Ein einzigartiger Liedschatz

Christel Hülter-Hassler

Von Christel Hülter-Hassler

Di, 28. November 2017

Riegel

Claudia Spahn und Bernhard Richter begeistern mit ihrem Schubert-Abend in der Riegeler Kumedi .

RIEGEL. Mehr als 600 Lieder umfasst das Werk des österreichischen Komponisten Franz Schubert. Musiker wie Mendelssohn, Liszt, Schumann oder Brahms schwärmten von der unvergleichlichen Schönheit seiner Lieder. Am Samstag brachten die Pianistin Claudia Spahn und der Sänger Bernhard Richter ihren Zuhörern in der "Kumedi" das einzigartige Wesen von Schuberts Liedschatz nahe. Für viele Gäste waren sie keine Unbekannten. In Freiburg haben sich die studierten Musiker und Mediziner auch als Leiter des Instituts für Musikermedizin einen Namen gemacht.

Das Wissen um Richters wissenschaftliches Alltagsleben macht seinen Bühnenauftritt umso spannender: Da steht einer, der beruflich den physiologischen Vorgängen beim Singen und Sprechen auf den Grund geht und sich am Wochenende zu einem fantastisch und emotional singenden Schubert-Interpreten verwandelt.

"Wir möchten Sie mit dem heutigen Abend nicht nur unterhalten, sondern auch vermitteln, wie man mit Schubert-Liedern einiges über das eigene Leben erfahren kann", sagt Klavierpartnerin Claudia Spahn eingangs. Von Schubert heißt es, er könne Gefühle destillieren. Der österreichische Komponist hat wie kein anderer zu seiner Zeit zahlreiche Gedichte und Texte von literarischen Größen wie Goethe oder Heinrich Heine vertont. Für seinen Liederzyklus "Die schöne Müllerin" bediente sich Schubert der Texte des damals kaum bekannten Dichters Wilhelm Müller. Schubert überhöhe er oft einfache Texte durch die Kunst seiner berührenden Kompositionen und lote wie kaum ein anderer die Grenzen zwischen unbändigem Lebenswillen und Verzagtheit bis hin zu tiefer Wehmut aus.

So erklingt das erste Lied aus diesem Zyklus "Das Wandern" zunächst freudig vorwärts drängend. Auch im zweiten Stück "Wohin" lässt sich Schubert in seiner Melodie buchstäblich vom Text treiben und treibt seine Musik am Text entlang. Im sechsten Lied übernimmt das Bächlein die Rolle des vertrauten Gesprächspartners . Dabei kann sich in der angenehmen Atmosphäre des kleinen Theaters in Riegel der intime Charakter dieser Liedbilder ganz und gar entfalten.

Ein außergewöhnliches Erlebnis ist die Darbietung des Goethe-Gedichts "Schäfers Klagelied". Schubert folgt zunächst dem volkstümlichen Duktus, zeigt dem Hörer aber im Verlauf der Vertonung immer eindringlicher, wie es ist, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Wunderbar klar und hingebungsvoll singt Richter auch Lieder der "Winterreise", eins der letzten Werke des bereits im Alter von 31 Jahren verstorbenen Komponisten.

Im Ausklang des Liedes "Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus" trifft der Wanderer auf den Leiermann, der frierend seine Leier dreht, aber von niemandem gehört wird. In dieser Szene unendlicher Hoffnungslosigkeit ist Schubert eines seiner anrührendsten und gleichzeitig schlichtesten Lieder gelungen. Immer wieder erklären Richter und Spahn die Hintergründe und vermitteln durch die Art ihrer Darbietungen die Empfindsamkeit von Schuberts Werken. Es ist ein Genuss, ihnen zuzuhören.

Die Lieder "Nacht und Traum" "Im Abendrot" und "Der Mond ist aufgegangen" nach dem Text von Matthias Claudius krönen den ebenso aufschlussreichen wie wohltuenden Lieder-Abend, der noch für etliche Zuhörer mehr Platz geboten hätte.