Schichtarbeit im St. Josefshaus

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 02. November 2017

Rheinfelden

Karin Volz und Petra Mavrin stellen gemeinsam in Herten aus / Malerinnen kennen sich seit langem und ergänzen sich gut.

HERTEN. Frauen, Farben, Blumen, Königinnen der Nacht: In der Doppelausstellung "Schichtarbeit" von Karin Volz und Petra Mavrin im St. Josefshaus in Herten können die Betrachter in vielschichtige Bildwelten eintauchen. Die beiden Malerinnen aus Rheinfelden kennen sich seit langem, haben gemeinsam Kurse und Workshops besucht und ergänzen sich sehr gut, wie diese schöne Schau mit Malerei und Collagen zeigt.

Jede der Künstlerinnen hat jeweils eine Hälfte der zwei Ausstellungs-Etagen für sich. Karin Volz liebt kräftige Farben, florale Motive und das Spiel mit Strukturen und Mustern. Der Titel "Schichtarbeit" bezieht sich auch darauf, dass die Malerin in vielen Schichten arbeitet und auch Textiles in ihre Bilder einbringt. Spitzendecken und Stoffstücke werden in die nasse Farbe gedrückt und mit Farbe übermalt oder übersprayt. So verwebt sich die Malerei raffiniert und sehr dicht mit den stofflichen Blütenmustern und den floralen Spitzendekors, was besondere Strukturen ergibt. Auch mit Textilstempeln arbeitet Volz.

Ihre Bilder sind berauschend fröhlich in der Farbsinnlichkeit, etwa in dem großformatigen "Glad Hair Day" mit anmutigen Frauenfiguren, die Blütenhaare, Blumenketten und florale Muster auf den Kleidern tragen. Die "Drei Schwestern", sehr abstrahiert dargestellte weibliche Figuren, tragen rote Gewänder und turbanartige Kopfbedeckungen mit Rosenstoffen und Spitzenmustern, die übermalt sind. In der "Rabenmutter" zeigt Volz eine Frauenfigur mit rotem Rosenmuster, auf deren Schulter ein Rabe sitzt. Diese schwarzen Vögel, die mit düsterer Symbolik behaftet sind, tauchen auch in dem Bild "Schwarzmaler" auf. Sehr sehenswert sind auch die Rückenakte, raffiniert gestaltet mit Textilstempeln und Strukturwalze.

Neben Frauen, Blumen und Strukturmustern sind oft Tiergestalten in den Werken von Volz zu entdecken. Sehr originell ist die Katze, die auf einem Kissen in einem Interieur mit Lampenschirmen liegt. Fantasievoll sind die Fabelwesen und Fische, die Häuser tragen und sich zwischen Erde und Unterwasserwelt tummeln. Im oberen Stockwerk zeigt Volz neue Bilder, in denen sie ihre Farblust frei entfaltet. In leuchtendem Pink, Orange, Türkis und anderen poppigen Farben sind diese ungegenständlichen Bilder gehalten, teils mit eingearbeitetem Stoff, Papier und Schablonen. Neu sind Arbeiten in Schütttechnik entstanden, in denen Volz die Farben frei fließen lässt.

In reduzierten Farbtönen arbeitet Petra Mavrin, deren Kompositionen aus Farben, Formen, Linien, Strukturen oft aus dem malerischen Prozess heraus entstehen. Wunderbar geheimnisvoll und poetisch wirkt ihre Serie "Königinnen der Nacht". Diese Blüten, die nur nachts zum Leben erwachen und ihre bezaubernde Wirkung entfalten, deutet die Malerin in hauchzarten, abstrahierten Blütenformen an, die sich lichtvoll aus dem Dunkel des schwarzen Bildgrundes herausheben.

Was Petra Mavrin mit ihrer Mitausstellerin verbindet, ist die Vorliebe für florale Motive, für Strukturen und vielschichtige Malerei. Auch mit Spachtel und collagiertem Papier erreicht die Malerin wunderschöne Bildeffekte. Petra Mavrin bringt auch gerne Schriftelemente, Skripturales in die Bilder ein, lyrische Zeilen, die sie teils in Spiegelschrift hineinschreibt. Etwas Rätselhaftes und Schwereloses umschwebt ihre Bilder, die die Fantasie und Imaginationskraft der Betrachter anregen. "Avatar" nennt sie ein Bild mit einer großen Blütenform auf blauen Strukturen, die an einen Tulpenkelch erinnert. Auch in dem Bild "Tulpenrausch", in den angedeuteten Rosen oder den Pusteblumen kommt Mavrins sehr abstrahierter Stil mit spontanen Linien und sparsamen, freien Formen zur Geltung. Werkbeispiele wie die Milchstraße mit fließenden Linien oder eine Reihe von Häuserbildern mit klaren, bewegten Linien und vereinfachten Formen sind weitere Beispiele für die eigene geheimnisvolle Bildsprache dieser Malerin.

Die Ausstellung ist bis zum 24. Februar zu sehen, werktags 9 bis19, Sonn- und Feiertag 9 bis 15 Uhr.