Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. Juli 2013

BZ-Interview

Silvia Wenzinger-Schille organisiert die Künstlertage in ihrem Heimatort

Ein Ort, viele Ateliers: Bei der fünften Auflage der Riegeler Künstlertage präsentieren sich 16 ortsansässige Maler, Fotografen und Bildhauer – unter anderem. Patrik Müller sprach mit Initiatorin Silvia Wenzinger-Schille über Netzwerke, Neid und Nächstenliebe.

  1. Silvia Wenzinger-Schille Foto: Patrik Müller

RIEGEL. Ein Ort, viele Ateliers: Bei der fünften Auflage der Riegeler Künstlertage präsentieren sich 16 ortsansässige Maler, Fotografen und Bildhauer – unter anderem. Patrik Müller sprach mit Initiatorin Silvia Wenzinger-Schille über Netzwerke, Neid und Nächstenliebe.

BZ: Wieso leben im kleinen Riegel eigentlich so viele Künstler?

Wenzinger-Schille: Das hat sich einfach so ergeben. Einige Künstler wohnen schon länger hier. Andere haben davon gehört und sind hingezogen.

BZ: Es ist eine Sache, einem Verein beizutreten. Eine andere, gleich umzuziehen.

Wenzinger-Schille: Wir sind kein Verein, wir sind eine freie Künstlergemeinschaft. Ein Anziehungspunkt könnte die Kunsthalle sein. Außerdem denke ich, dass viele das aufgeschlossene Riegel liebens- und lebenswert finden.

BZ: Wer darf bei Ihnen mitmachen?

Wenzinger-Schille: Es gibt zwei Voraussetzungen: Man wohnt hier in Riegel oder man hat hier sein Atelier. Lokale Identifikation der Künstler ist uns wichtig – und ein Alleinstellungsmerkmal. Ausstellungen mit fremden Künstlern kann jede Gemeinde veranstalten.

Werbung


"Ich mache das

nicht aus purer

Nächstenliebe."

BZ: Gibt es eine Qualitätskontrolle?

Wenzinger-Schille: Wenn sich uns jemand anschließen will, stellt er sich persönlich vor und präsentiert einige Arbeiten. Wichtig ist aber vor allem, dass er sich gut in die Gemeinschaft integriert – und sich bei uns wohlfühlt.

BZ: Genregrenzen scheint es nicht zu geben. Bei den Riegeler Sängertagen 2013 ist sogar eine Sängerin dabei.

Wenzinger-Schille: Wir sind nicht nur eine Gruppe von bildenden Künstlern, sondern offen für andere Bereiche. Vielfalt ist eine Bereicherung.

BZ: Wie bringt man so viele Künstler unter einen Hut?

Wenzinger-Schille: Das frage ich mich auch immer. Es gibt keine Meinungsverschiedenheiten und keinen Futterneid. Im Vordergrund steht ja immer ein gemeinsames Ziel wie die Künstlertage.
BZ: Welche Richtung fehlt in Riegel?

Wenzinger-Schille: Bildhauer und Literaten wären wünschenswert. Aber auch weitere Keramiker.

BZ: Ein Konkurrent für Sie also?

Wenzinger-Schille: Das sehe ich nicht so. Denken Sie an die Möbelhäuser entlang von städtischen Möbelmeilen. Ein Kunde kann nicht alles bei mir kaufen, er will ja auch mal etwas anderes haben – da können sich mehrere Keramiker, Maler oder Fotografen durchaus ergänzen.

BZ: Wie wichtig ist es, sich zu vernetzen?

Wenzinger-Schille: Das kommt auf den Künstler an. Manche brauchen das. Andere arbeiten gerne für sich allein – ich zum Beispiel arbeite gerne allein.

BZ: Warum machen Sie sich dann die ganze Mühe?

Wenzinger-Schille: Ich mache das nicht aus purer Nächstenliebe. Die Künstlertage bringen mir und meinem Atelier und allen Künstlerkollegen etwas, sie sind inzwischen fast schon so etwas wie eine Institution für Riegel geworden. Und ich träume immer noch davon, dass sich Riegel vollends zu einem richtigen Künstlerdorf entwickelt.

BZ:
Wie haben sich die Künstlertage bisher denn entwickelt?

Wenzinger-Schille: Als die Kunsthalle Messmer im Jahr 2009 eröffnet wurde, habe ich die ortsansässigen Künstler zusammengerufen und angeregt, dass alle ihre Ateliers öffnen. Jürgen Messmer war sehr angetan und hat das Projekt gutgeheißen. 2009 waren wir acht Künstler, heute zählen 20 zu unserer Vereinigung. 16 davon beteiligen sich an den Künstlertagen. Vier haben leider keine Zeit.

Silvia Wenzinger-Schille stammt aus Freiburg. Die Keramikkünstlerin ist 62 Jahre alt lebt seit 22 Jahren in Riegel.

RIEGELER KÜNSTLERTAGE

16 Künstler sind am Wochenende 6./7. Juli bei den fünften Künstlertagen dabei. Sie präsentieren sich und ihre Arbeit an insgesamt sieben Standorten – am Samstag von 14 bis 21 Uhr, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Die Eröffnung findet am Freitag, 5. Juli, um 19 Uhr im Bürgerhaus statt.

 

Autor: pam

Autor: pam