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19. September 2017

Cocktail für die Ohren

Isabelle Bodenseh eröffnete die Saison im Lörracher Jazztone.

  1. Isabelle Bodenseh Foto: Martina David-Wenk

Im Jazztone herrscht geschäftige Unruhe. Diese rührt aber keineswegs daher, dass auf der Bühne nichts geboten ist. Die Konzerte im Jazztone beginnen auch diese Saison wie immer um 20.30 Uhr. Um 20 Uhr begrüßt man sich noch, freut sich Bekannte wieder zu sehen, ist froh, dass es wieder losgeht und die "Hot Spots" im Lörracher Veranstaltungskalender wieder belebt werden. Und einmal mehr bewies das Jazztone mit dem Konzert zur Saisoneröffnung ein gutes Händchen.

Die Flöte ist im Jazz eher ungewöhnlich in Kombination mit der Hammondorgel erst recht. Mit Isabelle Bodenseh war nun aber nicht nur eine ausgezeichnete Flötistin im Jazztone, sie ist eine äußerst charmante Künstlerin mit viel Bühnenpräsenz und einem Ensemble, das sie wunderbar ergänzt. Mrs. Bo’s Cookbook nennt sie augenzwinkernd ihr Programm, damit setzt sie auf Überliefertes, das die von der Klassik zum Jazz gewechselte Flötistin auf ihre Art interpretiert.

Es sind Rezepte mit Erfolgsgarantie, die in ihrem "Cookbook" gesammelt sind. Stücke mit Ewigkeitscharakter für die Seele, die keineswegs nostalgisch interpretiert werden. Den Cocktail gibt es natürlich auch. "Batida" heißt dieser Cocktail für die Ohren, brasilianisch beschwingt, nichts fehlt und nichts ist zu viel. Das klare Schlagzeug strukturiert das Stück, Lorenzo Petrocca an der Gitarre ist die ganz wichtige Zutat und darüber schweben Isabelle Bodensehs leichte Flötentöne. Womit der Cocktail Appetit macht auf viel mehr.

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So lässig virtuos wird es weitergehen. Dem Ensemble gelingt die Kunst, der Hammondorgel Raum zu geben, sie aber nicht dominieren zu lassen. Da werden die 70er Jahre transferiert nicht interpretiert. Zum Zurücklehnen und sich anstecken lassen. Isabelle Bodenseh kann auch ganz großes Kino. "À bientôt" heißt ihr eigenes Stück, ein Jazz Waltz, bei dem die Flöte vor allem mit Thomas Bauser an der Hammondorgel in den Dialog tritt. Um den Abschied geht es, der traurig ist, aber immer voller Verheißung für das Neue.

Mit dunklen langsamen Tonfolgen beginnt sie, hellere kommen hinzu, Thomas Bauser an der Hammondorgel gibt ihr musikalisch Antwort. Sie scheint darauf gewartet zu haben, denn nun ist der Klang der Flöte abgeklärter. Mancher Zierrat, mancher Triller ist noch melancholisch, doch bei Isabelle Bodensehs haben sich die hellen Töne durchgesetzt, jetzt sind die schweren Töne bei der Orgel, doch die Flöte lässt sich nicht beirren und das Stück endet fröhlich beschwingt.

Meistens interpretiert das Ensemble Stücke. Bei "Django" von John Lewis kehrt Isabelle Bodenseh beim Intro in ihre klassische Vergangenheit zurück. Die Hommage an Django Reinhardt beginnt geradezu barock, um dann fast episch zu werden. Die Hommage ist von viel Ehrfurcht geprägt und dem Versuch dem Menschen Django Reinhardt ein musikalisches Denkmal zu setzen vom Ensemble "Jazz à la flute" entsprechend interpretiert. Tolle Eröffnung, das Richtige für diesen frühen Herbst.

Autor: Martina David-Wenk