Plädoyer für Ganztagsgrundschulen

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Mi, 09. März 2016

Riegel

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) verteidigt das Zwei-Säulen-Modell und fordert Investitionen in die Lehrerausbildung.

RIEGEL. Das Ziel der Schule sollte eine ganzheitliche Bildung sein. Diesen Anspruch vertritt Andreas Stoch (SPD), Minister für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, mit seiner Politik. Am Montag war er mit der Abgeordneten Sabine Wölfle beim SPD-Ortsverein in Riegel und stellte vor rund 40 Zuhörern die bildungspolitischen Grundsätze der Sozialdemokraten vor.

Bei der Wahl am Sonntag gehe es um ganz viele Landesthemen, sagte Stoch. Eines davon sei die Bildungspolitik, die Ländersache ist. Als Rot-Grün 2011 die Regierungsmehrheit im Land stellte, habe man vor einem Bildungssystem gestanden, das an manchen Stellen Nachholbedarf gehabt habe, erinnerte Stoch. Das galt für alle Bereiche, angefangen bei der frühkindlichen Förderung. Was hier versäumt werde, sei später nur schwer nachzuholen, sagte er. Zudem sehe er in Angeboten zur frühkindlichen Bildung eine Familienförderung.

"Die großen bildungspolitischen Debatten finden ab Klasse fünf statt", bedauerte der Minister. "Das passt eigentlich nicht", sagte der Vater von vier Kindern. Sein Ziel: 70 Prozent der Grundschulen sollen Ganztagsschulen werden. Dazu stelle das Land die Mittel bereit, auch zur Entlastung der Kommunen. Der bisherigen Form der Grundschule erteilte Stoch eine klare Absage: "Die Tradition der Halbtagsschule kollidiert mit der gesellschaftlichen Realität."

Die künftige Struktur des Schulwesens sieht Stoch in einer Zwei- statt der bisherigen Dreigliedrigkeit. Eine Säule soll das Gymnasium bleiben, weil es hohes Ansehen genieße. Die zweite Säule ist eine Gemeinschaftsschule, von der es vom kommenden Schuljahr an rund 300 im Land geben wird. Damit sieht Stoch eine Chance für Schulen auf dem Land. Bei der Dreigliedrigkeit werden in absehbarer Zeit 75 Prozent der Schulen auf dem Land wegen sinkender Schülerzahlen zumachen, sagte er. Da nicht alle Schulen zu halten seien, empfahl er "regionale Lösungen".

"Am liebsten möchte ich als Kultusminister aber nicht über Schulstrukturen reden, sondern über Lehrerausbildung und Bildungspläne", sagte Stoch. "Wir brauchen Lehrkräfte", und dafür forderte Stoch vehement Investitionen.

Diese kämen vor Haushaltskonsolidierung und Sparmaßnahmen − und er verbindet sie mit der Forderung nach mehr Geld vom Bund für Ausgaben in der Bildungspolitik. Ein geringerer Klassenteiler ist bei Stoch nicht geplant: Eine Senkung um die Zahl eins bedeute Mehrausgaben von 80 bis 85 Millionen Euro, sagte der Minister.

Große Aufgaben und ein schrittweises Vorgehen sieht Stoch in der Inklusion. Die Frage des Schulleiters von Riegels Sankt Anton nach einer Evaluation und Stochs Antwort zeigte, dass hier noch viel Arbeit drin stecke. Auf Förderschulen soll auch in Zukunft nicht verzichtet werden. Aber, so Stoch: "Wo Kinder besser lernen, ist bisher kaum untersucht."