Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

23. Februar 2011

Die Ergebnisse weiterer Untersuchungen bringen die Entscheidung

Der Offerte von Riegels Bürgermeister Markus Jablonski, beide Überwerfungsbauwerke auf Riegeler Gemarkung zu bündeln, liegt eine alte Planvariante zugrunde.

  1. Die Grafenhausener Forderung Bahn an die Bahn löste bei Bahnchef Rüdiger Grube und Vorstand Volker Kefer jüngst Freude aus. Foto: Hiller

HERBOLZHEIM/ KENZINGEN/ RIEGEL (gol). Werden die neuen Gleise zum Ausbau der Rheintalbahn zwischen Offenburg und Riegel neben der bestehenden Strecke oder entlang der Autobahn gebaut? Unterschiedliche Betroffenheiten spalten die angrenzenden Städte und Gemeinden in Befürworter und Gegner. Um eine Antwort auf die Frage nach der insgesamt verträglichsten Lösung zu finden, sollen nach dem Willen des Projektbeirats für beide Varianten weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Deren Ergebnisse werden für die Vertreter von Bahn und Politik als wesentliche Grundlage ihrer Entscheidung dienen.

Diese Zielsetzung wurde beim Besuch von Ministerpräsident Stefan Mappus und Bahnchef Rüdiger Grube jüngst erneut deutlich – sowohl in Kappel-Grafenhausen, wo die Befürworter der Antragstrasse der Bahn ihre Argumente unterbreiteten, wie auch in Herbolzheim, wo deren Gegner ihren Protest artikulierten.

Offenbar ein wenig überrascht zeigte sich der Politiker-Tross von einem unerwarteten Angebot der Städte und Gemeinden, die die Antragstrasse befürworten, vorgetragen von Riegels Bürgermeister Markus Jablonski. Seine Gemeinde sei bereit, einen Beitrag zur regionalen Konfliktlösung zu leisten, indem sie anbiete, die beiden in Kenzingen und Herbolzheim geplanten Überwerfungsbauwerke auf Riegeler Gemarkung zu übernehmen und damit die Menschen in den benachbarten Städten zu entlasten. Mappus dazu: "Das muss geprüft werden".

Werbung


Das Angebot Jablonski ist nicht neu, sondern entspricht dem, was Riegel seit Jahren fordert: dass Riegels Waldsiedlung von vier Gleisen östlich umfahren wird (blaue Trasse), ehe zwei Gütergleise südlich des Bahnhofs an die Autobahn herangeführt werden sollen. Bereits im Herbst des Jahres 2002 wurde intensiv über diese Variante und über die Frage debattiert, ob die beiden Überwerfungsbauwerke in einem großen Knoten zwischen Hecklingen und Riegel gebündelt werden könnten. In die Verwirklichung dieser Planvariante hatten kurzzeitig sogar Herbolzheim und Kenzingen gewisse Erwartungen gesetzt, ehe Bahnplaner Christophe Jacobi eine Absage erteilte: Die blaue Trasse sei zwar sowohl finanziell als auch technisch eine Alternative zu den bisherigen Überlegungen, dränge sich aber nicht als vorzugswürdig auf. Vor allem aber habe sie einen Mangel: Der Eingriff in schützenswerte Flora/Fauna-Gebiete sei gravierend, die Variante daher wenig aussichtsreich. Beim Regierungspräsidium (RP) sah man dies nicht so dramatisch: Die FFH-Gebiete seien kein Schreckgespenst, das nicht überwunden werden könnte, urteilte damals RP-Projektleiter für die Bahnplanung, Werner Hoffmann.

Genau hier hakt nun Jablonski mit seiner Argumentation ein. In FFH-Gebiete werde bei der Antragstrasse der Bahn ebenso eingegriffen, wie bei einer autobahnparallelen Trasse. Wenn es jetzt um eine vertiefende Betrachtung der Trassenfrage insgesamt gehe, müsse die Variante mit den beiden Überwerfungsbauwerken auf Riegeler Gemarkung zwingend in die Debatte um eine Optimierung der Antragstrasse der Bahn einfließen, so Jablonski gegenüber der BZ. Er sieht darin einen "konstruktiven Lösungsansatz", der bei gutem Willen aller Beteiligten verwirklicht werden könnte. Herbolzheim und Kenzingen könnten ebenso davon profitieren wie Riegel, glaubt Jablonski.

Kenzingens Bürgermeister Matthias Guderjan teilt Jablonskis Ansicht nicht. "Mit seiner Forderung steht er allein auf weiter Flur", so Guderjan, denn die Zielsetzung Jablonskis habe nichts mit den Forderungen zu tun, die die Gemeinden entlang der Autobahn erheben, die die Grafenhausener Erklärung unterschrieben haben. Die gebündelten Überwerfungsbauwerke samt blauer Trasse seien auf dem von Jablonski ins Spiel gebrachten Korridor wohl nicht unterzubringen, sondern erstreckten sich auch auf Hecklinger und Malterdinger Gemarkung, wo sie für zusätzliche Belastungen sorgen würden. "Das ist St. Florian in Reinkultur", sagt Guderjan, der in der autobahnparallelen Trasse die einzig vernünftige Lösung sieht. Es könne nicht sein, dass Europas meistbelastete Güterverkehrsachse durch Städte geführt werde. Dies sei auch die klare Position der Bürger in Herbolzheim und Kenzingen, Lahr, Ringsheim und Mahlberg.

Nun müsse man abwarten, zu welchem Ergebnis die Fachleute bei ihren weiteren Untersuchungen der Antragstrasse und der Autobahnparallelen kommen, die insbesondere schalltechnisch und ohne Berücksichtigung des Schienenbonus, aber auch in Hinblick auf die jeweiligen Belastungen von Flora und Fauna unter gleichen Bedingungen objektiv miteinander verglichen werden sollen. Diese Zielsetzung des Projektbeirats decke sich mit den Forderungen von Kenzingen und Herbolzheim, so Guderjan.

Autor: gol