Mit Köpfchen und Kilchling

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Mo, 29. Oktober 2018

Ringen

Ringer-Regionalligist WKG Weitenau-Wieslet bezwingt Tabellenschlusslicht AB Aichhalden nach packendem Finale mit 14:13.

RINGEN Regionalliga: WKG Weitenau-Wieslet – AB Aichhalden 14:13. Jonas Dürr ist ein Kraftpaket. Ein Vorzeigeringer, dessen Körper, wenn er seine Muskeln anspannt, aus 80,7 Kilogramm purer Kraft zu bestehen scheint. Für seine Kontrahenten ist Jonas Dürr oftmals schon schwer zu kontrollieren, und für Stefan Kilchling war der wuchtige Sprung seines Teamkollegen in diesem Moment einfach zu viel. Kilchling, 74 Kilogramm schwer, landete prompt auf der Matte. Da lag er nun, auf dem Rücken. Ausgepumpt. Mit seinen Kräften, mit seinen Nerven am Ende. Vor allem aber eines: überglücklich.

Jonas Dürr hatte seinen Teamkollegen mit einem Freudensprung überwältigt, mitten in der tobenden Ekstase in der Höllsteiner Wiesentalhalle. Mit seinen drei Teampunkten hatte Kilchling der WKG Weitenau-Wieslet zum 14:13-Sieg im Regionalliga-Abstiegskampf gegen Schlusslicht AB Aichhalden verholfen. Im finalen zehnten Kampf (Greco bis 75 Kilogramm) hatte Kilchling gegen Christian Bantle die Spannung auf den höchstmöglichen Kulminationspunkt getrieben. "Stefan ist über sich hinausgewachsen", lobte WKG-Coach Kai Vögtlin, "er ist ein guter Krieger", sagte sein Kollege David Muller, dessen Schützling den 11:3-Punktsieg ganze 13 Sekunden vor dem Schlussgong perfekt machte indem er Bantle von der Matte drängte und den entscheidenden Zähler zum Gesamtsieg holte.

Mit 11:13 war die WKG vor dem letzten Mattenduell zurückgelegen, Kilchlings Devise: "Entweder alles oder gar nichts", sagte er später. Ohnehin wolle er sich am Ende nie den Vorwurf machen müssen, "nicht alles gegeben zu haben". Kilchling wusste um Bantles positive Saisonbilanz, der Aichhalder bezwang unter anderem den Adelhauser Zsolt Berki. Im Vorjahr endeten die direkten Duelle mit je einem knappen Punktsieg, "er ringt gern über die Hüfte" sagte Kilchling über den "relativ großen" Bantle.

WKG steckt mehrere Nackenschläge weg

Kilchling agierte einerseits angriffslustig, andererseits auch defensiv geschickt, drehte nach der Pause auf und führte 9:3. Virtuell stand es somit 13:13. Doch mit einem Remis wollte er sich nicht zufriedengeben, "entweder du willst es oder du willst es nicht". Kilchling wollte. Gegen Bantle, der "gegen Ende ein klein wenig eingebrochen" zu sein schien, waren für Kilchling nach 5:28 Minuten (10:3) die nötigen acht Zähler Differenz für einen dreifachen Punktgewinn greifbar. Was neben der Physis auch entscheidend sei, so Muller und Vögtlin: der Faktor "Kopfsache. Der eine punktet immer weiter, dazu kommen noch die Zuschauer", all das mache den Gegner kaputt. Vor dem freitäglichen Training hatte die WKG den dritten Weltmeistertitel des deutschen Topringers Frank Stäbler verfolgt, er sei ein Beispiel dafür, dass "80 Prozent im Kopf passiert", so Vögtlin. Und "sobald die Fans dabei sind und einen unterstützen, bringe ich nochmal 30 bis 40 Prozent mehr", so Kilchling über den Extraschub durch den lautstarken WKG-Anhang.

Das Happy-End hatte sich indes nicht gerade angedeutet. Von Beginn an setzte es für die Gastgeber immer wieder kleine Nackenschläge. Svetlin Shindov (57) unterlag seinem Zwillingsbruder Radostin (1:3) in einem Freistilkampf, der sich beinahe die gesamten sechs Minuten im Stand abspielte, und den der Ex-WKG’ler durch eine einzige aktive Aktion entschied. Die Greco-Spezialisten Jonas (86) und Simon Dürr (71) versuchten jeweils vergeblich, ihre drei zu vier Teamzählern aufzuwerten. Im 80 Freistil schob Thomas Bachmann zwar Pius Moosmann von der Matte, jedoch erst nach dem Schlussgong, so der Kampfrichter – es blieb beim 2:10, Bachmann gab drei statt nur zwei Zähler ab. Dennis Kronenberger (75) saß nach seinem Freistilkampf niedergeschlagen auf der Matte, als er gegen Daniel Eberhardt auf den Ausgleich drängte, ausgekontert wurde und doch zwei statt einen Zähler abgab. In der Ecke verzweifelten die WKG-Trainer, was beim emotionalen Vögtlin ("Schlimm, wenn du nicht eingreifen kannst.") deutlicher zu erkennen war als beim eher ruhigeren Muller. Vor Kilchlings finalem Kampf hätte anstelle eines 11:13 auch ein 14:10 für die WKG aufleuchten können.

Für einen beherzten Auftritt belohnte sich Michael Herzog (130 G) mit einem Zähler, er hatte zudem Gewicht gemacht, um je nach gegnerischer Ausländeraufstellung reagieren zu können. Im 98 Freistil habe Patrick Kreutler – Marcus Mickeins Carbonmaske wurde nicht rechtzeitig fertig – "zwischendurch Punkte verschenkt, es am Ende aber gut ausgerungen", so Vögtlin zur 0:14-Niederlage, bei der Kreutler einen Vierer vermied. Den musste zwar Maximilian Tröndlin (61 G) abgeben, doch verbuchte vor der Pause der Franzose Zorhab Ohanian (66 F) eingeplante vier WKG-Teamzähler.

Kilchling vergaß in seinem Moment des Triumphes nicht, zuallererst die Teamleistung in den Vordergrund zu stellen. "Es zählt jeder einzelne Punkt", betonte Kilchling, der mit der WKG die beiden Tabellenletzten Sulgen und Aichhalden distanziert und den Anschluss zum KSV Hofstetten (7.) hergestellt hat. Und so sagte ein freudestrahlender Vögtlin: "Gewonnen. Geil. Und fertig."