Taizé-Feeling im St. Josefshaus

Verena Pichler

Von Verena Pichler

Fr, 29. Dezember 2017

Rheinfelden

Rund 150 Jugendliche aus ganz Europa, die das große Treffen in Basel besuchen, sind in der Stadt untergebracht und feiern in Herten.

RHEINFELDEN. In den nächsten Tagen werden die Busse und Bahnen voller sein, als üblich. Der Grund: In Rheinfelden sind seit Donnerstag rund 150 junge Menschen aus ganz Europa zu Gast, um am Taizé-Treffen in Basel teilzunehmen. Bei Gemeindereferentin Katharina Oberfell und Pastoralreferent Kassian Burster laufen die Fäden zusammen, und beide sind gespannt, was die kommenden Tage bringen werden – und was vom "Taizé-Feeling" übrig bleibt.

Noch stehen die Stühle ordentlich in Reihen in der Josefkirche in Herten. Bis Donnerstagmorgen aber werden die meisten von ihnen weg sein. "Wir wollen für ein typisches Taizé-Feeling sorgen", sagt Oberfell. Was das heißt, wissen sie und Burster aus eigener Erfahrung, beide waren schon in dem französischen Dorf, um den Orden zu besuchen. Für die Gebete sitzen oder knien die Teilnehmer auf dem Boden, Burster hat extra Matten, Sitzkissen und Gebetshocker besorgt.

"Taizé hat keinen Kerkeling."

Kassian Burster
Mit orangenen Stoffbahnen und Kerzen wollen sie noch mehr Atmosphäre schaffen. Verlangt hat das keiner von ihnen. "Wir möchten natürlich, dass sich die Besucher bei uns wohlfühlen", sagt Oberfell, die vor gut zehn Jahren selbst an einem Taizé-Treffen in Genf teilgenommen hat. Dieses Jahr ist nun Basel Treffpunkt, bis zum Neujahrstag werden rund 16 000 junge Menschen verschiedener Nationalitäten im Großraum Basel untergebracht sein. In Rheinfelden haben Oberfell und Burster Schlafplätze für 150 junge Polen, Rumänen, Portugiesen und Italiener gesucht. Die Gastgeber kommen aus allen Ortsteilen – und Oberfell ist froh, genug gefunden zu haben. "Am Anfang lief die Suche etwas schleppend und wir haben schon mit dem Gedanken gespielt, etwa 30 Besucher in der Halle campieren zu lassen." Nun aber sind alle verteilt, die Hilfsbereitschaft, auch in der St. Josefshaus-Belegschaft, war groß.

"Eine Kollegin kann gleich vier Gäste aufnehmen, weil ihr Sohn gerade aus der Wohnung gezogen ist", sagt Burster. Andere Kollegen, die in Bad Säckingen oder Mühlheim wohnen, haben ebenfalls Herberge angeboten. Genau dieser Gedanke ist für Burster wesentlich und passt für ihn gut in die Weihnachtszeit. "Wir bieten auch Herberge und öffnen unser Heim."

Viel bieten müssen die Gastgeber aber nicht. "Taizé heißt auch, es schlicht zu halten", sagt Burster. "In Taizé campen die meisten Jugendlichen, das typische Frühstück besteht aus einem Stück Brot und einem Schoko-Riegel." Nachdem die Besucher ihre Herberge bezogen haben, findet am Freitag in der Kirche St. Josef das erste gemeinsame Morgengebet statt. Danach werden die Teilnehmer in Gesprächskreisen zu ganz unterschiedlichen Impulsen zusammenfinden, weitere Gebete und ökumenische Gottesdienst sind ebenfalls vorgesehen. Am Sonntag beginnt dann die lange Nacht mit einem Friedensgebet – in der Regel geht das bis über den Jahreswechsel hinaus. "Aber wir wollen nicht streng sein", sagt Burster lachend. Wer mag, könne sich auch um Mitternacht das Feuerwerk anschauen. Danach beginnt das Fest der Nationen, wie es in vielen Gastgebergemeinden gefeiert wird. "Angedacht ist, dass alle Teilnehmer aus ihren Ländern einen Beitrag machen", erklärt Oberfell. Das können Lieder, kleine Sketche oder Gedichte sein. Das Essen steht nicht im Vordergrund, aber es wird ein kleines Finger-Food-Buffet geben. "Auch die Gastfamilien steuern zum Teil etwas bei und kommen, was mich sehr freut", so Oberfell. Das Fest ist nicht öffentlich, an den Gottesdiensten und Gebeten kann aber jeder teilnehmen. Am Neujahrstag endet das Abenteuer Taizé mit einem Gottesdienst und einem Danke-schön-Essen für die Helfer.

Und dann? Was wird bleiben vom Geist des Taizé-Treffens? Burster und Oberfell fänden es schön, wenn sich daraus Impulse für die örtliche Jugend ergeben. Denn obwohl sogar ein Hertener dem Taizé-Odern angehört, kennen ihn nicht viele Jugendliche – im Gegensatz zu Santiago de Compostela. Damit können, spätestens seit Entertainer Harpe Kerkeling über seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg geschrieben hat, viele etwas anfangen. "Taizé hat eben keinen Kerkeling", sagt Burster und schmunzelt.