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18. August 2010 14:28 Uhr

Geschichtsverein kauft Dokument

König Ludwig XVIII. residierte in Riegel

Einst regierte für ein paar Wochen ein König in Riegel. Er hieß Ludwig und war der 18. Ludwig auf dem Königsthron von Frankreich. Doch seine Landeskinder liebten ihn nicht mehr. Deshalb musste er Zuflucht nehmen im italienischen Verona. Dort machte er sich gen Norden davon und residierte im Frühjahr 1796 in Riegel. Da hat er auch regiert.

  1. Riegels Geschichtsverein hat dieses historische Dokument erworben. Foto: Michael Haberer

  2. Dokument mit Unterschrift des Königs Ludwig XVIII: Foto: Michael Haberer

RIEGEL. Aus dieser Zeit gibt es ein Dokument, das nun im Archäologischen Museum in Riegel zu sehen ist. Der Geschichtsverein hat es gekauft.

In Riegel ließ sich damals durchaus residieren. Das Kaiserstuhldorf hatte nämlich ein Schloss. Das war zwar nicht Versailles. Doch so groß, dass die heutige Leopoldstraße als Paradeweg durch den Schlossgarten diente.

Die heutige Schlossgasse erinnert noch daran, wo die Schlossanlage stand. Sonst ist nicht mehr viel davon vorhanden. Denn nachdem der Breisgau 1805 an den Großherzog von Baden gekommen war, wurde das Schloss unter den Riegelern aufgeteilt.

Als Ludwig XVIII. das Dorf zu seinem Herrschaftszentrum machte, gehörte es den Fürsten von Schwarzenberg und war Teil Vorderösterreichs. Das Haus Österreich oder die Habsburger hatten zwar lange Zeit nicht viel übrig für die Könige von Frankreich.

Doch nachdem die Revolution in Frankreich das Königtum hinweggefegt hatte, hatten die habsburgischen Kaiser und die französischen Könige das gleiche Ziel: Sie wollten die alte Ordnung über die Zeit retten. Allerdings war dem Kaiser ein nach damaligem Verständnis legitimer König am Oberrhein eher lästig. Er blieb da auch nicht lange.

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Von Riegel aus pflegte Ludwig seine Kontakte in die europäische Fürstenwelt. Auch mit dem Zar stand er gut. So kam ein Marquis de Badens, nach den Angaben des Geschichtsvereins ein Handelsmann, auf den König zu. Dieser Marquis wollte nach Russland. Er hatte zwei Töchter, die er mitnehmen wollte. Deshalb wünschte er vom König, dass dieser bescheinige, dass die Töchter einen guten Lebenswandel geführt hatten. Vielleicht wollte er die Mädchen in Russland verheiraten oder gegen Zobel eintauschen. Jedenfalls befanden Ludwig und sein Kanzler, ein Baron de Flachslanden, dass die Mädchen bislang sittlich gelebt hatten und stellten dem Marquis die Urkunde aus.

Nun ist dieses Stück Papier im vergangenen Jahr irgendwo aufgetaucht. Der Historiker Robert Fecher, der mit historischen Dokumenten handelt, war darauf gestoßen und informierte den Geschichtsverein, dass es zum Verkauf stehe. 300 Euro sollte es kosten. Peter Ziegler, Vorsitzender des Geschichtsvereins, hielt das Ganze für wichtig und ließ den Verkauf blockieren. Mit Bürgermeister Markus Jablonski wurde vereinbart, dass die Gemeinde und der Geschichtsverein den Preis für das Papier jeweils zur Hälfte übernehmen. "Mächtig stolz", sei man auf diese neue Urkunde hinter Plexiglas, erklärt Ziegler. Immerhin ist es eine wichtige Aufgabe, nach Spuren Riegels vergangener Größe zu suchen. Zudem stellt das Papier den Riegeler Geschichtsfreunden eine Rechercheaufgabe. Denn das wer ist wer auf dem Papier interessiert schon. Was war das für ein Baron de Flachslanden, der das Papier mit unterschrieben hat? Das Internet kann da schon hilfreich sein. Die Freiherren von Flachslanden kommen aus dem Dreiländereck. Nachdem sich die französischen Könige das Elsass einverleibt hatten, wurden sie zu Baronen, was etwa das Gleiche war wie Freiherren. Sie hatten ihr Schloss im elsässischen Dörfchen Flaxlanden in der Nähe von Mulhouse. Von deren Schloss ist dort noch weniger übrig geblieben als von dem in Riegel.

Autor: Michael Haberer