Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. Januar 2017

Neuer Anlauf für Tschamberhöhle

Stadtmarketing plant IG mit Freiwilligen für künftige Führungen.

  1. Am Ende der Höhle erleben die Besucher einen Wasserfall. Foto: privat

  2. Gabriele Zissel Foto: Ingrid Böhm-Jacob

RHEINFELDEN. Seit im Jahr 1881 der Leseverein Riedmatt sie mit dem Wirt des "Storchen" wiederentdeckt hat, zieht die Tschamberhöhle begeisterte Besucher an, die sich 600 Meter in den Kalkstein des Dinkelbergs wagen. Mindestens 2000 Interessierte lassen sich von April bis Oktober von Mitgliedern des Schwarzwaldvereins zeigen, was die Geologie zu bieten hat. Tourismusleiterin Gabriele Zissel (WST) arbeitet seit Monaten an einer Lösung, damit die Führungen unter neuer Regie weitergehen und die touristische Attraktion Zukunft hat. Sie wünscht sich eine IG Tschamberhöhle mit Freiwilligen.

Die Zeit drängt, im Februar und März soll sich die neue ehrenamtliche Gruppe bilden. Zissel gehört selbst zu den überzeugten Höhlenkundigen und macht seit einem Jahr schon "Höhlendienst", denn "die Höhle ist interessant, deshalb muss man sie weiterführen". Das hat die Karsauer Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins zuerst selbst versucht, ohne Erfolg. Die Aktiven um Ewald Wehrle setzen sich seit 1964 für die Betriebssicherheit ein, kümmern sich um Fußwege, Beleuchtung und Führungen, und reparieren, was notwendig ist. "Hochachtung für alles, was in Rheinfelden geleistet wurde", meinte anerkennend Gabriele Zissel zum freiwilligen Einsatz. Die Karsauer Mitglieder, die heute im höherem Seniorenalter sind, stehen 2017 nur noch unterstützend für Führungen zur Verfügung, behalten aber das Betriebsrecht.

Werbung


Die Anfänge
Zuerst hat die Bad Säckinger Sektion des Schwarzwaldvereins sich 1890 ein Zugangsrecht erworben, 1906 lösten die Rheinfelder ab. Das Naturwunder motivierte das damalige Führungsteam von Apotheker Otto Leibinger, Ärztin Therese Herzog-Rennau und Elektroingenieur Max Resch, sich logistisch und materiell einzusetzen. Von 1912 bis 1929 wurde ein Besuchersteg vom Eingang bis zum Wasserfall gebaut. Der ist vielfach erneuert worden, zuletzt mit Metallgittern, es besteht aber weiter Handlungsbedarf. Weil das Verlegen der Roste schwere körperliche Arbeit bedeutet, denkt Gabriele Zissel an Glasfaserausstattungen. Nicht nur Privatleute setzten sich für den Betrieb ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es auch kräftige Unterstützung aus den Industrieunternehmen am Rhein. Zissel kündigt an, diese Tradition wieder aufleben lassen zu wollen.

Die Besucher
"Die Tschamberhöhle ist viel höhliger" hat ein Besucher gemeint. Sie verläuft verwinkelt, schmal, die Tropfsteine sind greifbar, der Bach rauscht am Steg vorbei. Schon bei der Entdeckung Mitte des 19. Jahrhunderts, bevor elektrisches Licht erhellte, wurde erkannt: "Da haben wir etwas Wertvolles", betont Zissel. Immer wieder hört sie bei Führungen "sie gefällt mir mindestens so gut wie die Hasler". Als passionierter Freizeitforscher berät Alexander Gnädinger aus Emmendingen seit 1983 den Schwarzwaldverein fachlich. Er weiß sogar, wie es in der Höhle 500 Meter nach dem Wasserfall aussieht, wo kein Besucher mehr hinkommt.

Die Zukunft
Wem gehört die Höhle?– eine spannende Frage. Im Prinzip den Grundstückseigentümern, aber sie haben kein Recht an ihr. Das hat die Deutsche Bahn, weil der "Mundloch" genannte Eingang über die Zugangsberechtigung entscheidet. Gabriele Zissel hofft, das es sich um einen "formalen Akt" handelt, die Berechtigung zu aktualisieren, zuletzt geschah dies 1923 zu Zeiten der Reichsbahn. Das Thema wird jetzt geklärt. Der Schwarzwaldverein hat in der Übergangszeit bis 2021 noch eine Betriebserlaubnis. So oder so: Eine Schauhöhle kann es nur mit Unterstützung Freiwilliger geben. Zissel betrachtet es somit als wichtigste Aufgabe, mit "Lobbyarbeit" eine IG Tschamberhöhle aufzubauen. Sechs Interessierte sind schon vorgemerkt.

Die Freiwilligen
Um die Sonn- und Feiertagsführungen fortzusetzen, werden aber mindestens zehn Leute gebraucht, da aus Sicherheitsgründen jeder Dienst zu zweit absolviert wird. Zuverlässigkeit ist Voraussetzung. Wer mitwirkt, erhält eine Schulung und eine kleine Aufwandsentschädigung. "Wenn wir das schaffen, im Februar und März", meint Zissel, bestehe die gute Chance, dass am 2. April wieder Besucher kommen können. Falls sich die IG als Unterabteilung des Stadtmarketingvereins gründet, erwartet Zissel, dass auch erfolgreich Förderanträge für Verbesserungen gestellt werden können. Sie verweist darauf, dass Rheinfelden wegen der Höhle in den Naturpark Südschwarzwald als Mitglied aufgenommen wurde. Ihr Fernziel: Die Höhle an mehr Tagen zu öffnen und Schulklassen mehr zu interessieren. "Dann könnten wir bis zu 10 000 Besucher im Jahr haben, wie vergleichbare Höhlen in Deutschland." Mehr Eintritte bedeuten auch mehr Einnahmen, die dazu beitragen, dass sich der Höhlenbetrieb selbst trägt.

Kontakt: g.zissel@wst-rheinfelden.de

Tschamberhöhle

Die Schauhöhle mit Wasserfall lässt sich auf 600 Meter über einen Besuchersteg begleitet vom Höhlenbach entdecken. Das unterirdische Naturwunder im Kalkstein betreut seit 1964 die Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins Karsau. Die Höhle ist von April bis Oktober sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppenführungen können vereinbart werden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter: http://mehr.bz/tschamber2017  

Autor: ibö

Autor: Ingrid Böhm-Jacob