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27. Oktober 2012

"Zwischen Römern und Raketen war noch was"

Ausstellung zur Geschichte der Kunst in Riegel .

  1. Karl-Heinz Thiel führt in seinem Atelier die Arbeitsweise der Freskomaler des 18. Jahrhunderts vor. Weitere Riegeler Künstler stellen aus und geben Einblicke in ihre Arbeitsweise. Foto: Christiane Franz

RIEGEL. Im Jubiläumsjahr wollen Künstler aus Riegel eine ganz besondere Ausstellung bieten: Sie ist der Geschichte der Kunst in Riegel gewidmet. Denn es gab noch mehr "zwischen den Römern und den Raketen", wie Karl-Heinz Thiel betont, "nämlich Architektur und Malerei wie die von Benedikt Gambs". Sein Anliegen sei es, die Bürger für die Zeitdokumente aus allen Jahrhunderten, insbesondere aber dem 18. Jahrhundert, zu sensibilisieren.

Eigentlich war die Ausstellung im Bürgersaal geplant. Nun findet sie in kleinerem Rahmen im Atelier Thiel statt und wurde am Donnerstag eröffnet. "Verbrannte Spuren" heißt die Ausstellung deshalb, weil sie Bezug nimmt auf die vermeintlichen Fresken von Benedikt Gambs, dessen Werke in der katholischen Kirche St. Martin jedoch bei Bränden 1936 und 1939 zerstört wurden. Spuren hat Gambs in Riegel dennoch hinterlassen, denn Rekonstruktionen seiner Gemälde zieren die Kirche noch heute. Von den Zeugnissen der Geschichte und ihrer heutigen Deutung durch die Künstler handelt die etwas andere Spurensuche.

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Fünf weitere Riegeler Künstler sind bei Thiel zu Gast. So ist Norman Hothum mit seiner Malerei im Stile der mittelalterlichen Buchillustration ebenso vertreten wie seine Frau Michelle Hothum, die Radierungen von Musen, Engeln und Feen gestaltet. Norman Hothum verbindet bei seiner Kalligraphie den verspielten Duktus gotischer Malerei mit eigenen Ideen und zeitgenössischen Inhalten. Michelle Hothums Bilder zeichnen sich durch ihre Zartheit aus. Fast durchscheinend leuchten ihre Fabelwesen.

Bodenständiger wirken die Plexigraphien von Cordula Böhle, eine moderne Tiefdrucktechnik. Die Werke sind jüngst entstanden, ihre Motive finde sie rund um Riegel. Die Objekte von Carmen Gukelberger sind bunt bemalte Geweihe, die durch ihre plastischen Augen bestechen und die sie von gewöhnlichen Jagdtrophäen unterscheiden. Die Farbgebung bestimmen auch die von Zeichnungen auf Leinwand übertragenen Akte von Wolfgang Keller, der sich selbst als immer gegenständlich abbildenden Künstler bezeichnet. Ist die Abbildung auf der Leinwand, beginne die künstlerische Freiheit, was Farbgebung oder auch Einarbeitung von Material angehe, erklärt Keller.

Gastgeber Karl-Heinz Thiel macht die originale Fresko-Malerei zu seinem Thema, eine, wie er sagt, aussterbende Technik. Der Besucher wird eingeladen, die Fresko-Malerei von der Mustersuche über die maßstabsgerechte Zeichnung bis zur Eins-zu-Eins-Zeichnung zu verfolgen.

Aber nicht nur theoretisch wird die Arbeit erklärt – das ist das Besondere an dieser Werkschau. Denn jeweils samstags und sonntags um 15 Uhr kann man Thiel dabei zuschauen, wie er ein Fresko anfertigt, welche Untergründe, Materialien und Werkzeuge dazu nötig sind. Auch die anderen Künstler geben Einblicke in ihre Arbeitsweise.

Info: Die Ausstellung läuft noch bis 11. November. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, von 16 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag, von 11 bis 19 Uhr (Vorführungen 15 Uhr).

Autor: Christiane Franz