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08. Februar 2009 16:44 Uhr

Erste Freiburger Rocknacht

Knochentrockener Hardrock

Rund 300 hart gesottene Fans – nicht nur aus der Region – kamen zur ersten Rocknacht nach Freiburg. Sie wurden nicht enttäuscht: Die Qualität der Bands war durchweg gut.

  1. ESP-Bassist und Sänger Chuck Garric. Foto: Rother

Manchmal ist alles ganz einfach: "Wir haben uns vor gut zehn Jahren zusammengetan, um die Musik zu spielen, mit der wir aufgewachsen sind", erzählt John Corabi bei der ersten "Freiburger Rocknacht" in der Brauerei Ganter. "Wir", das sind vier erstklassige Musiker, denen man aber kein Unrecht tut, wenn man sie bei ihren Hauptjobs eher in der zweiten Reihe einordnet. Eric Singer zum Beispiel, der dem gemeinsamen Projekt den Namen gab, trommelt in der Rolle der "Katze" bei der Band Kiss. Den Job bekam er 1991, als sei Vorgänger Eric Carr tragisch verstarb. Als allerdings Ur-Katze Peter Criss fünf Jahre später aus der Versenkung auftauchte, musste Singer wieder weichen, und so lief das in den folgenden Jahren noch einige Male.

Erstklassige Ersatzmänner

Ähnlich erging es John Corabi, der 1992 Sänger Vince Neil bei Mötley Crüe ersetzte – bis dieser fünf Jahre später auf Druck des Managements zurückkehrte. Vergleichbar turbulente Karrieren mit zahlreichen Nebenprojekten haben auch Gitarrist Bruce Kulick und Bassist Karl Cochran hinter sich – dennoch konnte man annehmen, dass die meisten der am Samstagabend Anwesenden diese verschlungenen Pfade auf Anhieb nacherzählen könnten. Denn die geschätzten 300 Besucher (der Veranstalter wollte keine Zahlen nennen) waren absolut hartgesottene Fans. Und die kamen eigens von Riedlingen auf der schwäbischen Alb oder als Mitglieder des Fanclubs "Kiss Army" aus Frankfurt angefahren.

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Abfärbender Ruhm

In solchen Kreisen trägt bereits der Fakt zur Anerkennung bei, dass Marc Terry, Frontmann der ebenfalls sehr solide aufspielenden Band Skip Rock, zuletzt ein paar Songs mit Paul Di’Anno aufgenommen hat, seines Zeichens Sänger von Iron Maiden in den 1970ern vor deren Durchbruch. Kaum ein Genre ist eben ähnlich voller Mythen wie der Hardrock – die aber beileibe nicht der einzige Grund waren, warum die Auftritte der Rocknacht- Musiker überzeugen konnten. Denn gerade wer bei Kiss- oder Alice-Cooper-Konzerten nicht im grellen Scheinwerferlicht steht, wurde vor allem wegen seines musikalischen Könnens als Tourmusiker angeheuert. Und so bot das Eric Singer Projekt (ESP) einen knochentrockenen Hardrock; den vier Musikern hörte man den Spaß an, mal selber als Fans Lieblingslieder vortragen zu können. Deep Purples‘ "Highway Star" geriet ebenso zum Höhepunkt wie "War Machine" von Kiss oder Queens "Tie your mother down" ; bei einigen Stücken lagen sich dann auch im Publikum dunkel gekleidete erwachsene Männer verzückt in den Armen. Auch ein paar Eigenkompositionen fielen im Vergleich nicht nennenswert ab, selbst wenn Corabi bei einem von Singer komponierten Stück lachend gestand, ein sogenanntes "cheat sheet" zu benutzen – also einen dezent am Boden platzierten Zettel mit dem Songtext.

Hard Rock in Freiburg? "Am Ende spielt dort noch jemand ein Solo! Oder beherrscht sein Instrument!" hatte ein Besucher der "fudder"-Website im Vorfeld des Konzerts augenzwinkernd kommentiert. Beim zweiten Punkt behielt "Kapitän Bromf" recht, beim ersten nur bedingt – der Versuchung, jenseits der Hierarchie der Hauptband mal als Solist zu glänzen, gab bei ESP allenfalls John Corabi nach. Namensgeber Eric Singer verschanzte sich dagegen überwiegend hinter seinem eingenebelten Schlagzeug-Set und ließ bestenfalls mal kunstvoll die Trommelstöcke in der Luft wirbeln. Für die Kiss-Army war das bereits die Reise wert – und als Kiss-Katze spielt Singer ab April in Brasilien und anderswo wieder vor geringfügig größerem Publikum…

Autor: Stefan Rother