Wohlstandsmüll in den Taubergießen

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Mi, 22. Januar 2014

Rheinhausen

Zwölf Mal wurde der Rheinwald bei Rheinhausen im Lauf des Jahres 2013 überflutet / Dörle kritisiert Verstoß gegen Jagdrecht.

RHEINHAUSEN. Vor einem Jahr hat der Rheinhausener Gemeinderat die Breschen im Leopoldskanal als "rechtswidrig" bezeichnet. Seither hat sich am Bild nichts geändert: Zwölf Mal wurde der Rheinwald bei Rheinhausen im Lauf des Jahres 2013 überflutet, an 115 Tagen war der Zugang ins Naherholungsgebiet gesperrt.

Kurt Dörle, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Oberhausen, hat die Zeiten das Jahr über genau aufgelistet: Mit zwölf Flutungen im Rheinwald hat sich gegenüber dem Vorjahr eine Verschlechterung ergeben, sagt er. Acht Mal stand dabei die Rheinstraße unter Wasser. Und mit dem Wasser kam wieder jede Menge Unrat und Verschlammung. Neben den üblichen Gegenständen wie Glasflaschen, Spraydosen und Plastik in allen Variationen sowie diversen Autoteilen gibt es jetzt auch Golfbälle im Rheinwald. 38 hat Dörle an zwei Tagen gefunden, eine satte Ausbeute. Die Kugeln überstehen dank hartem Kern und schlagfestem Plastiküberzug die Reise im Wasser ausgesprochen gut und manche ziert auch noch der Stempel des Golfclubs, von dem die Bälle an den Start gingen. "Wohlstandsmüll", schimpft Dörle, "auf jeden Fall aber Dinge, die nicht in den Taubergießen gehören".

Dafür, so Dörle, nehme das Wasser Dinge mit, die für eine gesunde Flora und Fauna unverzichtbar sind. Ob Bucheckern oder Eicheln, das Wasser schwemmt alles fort. Damit gibt es weder eine Naturverjüngung noch ausreichend Futter für Vögel, Kleintiere und das Wild. Die Imker beklagen bereits den Rückgang der Artenvielfalt. Aus jagdlicher Sicht hält Dörle die Situation schlicht für katastrophal. "Hier wird eindeutig gegen das Jagdrecht verstoßen". Die Jagdgenossenschaft ist Mitglied im Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) und hat mit dem BLHV-Justitiar über Möglichkeiten gesprochen, aus jagdlicher Sicht gegen die ständigen Flutungen vorzugehen.

Die Gemeinde Rheinhausen forderte mehrfach die Schließung der Breschen im Damm des Leopoldskanals, zumindest aber die Schließung der oberen Bresche. Sie wurde im Zuge der Revitalisierung des Taubergießen geschlagen. Sie sollte aus Rheinhausener Sicht so weit erhöht werden, dass nicht bei jedem kleinen Kanalhochwasser Wasser flächig und mit großer Geschwindigkeit in den Taubergießen einströmt.

Diese Forderung hat dar Regierungspräsidium (RP) bisher mit der Begründung abgelehnt, die ökologischen Flutungen des Rheinwaldes seien gewollt.

Gutachten liegt noch nicht vor

Die Kritik Dörles und seiner Kollegen, Niederhausens Jagdvorsteher Bernd Ams sowie Fischermeister Josef Schindler, teilen offenbar auch die Nachbarn im Elsass. Dank der guten persönlichen Verbindungen zu den Nachbarn in Rhinau erfuhren sie vom Besuch der Regierungspräsidentin. Bärbel Schäfer war im November im Rathaus Rhinau, denn die elsässische Gemeinde will Verschiedenes nicht mehr hinnehmen, was das Freiburger Regierungspräsidium im Taubergießen zulässt. Rheinau, so erfuhren die Rheinhausener, will den "Rummel" im Taubergießen nicht mehr dulden, insbesondere die Kanufahrten in den Laich- und Schonzeiten der Fische.

"Das kann einfach nicht sein", beklagt Dörle, und dazu gehört für ihn auch, dass die Probleme zwar immer wieder auf den Tisch kommen, sich dann aber nichts ändert. Das Gutachten etwa, das aus dem Regierungspräsidium zur Bewertung der Gefahrensituation bei Hochwasser in Auftrag gegeben wurde, war für Oktober 2013 zugesagt. Es liegt aber bis heute nicht vor, auch nicht bei der Gemeinde Rheinhausen, wie eine Nachfrage beim Bürgermeister ergab.