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09. September 2015

Kühe haben Zeit, Fleisch anzusetzen

BZ-SERIE LANDWIRTSCHAFT HEUTE (I): Familie Matt betreibt in Minseln Landwirtschaft im Nebenerwerb und einen Bauernladen.

  1. Hansjörg Matt bringt den Kühen auf der Weide Wasser zum Trinken. Foto: Gabriele Rasenberger

  2. Anette Matt verkauft eines ihrer selbstgebackenen Brote. Foto: Gabriele Rasenberger

RHEINFELDEN. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich das Bild der Landwirtschaft sehr geändert. Während es damals vor allem Land- und Viehwirte gab, die verschiedene Tiere auf dem Hof hatten, Gemüse und Getreide anbauten und damit sich und die Umgebung versorgen konnten, ist es heutzutage anders: Viele Betriebe werden nebenberuflich bewirtschaftet und haben sich spezialisiert. In einer Serie stellt die BZ verschiedene Betriebe vor. Den Auftakt macht die Familie Matt in Minseln.

Auf Fleischkühe spezialisiert
Die Familie Matt bewirtschaftet ihren landwirtschaftlichen Betrieb in Minseln im Nebenerwerb. Zwar gibt es ein paar Schweine und auch Streuobst, doch eigentlich ist die Familie Matt auf Fleischkühe spezialisiert. Ungefähr 40 Kühe hat Familie Matt. Es handelt sich dabei vor allem um die Rasse Limousin, die als hervorragende Fleischlieferanten bekannt sind.

Für die Zucht gibt es auch einen Bullen dieser Rasse. "Wir haben diese Fleischrinderrasse, weil wir auf Fleisch spezialisiert sind, und weil dieses Fleisch sich durch Zartheit, Porigkeit und Magerkeit auszeichnet", sagt Hansjörg Matt. Bei Matts gibt es beste Voraussetzungen, damit das Vieh stressfrei leben kann: Die Kühe haben einen artgerechten Tretmiststall, gerade für die kalte Jahreszeit. In den warmen Monaten werden die Rinder auf der Weide als Mutterkuhherde gehalten. Das heißt, die Kälber werden den Mütterkühen nicht weggenommen. Sie bleiben bei diesen und werden von ihnen gesäugt.

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Die Rinder können hierbei frisches Gras fressen. "Wir haben die gleiche Haltungsform wie Bio, sind aber nicht verifiziert", sagt Matt. Dafür gibt es nämlich sehr, sehr strenge Regeln. Obwohl die Rinder auf der Wiese sind, bekommen sie immer zusätzlich frisches Futter: "Es ist eine Besonderheit, dass ich frisches Gras hole, sowohl für die Rinder, als auch für die Schweine."

Die Schweine bekommen außerdem noch Schrot und Getreide. Die Rinder bekommen Getreide, Heu, Gras und Mais. Das Futter wird selbst angebaut. Aufgrund der Trockenheit und Hitze dieses Jahres muss Hansjörg Matt schon jetzt an die Wintervorräte gehen und wohl auch Mais zukaufen. Es ist einfach zu wenig da. Gleichzeitig muss den Rindern täglich mehr Wasser als sonst auf die Weide gebracht werden.



Schlachten in Karsau
Bis zu zehn Jahren werden diese Kühe alt, sie haben also Zeit, langsam ihr Fleisch anzusetzen. Es wird auch immer wieder geschlachtet und zwar in Karsau, so dass die Anfahrtswege für die Tiere nicht zu weit sind, was auch wieder bedeutet, dass die Tiere keinen Stress haben. Dies wirkt sich auf die Fleischqualität aus, die sehr gut ist.

Verkauf im Bauernladen
Im eigenen Bauernladen wird das Fleisch dann verkauft. Es ist immer frisch, denn damit Tiere geschlachtet werden, können die Kunden auf der Homepage vorbestellen, dass sie Fleisch möchten. Hierfür ist extra ein Reservierungssystem eingerichtet. In dem Bauernladen werden Pakete ab fünf Kilogramm Fleisch angeboten, die unterschiedlichsten Teile vom Tier sind dabei. So kann man ausprobieren.

"Die Leute wussten oft nicht, was sie nehmen sollen", sagt Hansjörg Matt. So kamen sie auf die Idee mit den großen Portionen. Wer sich immer noch unsicher ist, bekommt im Bauernladen Tipps zur Verarbeitung. Es gibt immer auch frisches Fleisch, das schon beim Schlachten vakuumverpackt wird. Beratung gibt es auch bei Obst und Gemüse. Diese Produkte sind aus der Region.

Das Getreide, das Matts anbauen, dient nicht nur als Viehfutter. Anette Matt backt davon auch Brot. "Unser Brot hat einen hohen Bekanntheitsgrad, durch den Geschmack und die Haltbarkeit", sagt sie. Gebacken wird nur mit Mehl, Wasser, Hefe und in einigen Broten ist auch Milch dabei. "Unser Mehl enthält keine Zusatzstoffe", betont Anette Matt. Im Laden kann man Kunden jeden Alters sehen. Junge Eltern freuen sich, dass ihre Kinder während des Einkaufs sofort auf die Schaukelkuh möchten. So können sie beruhigt einkaufen. Eine weitere Besonderheit sind die Geschenkkörbe, die auf Vorbestellung gemacht werden und zum Teil Schnäpse und Liköre aus dem Obst enthalten. Nach einer Terminabsprache kann man hier gerne beim Maischen zusehen.

Der Laden öffnet am Dienstag, 13. September, wieder, Infos gibt es im Internet unter anetts-buurelade.de

Autor: Gabriele Rasenberger