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29. September 2010 13:08 Uhr

Die Fantastischen Vier übertrugen ein Konzert in 3D

Im Offenburger Kino will keiner mithüpfen

Es war eine Weltpremiere: Die Fantastischen Vier übertrugen als erste Band live ein Konzert in 3 D in ausgewählte Kinos. In Südbaden dabei war das Forum-Kino. Der Funke aber sprang nicht über.

  1. Michi Beck durch die 3-D-Brille gesehen: Die Fantastischen Vier übertrugen ein Konzert ins Kino. Foto: dpa

"Niemand niemand kann’s dir kann’s dir sagen sagen / keiner keiner kennt die Antwort Antwort auf alle alle deine deine Fragen Fragen / du musst du musst nur verstehen verstehen / wir ernten ernten was wir was wir säen." Es war wie konkrete Poesie und formal sehr beziehungsreich, was die Fantastischen Vier da zum Abschluss ihrer Weltpremieren-Konzerts sangen. Die Wortdopplungen des 2007er Hits "Ernten, was wir säen", die durch die Reimkunst der Fanta 4 einen schönen Flow erhalten, illustrierten bestens ein technisches Phänomen des Abends.

Die Fanta 4 haben am Dienstagabend mehr Medien- als Popgeschichte geschrieben: als erste Band weltweit, von der ein Konzert live und in 3 D in Kinos übertragen wurde. Unter den Premierenkinos als einziges in Südbaden dabei: das Forum-Kino in Offenburg. 1000 Fans im Varieté am Steintor in Halle und rund 30 000 in den Kinos draußen im Lande waren Zeugen des Ereignisses, das Deutsch-HipHop-Fans und Technikfreaks mit Spannung erwarteten.

In Echtzeit auf die Leinwand

Wer aber im Kino für kurze Zeit die 3-D-Brille absetzte, etwa weil sie beim Rocken im Kinosessel störte, hatte optisch genau den Eindruck, den Smudo, Michi Beck, Thomas D und And.Y mit dem "Ernten, was wir säen"-Refrain lyrisch erzeugten: zwei sich überlagernde Bilder der stereoskopischen Kameras, die via Satellit in Echtzeit über die Kinoleinwände flimmerten.

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Es war nicht der einzige Unterschied. Das Publikum in Halle und in den Kinos erlebte vielmehr zwei völlig verschiedene Veranstaltungen. Live und 3 D ist ohne Abstriche ein tolles Kinoerlebnis. Ein Kran im Steintor-Varieté liefert kitzlige Kamerafahrten quer durch den Raum, in dem sich die Masse der wogenden Zuschauerarme plastisch in die Tiefe staffelt, bis zur spitz kragenden Nase des grimassierend "Le Smou" rappenden Smudo. Eine Steadycam auf der Bühne rückt den nicht mehr ganz taufrischen Jungs so nahe, als stände man selbst mit ihnen auf der Bühne.

Thomas D.s Jack-Nicholson-Grinsen und Michi Becks Ladykiller-Dackelblick haben eine Unmittelbarkeit, die einem kein 2-D-Konzertfilm bieten kann. Die Vier interagieren auch mit dem Kameras, etwa wenn ein ausgestreckter Arm oder der Hals der Gitarre, die Michi Beck bei "Ichisichisichisich" spielt, tief in den Kinosaal zu ragen scheinen. Bühnenshow und Bildregie waren trotz nur einer einzigen Durchlaufprobe gut ineinander verzahnt. Allzuschnelle Kamerafahrten unterbleiben, weil sonst die Rechner, welche die beiden sich überlagernden Bilder verarbeiten müssen, die weiße Fahne schwenken.

Doch bei aller Faszination der Bilder, wollte zumindest der beim Publikum in Halle offensichtlich wirksame Funke nicht nach Offenburg überspringen. Zwar gibt es nach den Stücken sanften Applaus, aber als bei "Junge trifft Mädchen" Männer und Frauen im Saal sich ein Lautstärkeduell liefern sollen, fallen die Versuche in Offenburg eher schüchtern aus. Entspannt im Kinositz mit Nachos und Bier ist dafür nicht der richtige Aggregatszustand. Als Michi Beck als Anmoderation von "Sie ist weg" in die Kameras befiehlt: Kinositze hochklappen!, leistet in Offenburg keiner Folge. Es fehlen die Hitze, der Körperkontakt und der Schalldruck des echten Konzerterlebnisses.

Vielleicht sind aber auch die Fanta-4-Fans die falsche Zielgruppe. Ein Blick in die Offenburger Runde offenbart einen Altersdurchschnitt von plus minus 30. Wer auf eine dermaßen erwachsene Textzeile steht wie "Es könnte alles so einfach sein / isses aber nicht", lässt sich nicht mehr so leicht in die Hopsburg locken. Ein Justin-Bieber-Konzert live und in 3 D im Kino dürfte beim Publikum sicher mehr verfangen.

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Autor: Ralf Burgmaier