Rheinfelden

Was tun, wenn man sein Zuhause mit einem Wespennest teilt?

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Mo, 30. Juli 2018 um 17:35 Uhr

Rheinfelden

Wespen haben im Sommer Hochkonjunktur. Viele Leute sorgen sich, wenn sie ein Wespennest am eigenen Haus entdecken. Aber nicht alle müssen entfernt werden. Bei Fragen hilft das Landratsamt.

RHEINFELDEN. Mit dem Hochsommer bekommen auch Wespen und Hornissen Hochkonjunktur. Wenn sich plötzlich ein rundliches Wunderwerk aus Papier unterm Dach findet, aus dem Wespen ein- und ausfliegen, wächst bei vielen Leuten die Sorge. Früher wandte man sich an die Feuerwehr, die für Wespennestentfernung aber nicht mehr zuständig ist, sondern an private Unternehmen verweist. Aber muss ein Wespennest wirklich weg? Bei der Frage kann das Landratsamt helfen.

Die Nester der Wespen sind Kunstwerke aus grau-braunem Papier. Sehr häufig ziehen sie in Rollladenkästen ein, man findet sie aber auch an anderen geschützten Orten, oft unter dem Dach.

80 bis 130 Euro kostet eine Entfernung eines Nestes

Die Feuerwehrsachbearbeiterin Josephine Hanke ist oft eine der ersten, an die besorgte Bürger sich dann wenden. "Es gibt immer noch Leute, die denken, das sei Aufgabe der Freiwilligen Feuerwehr", sagt sie. Vor vielen Jahren sei das tatsächlich so gewesen, jedoch habe man längst damit aufgehört und verweise an Fachfirmen, etwa die Firma Hiltensberger aus Herten.

Jeden Tag zwei bis drei Anfragen von Bürgern gibt es dort, wie Geschäftsführer Markus Hiltensberger auf Anfrage mitteilt. "Es konzentriert sich jetzt", sagt er. Die jungen Königinnen hätten sich einen Platz fürs Nest gesucht. "Zuerst registriert man sie noch nicht", so Hiltensberger, dann jedoch werden die Nester größer, weil auch der Nachwuchs mitarbeitet. Die Zahl der Wespen wächst, und schließlich fallen die Tiere durch ihre stetige Anwesenheit, ihr Summen oder visuell durch das gewachsene Nest auf. Für die Gebäudereinigungsfirma Hiltensberger ist die Tätigkeit als Kammerjäger nur ein Randaspekt, der sich vornehmlich auf die Sommermonate bezieht. "Es gibt nicht viele, die sich um Wespen kümmern", sagt Hiltensberger. 80 bis 130 Euro kostet eine Entfernung eines Nestes. Dabei gebe es durchaus auch schwarze Schafe. Hiltensberger warnt vor sogenannten Maklerfirmen, die in Telefonbüchern aggressive Werbung machen und meist über 0180er-Nummern erreichbar und selbst nicht vor Ort seien. "Die engagieren dann jemanden vor Ort und verlangen dazu hohe Vermittlungsgebühren."

Die Angst vor Dauermietern ist unbegründet

Um als Kammerjäger tätig zu sein, brauche es ständiger Fortbildungen. "Es gibt vieles zu beachten", weiß Hiltensberger. So dürfen etwa gar nicht alle Wespenarten bekämpft oder entfernt werden, weil mehrere nestbauende Arten unter Naturschutz stehen. "Wir fragen im Vorfeld immer, ob ein Nest wirklich stört und ob man dadurch eingeschränkt ist, etwa wegen einer Allergie", meint er. "Wir beraten die Leute und lassen die Wespen im Zweifelsfall leben." In besonderen Fällen wird ein Nest auch schon einmal umgesiedelt.

Das Landratsamt Lörrach bestätigt die unterschiedlichen Schutzklassen. Wespen fallen meist unter den allgemeinen Artenschutz; Hornissen (die auch zu den Wespen zählen), Hummeln und Wildbienen fallen unter den besonderen Artenschutz, heißt es aus der Behörde. Angela Klein von Sachgebiet Naturschutz im Landkreis ist Ansprechpartnerin für Menschen, die unwillkommene, aber besonders geschützte Untermieter bekommen haben. Klein agiert dann als Koordinatorin und vermittelt Experten. Im Gebiet Rheinfelden, Schwörstadt und Grenzach-Wyhlen stehen vier Personen für Hilfen vor Ort zur Verfügung. Davon ist eine Person lediglich beratend tätig, die übrigen können auch bei "Umsiedlungen" helfen. Durch Beratung und Aufklärung komme es durchaus vor, dass Hausbesitzer sich für ein friedliches Zusammenleben mit einem Hornissen- oder Wespenvolk entscheiden. Da die Völker im Herbst ihr Nest komplett verlassen und sich die überwinternden Jungköniginnen im Folgejahr einen neuen Nistplatz suchen, sei die Angst vor einem "Dauermieter" völlig unbegründet, so das Landratsamt.

Info: Angela Klein ist erreichbar unter Tel. 07621/4104482 oder per E-Mail an

Angela.klein@loerrach-landkreis.de