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28. Dezember 2011

Die ständige Präsenz der Antike

Der 170 Mitglieder zählende Riegeler Geschichtsverein blickt im Januar auf sein 25-jähriges Bestehen zurück.

RIEGEL. Seit 25 Jahren hat Riegel einen Geschichtsverein. Am Tag nach Dreikönig wird das Jubiläum gefeiert. Die Feier ist eng verbunden mit der Neueröffnung des Archäologischen Museums, das ohne den Geschichtsverein nicht möglich wäre.

Offiziell angefangen hat alles am 10. Januar 1986 im "Kopf". Dahin hatten einige Geschichtsfreunde zu einer Gründungsversammlung eingeladen. Knapp 50 Riegeler kamen und der Geschichtsverein war geboren. Heute zählt der Verein rund 170 Mitglieder.

Doch die Idee eines Geschichts- oder Heimatvereins sowie eines Museums sei schon lange davor diskutiert worden, erinnern sich die Gründungsmitglieder Wolfram Becherer und Peter Ziegler. Bei der großen Vergangenheit Riegels sollte man diese auch für die Öffentlichkeit sichtbar machen, sei die einhellige Meinung gewesen. Die große Vergangenheit lag in der Römerzeit. Seit rund 150 Jahren hatten die Archäologen Feldforschung in Riegel betrieben und immer wieder kamen wertvolle Zeugnisse eines römischen Militärlagers wie auch einer zivilen Siedlung zum Vorschein. "Auch immer wenn in Riegel gebaut worden ist, stieß man auf irgendwelche römische Scherben oder Münzen", erzählt Gründungsmitglied Martin Burkhard.

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Diese ständige Präsenz der Antike habe es leicht gemacht, den Geschichtsverein ins Leben zu rufen, erinnern sich die Gründungs- und Ehrenmitglieder. Man sei auch schnell übereingekommen, keinen Heimatverein aufzumachen. Die Gründer wollten einen Geschichtsverein, der sich auch der Wissenschaft widmet. "Wir wollen keinen Dreschflegelverein", zitieren die Gründungsmitglieder Brigitte Dehoff, unter deren Regie seit 22 Jahren der jährliche Almanach des Geschichtsvereins herausgegeben wird.

Die Gründung des Geschichtsvereins war eine Sache, die Eröffnung eines Museums eine deutlich schwierigere. Bis es soweit war, konnte sich der Verein durch einige Ausstellungen präsentieren. Wichtig für die vergleichsweise große Mitgliederzahl sind die regelmäßigen Reisen, oft zu bekannten Kulturstätten, die der Vorsitzende Ziegler organisiert.

Wichtig für ein Vorankommen in der Museumsfrage war ebenfalls, dass der Geschichtsverein mit Ziegler und Becherer zwei Gemeinderäte in den eigenen Reihen hatte. Beide betonen aber auch, welches Glück die Geschichtsfreunde mit den beiden Bürgermeistern Gerhard Setzer und Markus Jablonski gehabt hätten. Setzer habe immer wieder auf die antiken Schätze der Gemeinde hingewiesen und damit das Geschichtsbewusstsein des Gemeinderats gehoben, erinnern sich Ziegler und Becherer.

Jablonski hat die Studie zur Marke Riegel initiiert. Nachdem die Riegeler Brauerei als Aushängeschild weggefallen war, haben angehende Kulturmanager untersucht, mit welchem Kulturgut Riegel für sich werben könne. Ihre Ansicht, Riegel als "Freiburg der Römerzeit" sollte das Label sein, hat sicher wesentlich dazu beigetragen, dass 2006 das Archäologische Museum in der Alten Schule eröffnet werden konnte.

Für die Geschichte des Geschichtsvereins, wie auch des Museums war von großer Bedeutung, dass der historische Boden auch gelernte Archäologen anzog. Wesentlich zur Erforschung und zur Entwicklung des Vereins trug die inzwischen verstorbene Archäologin Mechthild Michels bei, die alleine 22 Beiträge für den Almanach geschrieben hat. Zudem war im Rathaus eine Zeitlang der promovierte Archäologe Christian Dreier angestellt, der das Konzept für das Archäologische Museum erstellt hat. Bürgermeister Jablonski betont, dass sich die Gemeinde das Museum ohne den Geschichtsverein nicht leisten könnte. Dabei gehe es nicht nur um die Gelder, die der Gesichtsverein sammelt und beispielsweise die Vitrinen finanziert. Wichtig sei, dass der Geschichtsverein als Betreiber des Museums die Öffnungstage ehrenamtlich organisiert und so die Gemeinde keine Personalkosten habe. "Außerdem ist der Geschichtsverein aus der Aufarbeitung der Riegeler Geschichte nicht wegzudenken", so Jablonski.

Die Zusammensetzung des harten Kerns aus Laien mit ganz unterschiedlichem Wissenshorizont hat es auch ermöglicht, dass der Geschichtsverein und das Museum eine unerwartete Bereicherung erfährt. Der mehr technisch angehauchte Vorsitzende Ziegeler hatte mit seinen Kontakten zur Luftfahrtindustrie ein Öffnung zur Moderne angestoßen. Der Umstand, dass nach dem Krieg einige Raketenforscher in Riegel untergebracht waren, gab den Anlass, um nun neben den Römern auch Raketen und Flugzeugturbinen zu präsentieren.

Autor: Michael Haberer