Die Muse vom Hochrhein

Michael Baas

Von Michael Baas

Fr, 23. Juni 2017

Rock & Pop

Die Rheinfelder Sängerin und Akkordeonisten Christine Schmid hat für die CD "Paris – Berlin" Klassiker des Chansons neu übersetzt.

"Ich träume oft von ihnen süß, von Paris und Berlin. Mich zieht’s dann stets dorthin, wo ich grad nicht bin", singt Christine Schmid. Dann setzt das Akkordeon ein, verbreitet Musette-Atmosphäre. "Eins allein ist mir zu banal, fast egal", geht es weiter. "Ich hab zwei Herzen" heißt der Song. Er eröffnet Schmids neue CD "Paris – Berlin". Da geht’s ums Hin-und-her-Gerissen-Sein zwischen den Metropolen, aber auch um Liebe. Vor allem aber geht es um die Leidenschaft für das Chanson. Diese prägt das Album, das die in Rheinfelden lebende Sängerin und Akkordeonistin, die 2012 den Chansonpreis der Deutsch-Französischen Gesellschaft erhielt, mit einer Band um den Produzenten und Pianisten René Möckel eingespielt hat; zu dieser gehören der Jazzgitarrist Werner Neumann, der Schlagzeuger Heiko Jung und der Bassist Tom Götze, deren Spuren alle mehr oder weniger zur Leipziger Hochschule für Musik und Theater zurückführen.

Das Chanson ist eine französische Variante angelsächsischer Singer-/Songwriter, deutscher Liedermacher oder italienischer Cantautore. Thematisch geht es meist um zerplatzende Sehnsüchte, um Abgründe des Gefühlslebens und das stets aktuelle Thema Liebe. Das gilt auch für diese CD. Es geht nicht mit den Männern, aber irgendwie auch nicht ohne: Dieser Zwiespalt poppt in vielen der 14 Lieder auf. Darunter finden sich eigene und mit Evelyn Fischer geschriebene Songs wie das Auftaktstück. Das sind aber vor allem Klassiker des Genres wie "Domino", das 1950 von Luis Ferrari komponierte und Jacques Plante vertextete Chanson, das in vielen Versionen existiert – von Tony Martin über Bing Crosby bis zu einer deutschen von Hildegard Kneef. Christine Schmid aber hat den Hit neu übersetzt und ringt dem Text darüber neue – auch poetische – Facetten ab.

Da finden sich aber auch andere Klassiker des Genres – von Edith Piafs "La Vie En Rose" bis "Plus Bleu Que Tes Yeux" (Deine blauen Augen) von Charles Aznavour, das Schmid ebenfalls übersetze. Dazu gehört auch "Invitango" von Jean Rivière, das einst Brigitte Bardot sang. Bei Schmid heißt es nun "Tango Erotico" und bringt die erotische Spannung des Tangos auch musikalisch gut rüber. Da ist Léo Ferrés "Le Piano Du Pauvre" von 1954 in einer eingedeutschten Version zu hören; da gibt es Fundstücke, wie das 1942 veröffentliche "Mon Amant De St. Jean", das bereits in François Truffauts Filmdrama "Die letzte Metro" von 1980 zu hören war. Zudem gibt es eine deutsche Version von " Je Cherche un Homme" (Ich will einen Mann), das einst Eartha Kitt sang, die 2008 verstorbene Königin der Nightclubs und "schwarze Muse der weißen Bohème", wie sie die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Nachruf nannte.

Die Messlatte liegt also durchaus hoch. Doch Christine Schmid, die auch als Moderatorin, Model, Atem- und Sprechtrainerin arbeitet, reißt sie keineswegs. Musikalisch mäandert das zwischen Musette und Gipsy Swing, zwischen Chanson und Jazzelementen, für die nicht zuletzt die sächsische Rhythmusgruppe sorgt. Atmosphärisch oszilliert das zwischen einer luftigen Melancholie und einer zupackenden, erfrischenden Lebenslust, zwischen einem getragenen Pathos und einer augenzwinkernden Ironie. Das moussiert mal wie die Kohlensäure in einem Glas Crémant und schillert dann wie eine sich drehende Seifenblase. Das kombiniert Leidenschaft, Heiterkeit und eine Prise Frechheit mit (französischem) Esprit und da entsteht mittels Tönen und Texten immer wieder das Bild der Femme fatal, des frivolen, verruchten Flintenweibs. In jedem Fall aber klingt es glaubwürdig und originell und dürfte nicht nur frankophile Geister berühren.

CD: Christine Schmid, Paris – Berlin, 2017, die CD gibt es nur auf Bestellung bei der Künstlerin: http://www.christine-schmid.tv oder per iTunes unter http://www.adouce.de

Konzerte: 25. Juni, 17 Uhr, "Von Wien nach Paris" mit dem Pianisten Florian Metz, Schloss Bürgeln, Schliengen, Reservierung erforderlich unter: Tel. 07626/237 oder E-Mail direktion@schlossbuergeln.de sowie am 15. Juli, 20 Uhr, Villa urbana Heitersheim mit dem Orchester prima la musica und am 5. August, 20 Uhr, Kurhaus Badenweiler