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27. Mai 2010 15:36 Uhr
Rocklegenden
Clapton und Winwood in Basel: Der Blues und die Seele
Bei der kurzlebigen Supergruppe "Blind Faith" haben Eric Clapton und Steve Winwood zusammen gespielt. 40 Jahre später standen die beiden in Basel gemeinsam auf der Bühne – und zelebrierten einen stimmigen Abend voller Klassiker.
Am Mittwochabend Punkt acht tost ein heftiges Gewitter über die Basler Sankt-Jakob-Halle. Der Sturm draußen legte sich, der drinnen im Saal baute sich langsam auf. Eric Clapton und Steve Winwood waren in Spiellaune, und von Song zu Song verdichtete sich die Atmosphäre.
Das Instrumentalstück "Glad" – vom Traffic-Album "John Barleycorn" – ist das erste große Glanzlicht dieses (fast) durchweg stimmigen Konzerts im Rahmen ihrer gemeinsamen Europatournee. Kantiger Rhythmus, darüber tanzt diese markante, kraftvolle Klavierfigur, während auf den Lichttafeln hinter der Band Farbexplosionen bersten. Ansonsten war man in Sachen Lichtshow eher dezent.
"Glad" geht nahtlos über in "Well allright" von "Blind Faith". 1969 trafen sich Clapton und Winwood in dieser Band. Nach einem Jahr war es vorbei, doch in Basel lebte Blind Faith nochmals auf. Die Songs des einzigen gemeinsamen Albums wurden fast komplett dargeboten, durchsetzt mit Klassikern aus den unterschiedlichen Karrierewegen der beiden Rock-Superstars.
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"After Midnight" zum Beispiel, mit diesem schneidenden Singen von Claptons Gitarre, das übergeht in biegsame Läufe. Claptons Stimme ist raues Raunen. Er spielt viel Blues, darunter "Crossroads" von dem von ihm verehrten Robert Johnson – auch so eine Nummer, die den Sturm in der Halle ein Stück anwachsen lässt. Clapton spielt es rau im Ton, ohne Geschmeidigkeit und Eleganz aufzugeben. Er hat die Augen geschlossen, scheint völlig in diesen ziehenden, singenden, murmelnden, erzählenden Gitarrenlinien aufzugehen.
In der Mitte des Konzerts greift er zur Akustikgitarre und intoniert den "Driftin’ Blues", ein Stück aus den 1940er Jahren von einem gewissen Johnny Moore. Clapton spielt ohne Plektrum, der Gitarrenklang ist füllig, die Linien perlen unaufgeregt. Der Schmerz ist lang vorbei, aber die Erinnerung daran ist lebendig. Winwood gibt einen insistierenden Hammond-Ton dazu. Dünn und bohrend fördert der das zu Tage, was Clapton in die achselzuckende Melancholie verschiebt. Dieser Moment lässt keinen im Publikum kalt.
Später folgt "Layla" ebenfalls akustisch, abgehangen-abgeklärt von Clapton. Doch da sind die beiden Soul-Ladies mit ihrem Backgroundgesang. Sie locken und wispern, "Layla-aa uuh …", und endlich wird einem das Versprechen klar, das diese Dame dereinst verkörpert hat, diese Mischung aus "Ich schenke dir Ekstase" und "Ich kühle dir die Stirn". Der Akustikteil hat etwas sehr Intimes, als wären die 9000 Besucher – überwiegend Ü 45 – gar nicht da. Die exzellente Band – Chris Stainton, Tasten, Willie Weeks, Bass, Steve Gadd, Schlagzeug – flüstert dazu leise, die Drums klingen, als würde Gadd auf Sofakissen spielen; unglaublich, wie der das hinkriegt! Winwood bringt mit seiner Stimme und seiner offensiven Spielweise auf der Gitarre wie an der Hammond-Orgel einen kräftigen Schuss Soul in den Abend.
"Voodoo-Chile" von Jimi Hendrix – bei dessen Ur-Version Winwood die Orgel spielt – wird so zur ekstatischen Hymne, mit einer mächtigen Wand aus Background-Chor. Claptons Gitarre dazu ist flüssig, melodiös, als wolle er Hendrix-Klischees vermeiden.
Danach gibt es "Cocaine", härter als man es kennt, Clapton knurrt den Song, die Gitarren sind hier Lakonik, dort wuchtige Akkorde. Es ist ein Gegensatz, der sich durch den Abend zieht: Die Clapton’sche abgeklärte Melancholie und das fordernde Zupacken von Winwood. Als Zugabe kommt dessen "Dear Mr. Fantasy", und man spürt einmal mehr, was für ein toller Songschreiber der Mann ist.
Autor: Robert Ullmann
