Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Juli 2013

Flanieren in Sachen Kunst

Kleiner Ort, große Szene: 16 Maler, Fotografen und Bildhauer ziehen Hunderte von Besuchern nach Riegel.

  1. Atelierbummel durch Riegel: 16 Künstler präsentierten sich in ihrem Wohnort. Foto: Christiane Franz

  2. Die Künstlerin Dorothee Lang stellt Kopfskulpturen aus Ton her. Foto: Christiane Franz

RIEGEL. Insgesamt 22 Künstler leben oder arbeiten in der kleinen Gemeinde Riegel am Kaiserstuhl. 16 davon präsentierten sich bei der fünften Auflage der Riegeler Künstlertage. Besonders beeindruckend war die Vielfalt, die sich dem Betrachter beim Flanieren von Atelier zu Atelier bot. Mit den Künstlern ins Gespräch kommen und in den Ateliers Einblicke in deren Arbeitsweise zu erhalten – das machte auch in diesem Jahr die Riegeler Künstlertage so attraktiv und einzigartig in der Region.

Im Atelier von Cordula Böhle sind beispielsweise Arbeiten aus den vergangenen 20 Jahren in unterschiedlichen Techniken zu sehen. Die Motive der neueren Arbeiten fand die Künstlerin beim zufälligen Vorübergehen. In einer mehrschichtigen Technik wird im Atelier die Farbstimmung durch Untermalung, die wieder hervor geholt werden kann, oder zum Teil durch mehrfache Übermalung solange bearbeitet, bis das Werk für die Malerin seine Vollendung erfährt. Am Ende des Prozesses finden sich in harmonischen Farben gehaltene Bilder, die das Dargestellte erahnen lassen, ohne es konkret abzubilden. Böhle ist auch die Erfinderin der "Plexigraphie", einer Drucktechnik mit Platten aus Plexiglas – und hat verschiedene Riegeler Ansichten in diesem Verfahren gestaltet.

Werbung


Dorothee Lang formt

Köpfe aus Ton. Inspiration: ihre Mitmenschen.

In der neu gestalteten ehemaligen Riegeler Brauerei befindet sich das Atelier der Tonkünstlerin Dorothee Lang. Ihre Arbeiten sind kleine und größere Kopfskulpturen in Terrakotta, Braun und Weiß. Ihre Werke sind in der natürlichen Farbskala des Tons gestaltet, ohne dabei Farbe oder Glasur zu benutzen. Jede der Skulpturen hat einen individuellen Gesichtsausdruck. Zuerst entstehe die Kopfform, erläutert die Künstlerin, aus dieser dann der jeweilige Gesichtsausdruck. Anregungen holt sich Lang beim Beobachten ihrer Mitmenschen.

Für Katharina Hirt, die im Bürgerhaus ausstellt, ist Fotografieren nicht die Ausübung eines Handwerks, sondern "die Kunst, Emotionen und Ereignisse im richtigen Moment einzufangen und zu verewigen". So ergeben beispielsweise drei Aufnahmen nebeneinander in quadratischem Format ein Bild. Sie zeigen Detailaufnahmen von Architektur oder Alltagsgegenstände wie aufgestapelte Flaschen, die einen faszinierenden Reiz auf den Betrachter ausüben. Die Rillen einer Schallplatte, Gitarrensaiten oder ein Plektron bieten einen verfremdeten und doch wiedererkennbaren Blick auf die Dinge.

Ebenfalls im Bürgerhaus stellt die Malerin Senta Ernst ihre Bilder und Collagen aus. Die stimmungsvolle Malerei in kräftigen und harmonischen Farben, die abstrahierte Formen ergeben, übt eine faszinierend beruhigende Wirkung auf das menschliche Auge aus. Ernst arbeitet mit Acrylfarbe oder Pastellkreiden. Ihre Collagen in kräftigen Farben weisen streng geometrische Formen auf, die dem Betrachter viel Raum zur eigenen Interpretation lassen.

Die Entscheidung der Organisatoren, die Künstlertage am Samstag bis 21 Uhr zu öffnen, fand bei zahlreichen Kunstfreunden großen Anklang. An beiden Tagen waren die Ausstellungen sehr gut besucht.

Mehr Fotos im Internet: http://mehr.bz/ktage

Autor: Christiane Franz