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18. Februar 2016

Ritter als Kuttel Daddeldu

Schöne theatralische Lesung im Georg-Scholz-Haus / Texte von Ringelnatz und Borchert.

  1. Peter Ritter liest – auch mimisch ausdrucksstark – Texte von Joachim Ringelnatz und Wolfgang Borchert. Foto: Zahn

WALDKIRCH. Im Rahmen der Ausstellung "Petra Blocksdorf – Malerei auf Leinwand und Papier" las Peter Ritter im Georg-Scholz-Haus vor mehr als 50 Besuchern Texte von Joachim Ringelnatz und Wolfgang Borchert. Von den lebensechten Stimmgemälden war das Publikum fasziniert und begeistert.

Joachim Ringelnatz, Wolfgang Borchert und Georg Scholz können sich gekannt haben. Die drei Künstler haben eines gemeinsam: Im Dritten Reich wurde ihnen die Ausübung ihrer Kunst untersagt mit weitreichenden Folgen. Der Rahmen, in dem Peter Ritter Texte von Ringelnatz und Borchert las, konnte deshalb nicht passender gewählt werden: im Georg-Scholz-Haus. Die Lesung fand als Begleitveranstaltung zur Ausstellung Malerei von Petra Bocksdorf statt. Doch Ritter blendete die Malereien aus. Er hatte eine Minibühne mitgebracht, die er ausfüllte und mit der er die Blicke des Publikums auf sich und seine Sprache fokussierte. Unterstützt wurde er dabei im Hintergrund von Ton- und Licht-Techniker Johannes Haberstroh.

Kuttel Daddeldu ist eine Kunstfigur, die Ringelnatz schuf und dessen Wesen auf seinen Erfahrungen als Seemann basiert. Um seinen Lebensunterhalt zur verdienen, trat Ringelnatz wiederholt auf Kabarett-Bühnen als Kuttel Daddeldu auf. Eine Kuttel-Daddeldu-Performance ist "Ansprache eines Fremden an eine Geschminkte vor dem Wilberforcemonument". In dieser Performance ist der knurrige Seemann sturzbesoffen. Meisterlich verbindet Ritter beim Rezitieren dieser Lyrik eine überaus klare Artikulation mit dem lallenden Klang eines Betrunkenen, so dass bei extrem guter Verständlichkeit ein lebendiges Bild des besoffenen Kuttel Daddeldu entsteht. Aber auch bei "Kuttel Daddeldu erzählt seinen Kindern das Märchen vom Rotkäppchen und zeichnet ihnen sogar was dazu" versteht es Ritter, mit seiner Stimme ein lebensechtes Bild der Geschichte zu malen, das er mit Mimik und Gestik unterstreicht und ausschmückt.

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Borchert hat viele Kurzgeschichten geschrieben. Eine Geschichte, die zu den ungewöhnlich heiteren und humorvollen Texten Borcherts gehört, ist "Schischyphusch oder Der Kellner meines Onkels". Der Autor schlüpft dabei in die Rolle eines Kindes, das gerade so groß ist, dass es die Nase auf die Tischplatte legen kann. Die Geschichte spielt an einem heißen Sommertag in einem Gartenlokal. Dort kommt es fast zu einem Streit, weil sowohl der Onkel als auch der Kellner einen Sprachfehler haben und es deswegen Missverständnisse gibt. Auch diese Geschichte gibt Ritter mit seiner Stimme, Mimik und Gestik so realitätsecht wieder, dass der Zuhörer das Gefühl hat, bei der wahren Begebenheit dabei zu sein. Verdient erhält Ritter für diese Vorstellungen stürmischen Applaus.

Autor: Gabriele Zahn