Die Kapelle und ihr Patron

Herbert Walter

Von Herbert Walter

Sa, 10. September 2011

Riegel

Am Sonntag kann man in der Riegeler Michaelskapelle einiges über Sankt Michael erfahren.

RIEGEL. Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 11. September, steht die Riegeler Michaelskapelle von 11 bis 18 Uhr zur Besichtigung offen. In dieser Zeit werden auch Führungen angeboten.

"Das ist wieder typisch für den deutschen Michel!" So hört man zuweilen an den Stammtischen, wenn deutsche Politik kritisiert wird. Wer aber ist genau der "deutsche Michel"?

Das Lexikon weist diesbezüglich auf den Erzengel St. Michael hin, der im Alten Testament noch als Schutzengel Israels gilt, im Neuen Testament zum Beschützer der Kirche, zum Patron der christlichen Heere und schließlich zum Volksheiligen der Deutschen deklariert wird.

Wer Interessantes zu diesen Deutungen erfahren will, der kann am Tag des offenen Denkmals in die Michaelskapelle in Riegel kommen. Es lohnt sich, den gleichnamigen Berg hinter der "Messmer-Foundation" durch Rebgelände und Robinienhain hochzusteigen.

Eingangs schon staunt der Wanderer, dass er sich drei Meter in die Tiefe des Raumes begeben muss. Vor etwa 800 Jahren haben die Herzöge von Zähringen eine Burg um eine vorhandene romanische Kapelle gebaut. Weil die Zähringer bald danach den Breisgau Richtung Schwaben verließen und die nachfolgenden Üsenberger wenig Interesse an der Burg zeigten, zerfiel die Burg, und die Einwohner Riegels holten die Steine vom Berg herab, um ihre Häuser damit zu bauen oder zu ergänzen. Den Schutt, der nutzlos übrigblieb, häuften sie um die Kapelle herum.

Von der modernen Kunststofftreppe aus, welche die alte Sandsteintreppe überlagert, fällt der Blick auf ein 300 Jahre altes Bittbild von Riegel. Man sieht Maria und den Erzengel Michael, wie sie über dem hochwassergeplagten Riegel Schutz bieten: "Als der Elzfluss tat aufstanden und den Damm hat überschwemmt, o Maria hattest geholfen, die Gefahr vom Fruchtfeld abgewend".

Hoch oben im Chor kann man ein farbiges Glasfenster aus alter Zeit betrachten. Es zeigt Sankt Michael, wie er sich mit Schild und Schwert gegen das Böse in Gestalt der Schlange wehrt. Auf seinem Schild steht gut lesbar die Bedeutung seines Namens: "Wer ist wie Gott", ohne Punkt, ohne Fragezeichen. Und noch einmal über dem Seitenaltar der Kapelle begegnet man ihrem Namensgeber. Seltsam modern sieht er aus, so wie ihn ein in Freiburg lebender Chilene empfunden und gemalt hat. Mit dem rechten Fuß steht der Schutzheilige auf den Terrassen des Kaiserstuhls. Schutz bietet er Land und Leuten mit seinen weit ausladenden Flügeln und mit seinem Schild, auf dem diesmal in hebräischer Schrift steht "Wer ist wie Gott". Damit wird bestätigt, dass Michael schon im Alten Testament der Schutzbeauftragte der Israeliten war. Ja, und heute, da die Winzer des Kaiserstuhls wegen schlimmer Unwetter um ihre Trauben bangen, hat St. Michael allemal noch seine Existenzberechtigung als Beschützer der Deutschen.

Vieles mehr wird man erfahren am Tag des offenen Denkmals, denn die Riegeler sind stolz auf ihr Wahrzeichen auf dem Michaelsberg und dementsprechend bieten sie geschulte Kräfte und Führungen an. Der Aufenthalt "dort oben" wird mit einem guten badischen Viertele und mit sympathischen Gesprächen belohnt.