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23. Oktober 2014

Zur Integration fehlt nur die Wohnung

Die afghanische Familie Masumi darf aus der Sammelunterkunft für Asylbewerber ausziehen / Arbeitskreis hilft bei der Suche.

  1. Familie Masumi sucht seit drei Monaten eine Wohnung: Hinten die Söhne Rishad (links) und Tariq. Vorne Tochter Mahmuda mit Saleha und Mohammad Masom Foto: Martina Proprenter

RHEINFELDEN. Ein Ende des Flüchtlingsstroms nach Europa ist nicht in Sicht, so kommen auch in der Stadt pro Monat bis zu 50 Asylsuchende an. Doch Platz ist in der Schildgasse Mangelware, denn nicht alle, die dort ausziehen dürften, finden auch eine Wohnung. Auch Familie Masumi nicht, sie bekommt seit drei Monaten von Vermietern nur Absagen.

Vorbildliche Integration
Obwohl die fünfköpfige Familie Masumi erst seit April 2013 in Rheinfelden lebt, hat sie sich bereits sehr gut integriert. Besonders die beiden Söhne Tariq (15) und Rishad (18) haben im Rekordtempo Deutsch gelernt. Rishad besucht seit einem Monat das Wirtschaftsgymnasium in Lörrach und plant bereits ein Studium, denn er möchte "Businessman" werden.

Tariq würde gerne seinem Vater Mohammad Masom (71) nacheifern, der in Afghanistan als Oberster Richter tätig war – diese Berufsbezeichnung existiert in Deutschland so nicht –, und Rechtsanwalt werden. Denn wenn sein Vater nicht in den afghanischen Gemeinden unterwegs war, um Richter zu kontrollieren, war Tariq oft bei ihm im Gericht, durfte sogar seine Robe anprobieren. Nun bereitet er sich auf seinen Realschulabschluss an der Schillerschule vor und erzählt stolz von der Reise nach Berlin, wo den Schillerschülern der Deutsche Klimapreis verliehen wurde.

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Wunsch, etwas zurück zu geben
Der Ehrgeiz der Kinder ist kein Zufall. "Unser Vater sagt immer: Wir bekommen Geld, für das die Deutschen hart gearbeitet haben. Wir müssen ihnen etwas zurückgeben", erzählt Tariq. Daher lernen die Drei fleißig und auch Mohammad Masom lernt weiter Deutsch, jeden Sonntag mit einem Privatlehrer, nachdem sein VHS-Kurs endete. Unterstützung bekommt die Familie auch von Kathrin Meyer vom Freundeskreis Asyl. Seit einem Jahr kommt sie einmal pro Woche vorbei und hilft bei Fragen und Anträgen, für sie ist das eine Selbstverständlichkeit. "Ich stelle mir vor, wie es für mich wäre, wenn ich etwa in Kabul wäre und mich da zurechtfinden müsste, als Frau und ohne Sprachkenntnisse", erklärt Mayer ihre Intention zu helfen.

Mahmuda (25) hatte wie Rishad bereits in Afghanistan Abitur gemacht, das wird in Deutschland aber nur als Realschulabschluss anerkannt. Seit fünf Monaten besucht sie einen Sprachkurs und möchte schleunigst ihr Deutsch verbessern, um eine Ausbildung zu beginnen. Fünf Sprachen spricht sie bereits fließend: Dare, Persisch, Englisch, Urdu und Paschto. Als Praktikantin hat sie geholfen, die Brückensensationen zu planen und hofft nun auf eine Ausbildungsstelle als Anwaltsgehilfin oder Arzthelferin.

Nur Absagen von Vermietern
"Keine zu genauen Wünsche" hat Familie Masumi an die Wohnung, in die sie gerne ziehen würden. Sie hoffen, eine Vier-Zimmer-Wohnung in Rheinfelden oder Lörrach zu finden, wegen der Schule. Hauptsache, eine Heizung sei darin, übersetzt Tariq für seine Eltern, denn beide sind krank, Mutter Saleha (62) hat Herzprobleme. Täglich durchsucht die Familie Kleinanzeigen, sie meldete sich bei den Wohnbaugesellschaften in Rheinfelden und Lörrach an, bekommt aber nur Absagen.

"Viele Vermieter sagen mir, eine Vier-Zimmer-Wohnung ist für fünf Personen zu klein", erzählt Tariq. Zurzeit wohnt die Familie in zwei kleinen Zimmern in der Gemeinschaftsunterkunft. "Wir schreiben jede Woche zwei Schularbeiten, wir müssen dafür lernen", so Rishad. Hier sind die Nachbarn laut, bis 2 Uhr morgens läuft Musik, oft gibt es Streit, trotz Sicherheitsdienst. Mit den Rheinfeldern selbst hat die Familie nur gute Erfahrungen gemacht, die seien stets nett aufgenommen worden.

Wohnungssuche ist kein Einzelfall
Familie Masumi ist nicht die einzige, die aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen darf, aber keine Wohnung findet. Der Freundeskreis Asyl thematisierte dies bei einem Gespräch am Dienstag, war für eine Auskunft aber bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Für die sogenannte Anschlussunterbringung von Asylbewerbern ist der Landkreis zuständig, nach 24 Monaten müssen diese aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen, werden nach einem festen Verteilungsschlüssel im Landkreis untergebracht, die Miete wird bis zu einem bestimmten Betrag übernommen.

Wie dieses Prozedere ablaufen kann, zeigt die Geschichte von Familie Naisiri, die im Juli per Plakat nach einer Wohnung suchte, aber keine fand. Nach zweieinhalb Jahren in der Gemeinschaftsunterkunft bekam die vierköpfige Familie bescheid, dass ihre Nutzungserlaubnis endet, damit war die Obdachlosenbehörde für sie zuständig, wies ihnen eine Wohnung in Lörrach zu.

Kontakt zur Familie Masumi ist über die BZ-Redaktion möglich: Tel.  07623/9685 950.

Autor: Martina Propreter