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16. Oktober 2012 00:02 Uhr

"Comeback"-Tour

Die Ärzte in Freiburg: Lustig, aber nicht immer

Beim Konzert in Freiburg haben Die Ärzte auf ihren aktuellen Hit "M&F" verzichtet. Dafür gab es einen bunten Mix aus diversen Perioden ihres mal mehr, mal minder lustigen Schaffens.

  1. Bei Fotos hört für Die Ärzte der Spaß auf, vor allem online. Also schickt ihr Management vorab einen Vertrag mit allerlei Klauseln. Damit sich unser Fotograf nicht bis ans Ende seiner Tage unglücklich macht, muss es deshalb bei dieser Illustration bleiben. Foto: Janos Ruf

Das muss man sich erst einmal erlauben können: Da hat eine Band nach längerer Zeit mal wieder einen Hit, der im Radio rauf und runter läuft – und nimmt ihn bei der anschließenden Tour einfach nicht ins Programm. So geschehen bei den Ärzten, die am Sonntagabend in der Freiburger Rothaus-Arena ihre "Das Comeback" betitelte Tour starteten – ein kleiner Scherz, denn die erste Hälfte der Tour liegt nur ein paar Monate zurück.

Dem Ärzte-Publikum war es aber offenkundig egal, dass besagter Hit namens "M&F" (für Männer und Frauen) fehlte. Schließlich hat die selbsternannte "beste Band der Welt" nach drei Jahrzehnten Karriere ein so großes Repertoire beisammen, dass auch in einem knapp dreistündigen Konzert viele bekannte Titel wegfallen. Doch wer regelmäßig zu den Ärzten geht – und die zahlreichen im Publikum zu sehenden Band-T-Shirts von früheren Tourneen deuteten an, dass dies Viele tun – erwartet auch, dass jedes Konzert einzigartig ausfällt.

Und dafür sorgt das Trio etwa durch eine sich stetig wandelnde Setlist, in der mal mit "Miststück" ein Titel vom aktuellen Album seine Konzertpremiere feiert, mal bekannte Titel aus den 1980er Jahren wie "Mysteryland" oder "2000 Mädchen" und manchmal auch ein eher obskures Stück wie "Kamelralley" ertönen. Letzteres sang auf dem Ärzte-Debüt "Debil" noch der mittlerweile in Ungnade gefallene Bassist Sahnie, in Freiburg übernahm sein längst etablierter Nachfolger Rodrigo "Rod" González den Part. Bei diesem bunten Mix fällt zum einen auf, dass die Textsicherheit innerhalb des Mehrgenerationenpublikums konsequent hoch ist, zum anderen, dass die als Spaßband gestarteten Ärzte in den vergangenen Jahren auch eine ganze Menge ernstere Lieder geschrieben haben.

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Die Scheu vor dem Satz "Ich liebe dich"

Dazu zählt etwa der aufrichtige Agit-Pop von "Deine Schuld": Bei Textzeilen wie "Geh mal wieder auf die Straße/geh mal wieder demonstrieren" kann das mitgekommene Elternteil wie der Teeniebesucher die Faust recken, auch wenn der eine dabei an die 80er-Jahre-Friedensmärsche und der andere an Occupy denkt. Ähnlich generationenübergreifend treffsicher erweisen sich die nicht ironisch gemeinten Liebeslieder der Band – "Wie es geht" schildert so schlicht wie treffsicher die Scheu davor, den Satz "Ich liebe Dich" über die Lippen zu pressen.

Aber allzu ernst darf es bei den Ärzten nicht lange bleiben, und daher ist der andere Aspekt, der jedes Konzert einzigartig macht, das Gefrotzel zwischen den Bandmitgliedern. So begibt sich Steh-Schlagzeuger Bela B. öfters an den Bühnenrand, woraufhin Gitarrist Farin Urlaub gerne mal flugs ein neues Stück anstimmt, um zu sehen, ob es der Bandkollege rechtzeitig zu seinem Einsatz zurück schafft. Dazu kommen lokalspezifische Witze über die "Rathausarena" oder die Aufforderung an das kaum Feuerzeuge schwenkende Freiburger Publikum "Vielleicht könnt Ihr ja mit Euren Fahrrädern klappern!"

Wem das immer noch nicht genügend Anreiz bot, im Anschluss einen USB-Stick mit dem aufgezeichneten Konzert zu kaufen, der könnte bei der "Junge"-Einlage überzeugt worden sein: Rund um das Stück spielte das Trio ein improvisiertes Oldie-Potpourri das vom Klassiker "Oh Boy!" über " We Will Rock You" bis hin zu "Don’t Let Me Be Misunderstood" reichte. Mit "Tage wie diese" spielten Die Ärzte sogar einen gerade zum Oktoberfest-Hit gewordenen Song der "anderen großen deutschen Band" Die Toten Hosen an. Nur um ihn sofort wieder abzubrechen – mit der Begründung: "Wir sind hier ja nicht im Bierzelt."

Autor: Stefan Rother


7 Kommentare

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Sebastian Meyer

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 560

16. Oktober 2012 - 11:25 Uhr

Ich hielt das mit den Fotos zuerst für einen Witz. Zugegeben das aktuelle Lied M&F ist echt gelungen, aber dass man angeblich keine Bilder veröffentlichen darf, mach sie sehr unsympathisch!

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

16. Oktober 2012 - 11:54 Uhr

Diese Restriktionen für Fotografen bei Konzerten sind längst branchenüblich.
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article2358754/Immer-mehr-Knebelvertraege-fuer-Konzertfotografen.html

Man muss als Zeitung nicht über ein Konzert berichten, wenn die "Künstler" sich derart beschränkt, äh, beschränkend aufführen.

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Sebastian Meyer

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 560

16. Oktober 2012 - 14:28 Uhr

Also soweit ich mich erinnern kann hat die BZ bei den letzten Berichten über Auftritten von Künstlern in FR immer (erkenntliche) Fotos beigefügt.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

16. Oktober 2012 - 14:43 Uhr

Solange man sich den Vorgaben der Veranstalter bzw. des Künstler-Managements unterwirft, ist ja alles in Ordnung. In letzter Zeit werden die Verlangen aber immer dreister: Veröffentlichung nur, wenn man vorher angibt, wo die Bilder veröffentlicht werden sollen, Bilder müssen vor der Veröffentlichung vom Management freigegeben werden bis hin zur völlig Abtretung der Bildrechte. Fotografen von missliebigen Publikationen wird teilweise vor Ort die Akkreditierung entzogen. Beliebt ist auch, die zur Genehmigung vorgelegten Fotos ohne Einverständnis des Fotografen (und selbstverständlich ohne Vergütung) für eigene Zwecke, also für Werbung für die Künstler zu verwenden. Beschwert sich der Fotograf, wird ihm gedroht, ihm zukünftig die Akkreditierung zu verweigern.

Immer mehr Publikationen sind dazu übergegangen, über Veranstaltungen, bei denen solche Bedingungen gestellt werden, einfach nicht mehr zu berichten.

Da könnte sich die BZ durchaus anschliessen. Wenn die Künstler keine öffentliche Aufmerksamkeit wollen, kriegen sie eben keine mehr.

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Reinhold Schneider

Registriert seit: 03.07.2012

Kommentare: 390

16. Oktober 2012 - 15:15 Uhr

Das klingt über die Ärzte alles etwas abgehoben. Schade.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

16. Oktober 2012 - 16:50 Uhr

Die Ärzte machen doch auch nur noch in deutschen Schlagern. Worin unterscheidet sich M&F von "In Tagen wie diesen"? Musikalisch höchst einfallslos, textlich seicht. Aber Hauptsache, es wird drüber geschrieben und ein Hype produziert, dann lässt sich auch dieser Dreck verkaufen.

Geldmacherei.

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Tim Krahnert

Registriert seit: 17.10.2012

Kommentare: 1

17. Oktober 2012 - 13:39 Uhr

@Harald Meierhofer: Die Ärzte wollen auf solchen Veranstaltungen nicht stattfinden. Zum Beispiel spielen Die Ärzte ihr sehr erfolgreiches Lied "Männer sind Schweine" grundsätzlich nicht mehr, da es auf dem Ballermann stattfand, was sie missbilligten.

Aus dem Umstand, dass Die Ärzte nur Geld machen wollen, macht die Band aber auch keinen Hehl (siehe die Einleger in den Alben und DVDs oder auch den Song "Tu Das Nicht). Wer ein "Besserpunk" sein möchte, muss eben die beste Band der Welt auch finanziell ausstatten. Es bleibt jedem selbst überlassen das zu tun oder eben auch nicht.

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