gschpröch zwüsche de Johre führt Degerfelder Delegation ins St. Josefshaus nach Herten.

DEGERFELDEN. Das "Gschpröch zwüsche de Johre" führte die Degerfelder Vereinsvertreter und Ortschaftsräte diesmal nach Herten ins St. Josefshaus. Mit Mützen und Schals gegen die winterliche Kälte gewappnet, bewältigten die knapp 20 Läufer den Weg in den Nachbarort binnen einer Dreiviertelstunde.

"Zuerst war das Gschpröch nur ein Treffen, um die Leute zusammen zubringen", erklärt Ortsvorsteherin Karin Reichert-Moser, die damit seit 23 Jahren den verschiedenen Akteuren aus dem Ortsteil den Austausch ermöglicht. Das jährliche Treffen zwischen Weihnachten und Silvester entwickelte sich zum Ausflug weiter. "Das St. Josefshaus ist eine wichtige Einrichtung im Nachbarort", sagt Reichert-Moser. "Es ist wichtig, dass man so eine Institution, die uns einfach begleitet, näher kennen lernt." Mit der Organisation des Ausflugs möchte Reichert-Moser zudem den ehrenamtlich Tätigen im Dorf ihren Dank ausdrücken.

Birgit Ackermann, Vorstandsmitglied der Geschäftsführung, führte die Degerfelder Gruppe über das weitläufige Gelände des St. Josefshauses, welches auch in anderen Kommunen und Landkreisen tätig ist. Ackermann erklärte, dass in Herten 352 Menschen mit Behinderung wohnen und auf dem Markhof weitere 126. Rund 800 der insgesamt 1600 Mitarbeiter sind in Herten beschäftigt. Aufgrund der Änderung der Landesheimbauverordnung stehen in den nächsten Jahren bauliche Veränderungen an. Doppelzimmer müssen aufgelöst werden und die Bewohner auf Einzelzimmer mit mindestens 15 Quadratmetern Größe verteilt werden. Ackermann verwies auf das gelbe Bernhardshaus an der Hauptstraße, wo 80 Bewohner in Gruppen untergebracht sind, während nach einem Umbau noch Platz für 60 wäre. Ein Abriss des Hauses aus den 1970ern und ein Neubau seien wirtschaftlich rentabler, führte Ackermann aus, allerdings müssten die Bewohner zunächst auf andere Gebäude umverteilt werden. Ackermann führte die Gruppe zu den in Reihen angelegten eingeschossigen Werkstattbauten, welche für den Bau eines Hauses für 30 Bewohner abgerissen werden sollen. "Die Werkstätten prägen die Kultur des Hauses. Wir müssen schauen, wie wir sie ersetzen", so Ackermann.

In der Burgfelsstraße entsteht derzeit ein mehrgeschossiges Wohnhaus, in dem 24 Bewohner in Wohngruppen unterkommen, während gleichzeitig Wohnungen in den oberen Stockwerke vermietet werden sollen, da die Mitarbeitersuche weniger durch die Grenznähe, sondern durch die teuren Mieten vor Ort erschwert werde. Weitere Wohnplätze könnten auf dem Markhof entstehen, da die früheren landwirtschaftlichen Gebäude vom aktuellen Pächter der Flächen nicht genutzt werden.

Zur Stärkung lud Ackermann die Degerfelder noch ins Café Grenzenlos ein, wo es Glühwein, Kaffee und Weihnachtsstollen gab. "Ich fand es sehr interessant, wie groß das Gelände ist und was für eine Maschinerie dahinter steckt", befand Silke Kompp vom Narrennest Degerfelden, und Ortschaftsrat Gerold Höpfl meinte: "Sonst fährt man nur im Auto vorbei. Was da hinten dran ist, ist gewaltig. Das war heute eine sehr gute Erfahrung."