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05. August 2009
Interview
BAP-Sänger Niedecken: "Man vergisst die Zeit"
Im Zuge ihrer "Radio Pandora"-Tour kommen BAP nach Bad Krozingen. Am Freitag treten sie im Kurpark auf. Thomas Steiner fragte BAP-Sänger Wolfgang Niedecken, warum er so gerne auf der Bühne steht und wie es für ihn auf Reisen ist.
Im Zuge ihrer "Radio Pandora"-Tour kommen BAP nach Bad Krozingen. Am Freitag treten sie im Kurpark unter freiem Himmel auf. Es wird wie immer bei den Kölsch-Rockern kein kurzes Konzert werden. Thomas Steiner fragte BAP-Sänger Wolfgang Niedecken (58), warum er so gerne auf der Bühne steht und wie es für ihn auf Reisen ist.
Ticket: Wolfgang Niedecken, Sie sind jetzt in der heißen Jahreszeit unterwegs. Was ist das wichtigste Getränk auf der Bühne?
Wolfgang Niedecken: Leider dieses Langweiler-Wasser ohne Kohlensäure, das ich eigentlich nicht mag. Aber du kannst ja auf der Bühne nicht rumrülpsen.
Ticket: Gibt es einen Rekord, wie viel Sie mal getrunken haben bei einem Konzert?
Niedecken: Wir haben in dieser Openair-Saison ein Konzert gespielt in Lorsch in einem Zelt mit – ungelogen – gemessenen 38 Grad auf der Bühne. Ich weiß nicht, wie viel ich da getrunken habe. . . Die Stellen, an denen wir gestanden hatten, konnte man hinterher auf der Bühne sehen, da waren Lachen.
Ticket: Man redet doch so gerne von schweißtreibendem Rock ’n’ Roll...
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Ticket: BAP haben zuletzt eine Dreier-Live-CD veröffentlicht. Die drei Scheiben sind 75, 71 und 64 Minuten lang, macht zusammen exakt dreieinhalb Stunden. Wird es so lange auch in Bad Krozingen?
Niedecken: Es sind in der Regel drei Stunden zehn, drei Stunden fünfzehn. Es gibt Konzerte, bei denen muss man mehr erzählen, weil man merkt, es sind Leute, die kennen nichts außer den großen Hits, die sie ab und zu noch mal im Radio hören. Da muss man zu den anderen Songs was sagen.
Ticket: Sie könnten ja auch ein paar Stücke weniger spielen.
Niedecken: Wenn man ein Repertoire von irgendwo zwischen 200 und 250 Songs hat, hat man auch viele Stücke, die gerade Lieblingsstücke sind. Wenn ich da mit einer Setlist ankomme und es fehlen bestimmte Stücke, sagt garantiert einer aus der Band: Wo ist denn das und das geblieben. Es ist schon relativ schwierig, sich da runterzueinigen. Ich glaube auch, wir haben das Publikum in all den Jahren verwöhnt, die wären geschockt, wenn wir nach zwei Stunden aufhören.
Ticket: Wie viele Konzerte spielen BAP jetzt auf der Tournee?
Niedecken: Wenn man die ganze "Radio Pandora"-Sache nimmt, werden es so an die hundert. Wir spielen schon extensiv. . . Da muss man aufpassen, dass die Leute nicht sagen: BAP ist ja prima, aber nicht schon wieder
Ticket: Das Studio-Album "Radio Pandora" gab es in zwei Versionen: "plugged", also eher elektrisch instrumentiert, und "unplugged", eher akustisch. Hat sich die erste mehr verkauft als die zweite?
Niedecken: Ein ganz klein wenig mehr, weil es Leute gibt, die sagen, das ist wohl das Hauptalbum. Aber das kann man eigentlich nicht sagen, wir haben die Songs ja verteilt und gesagt, welcher macht nur in einer Version Sinn, welcher in beiden. Und die "unplugged" ist nicht das, was man normalerweise unter "unplugged" versteht: die größten Hits zur Wandergitarre.
Ticket: Wollen Sie nicht auch mal Unplugged-Konzerte geben?
Niedecken: Wir überlegen das. Wir haben anfangs des Sommers auf einem Theaterfestival in Bad Hersfeld einen Unplugged-Gig gespielt, der ist mittlerweile legendär unter unseren Fans. Da habe ich die Setlist auch nicht nach dem Gesichtspunkt zusammengestellt, es müssen so und so viele große Hits dabei sein, sondern einfach: Was würden denn passen, was wäre eine schöne Kurve? Danach gab es ganz viele Anfragen, ob wir nicht so eine Tour machen wollen.
Ticket: Was ist denn das Schöne an "Plugged"-Konzerten mit E-Gitarren?
Niedecken: Das rockt im herkömmlichen Sinne mehr. Mal ordentlich reinhalten macht auch Spaß.
Ticket: Was ist generell für Sie das Schöne an Konzertreisen?
Niedecken: Jeden Abend auf die Bühne zu kommen und die freudig erregten Gesichter sehen. Da kann man vorher müde sein und denken: Ach Gott, lieber würde ich jetzt ins Kino gehen, kaum steht man auf der Bühne, kommt eine unglaubliche Energie rüber. Und dann vergisst man auch die Zeit wieder...
Ticket: Ist Ihnen denn immer klar, wo Sie gerade sind? Es gibt öfters Musiker, die scheinen nicht zu wissen, wo sie auf der Bühne stehen.
Niedecken: Ich will immer wissen: Wie sieht die Stadt aus, was machen die Leute dort. Es ist schon ein Unterschied, ob man in einer Malocherstadt spielt oder in einem Kurort.
Ticket: Wenn Sie jeden Tag weiter müssen, bleibt Ihnen denn dann Zeit zum Flanieren vor Ort?
Niedecken: Ich gehöre zu denen in der Band, die immer früh losfahren. Das hat sich so ergeben. In den frühen BAP-Jahren war ich immer mit meinem Hund unterwegs, also musste ich flanieren, der musste ja raus. Das habe ich mir nie wieder abgewöhnt.
Ticket: Da müssten Sie Deutschland ja mittlerweile gut kennen.
Niedecken: Ich weiß, wenn ich abends im Fernsehen die Wetterkarte sehe, wie es da aussieht, wenn die Wolken über Rostock liegen. Oder wie es am Bodensee aussieht. Oder bei euch da in dieser privilegierten Gegend, in der Karibik von Deutschland.
Termin: Bad Krozingen, BAP, Kurpark,
Fr, 7. August, 20.30 Uhr;
Info: Tel. 01805/556656
Autor: tst
