Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

23. Januar 2014 13:45 Uhr

Gerüchteküche

Comeback der Böhsen Onkelz?

2005 haben die Böhsen Onkelz, eine der erfolgreichsten und kontroversesten deutschen Rockbands ihr Abschiedskonzert gegeben. Nun könnte das Comeback der Gruppe anstehen.

  1. Kehren die Böhsen Onkelz (undatiertes Archivbild) nach fast neun Jahren Pause zurück? Foto: dpa

Ein 34 Sekunden langes Video, das die Böhsen Onkelz am 20. Januar auf ihrem offiziellen You Tube-Kanal veröffentlicht haben, hat diese Spekulation angeheizt. Erst blitzt und donnert es. Dann folgen die Jahreszahl 2014, der Slogan "Nichts ist für die Ewigkeit" und die Möglichkeit, einen Newsletter zu abonnieren. Nach der Registrierung erscheint ein Countdown auf dem Bildschirm, der in der Geisterstunde vom 31. Januar auf den 1. Februar endet. Wird dann die Rückkehr der Band bekanntgegeben? Flankiert wird die virale Kampagne durch reale Plakatwände in mehreren Großstädten, auf denen das im Video verwendete Motto prangt.

Konzert am Hockenheimring?

Seither brodelt es heftig in der Gerüchteküche. Spekuliert wird, dass die Band im Juni auf die Bühne zurückkehren könnte. Diese Theorie basiert auf einer Äußerung von Hockenheims Oberbürgermeister Dieter Gummer. Er erklärte beim Neujahrsempfang der Stadt, dass am 20./21. Juni am Hockenheimring ein Konzert geplant ist – allerdings ohne zu sagen, wer da auftreten soll.

Werbung


Zu einer solchen Großveranstaltung würde die Gründung der E.I.N.S. GmbH in Günzburg passen. Die Firma ist nach einem Album der Gruppe benannt und wurde im November ins Handelsregister eingetragen. Geschäftsführer sind der Onkelz-Gitarrist Matthias Röhr und -Schlagzeuger Peter Benno Schorowsky. Die Firma kümmert sich um alles, womit Bands Geld verdienen können. Von Konzertveranstaltungen über Fanartikel bis zur Veröffentlichung von Musik reicht die Palette der Dienstleistungen.

Mit vier Nummer-1-Alben in Folge gehören die Böhsen Onkelz zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Rockbands. In den Anfangsjahren bewegte sich die 1980 gegründete Formation in der rechten Szene. Ausländerfeindliche Songs und das wegen Gewaltverherrlichung und – aus Sicht der zuständigen Behörde – rechtsextrem gefärbten Texten 1986 indizierte Album "Der nette Mann" brachten der Gruppe massive Kritik ein. In den Folgejahren distanzierten sich die Böhsen Onkelz vom Rechtsrock und extremen Ansichten, das Etikett der politisch fragwürdigen Band haftet ihnen aber bis heute an. Dem Erfolg hat das nicht geschadet – im Gegenteil.

Die Band kultivierte über die Jahre das Image der missverstandenen, zu Unrecht verfemten, aber unbeugsamen Außenseiter der deutschen Rockszene, die sich einen Dreck um ihre Kritiker scheren und für die nur eines zählt: ihre Musik und ihre Fans. Und die waren bis zum – vorläufigen? – Ende loyal. Für das zweitägige Abschiedskonzert auf dem Lausitzring wurden 120.000 Karten verkauft. Hinzu kamen Zehntausende von Fans, die ohne Tickets anreisten und das Open Air von draußen verfolgten. Schlagzeilen machte in den vergangenen Jahren Sänger Kevin Russell, der wegen gefährlicher Körperverletzung, gefährlicher Straßenverkehrsgefährdung und Unfallflucht im Oktober 2010 zu einer Haftstrafe von 27 Monaten verurteilt worden war. Mittlerweile ist Russell wieder frei und hat eine Solokarriere gestartet.

Mehr zum Thema:

Autor: Peter Disch