Immer das Optimum herausholen

Alexander Ochs

Von Alexander Ochs

Fr, 21. Juli 2017

Rock & Pop

BZ-PORTRÄT: Peter Stöcklin, Sänger von Otto Normal.

Dichte Locken, kurzer Vollbart, zwei reißzweckengroße Ohrstecker und meistens eine Kappe auf: So sieht der gerade gekrönte ZMF-Preisträger aus. Das ist Peter Stöcklin, Frontmann der Freiburger Popband Otto Normal. Und auch der Rapper Chabezo. All das verkörpert "Pete", wie er sich nennt, geboren in Lörrach und seit vielen Jahren in der Freiburger Musikszene aktiv. Der 34-Jährige pendelt zwischen Berlin, Freiburg und der Schweiz und behält sein Handy mit den ständig eintrudelnden Nachrichten stets im Blick.

Kein Wunder, hat er doch eine Menge Eisen im Feuer: Als Preisträger durfte er bei der ZMF-Gala zwei Lieder mit dem Philharmonischen Orchester performen, das neue Otto-Normal-Album ist frisch im Kasten, und zum Abschluss des Festivals tritt die Band am Sonntag im Spiegelzelt auf. "Wir haben 80 Songs geschrieben, 40 davon aufgenommen und dann 20 komplett fertig gemacht", berichtet Stöcklin nachmittags in einem Freiburger Café.

Chabezo, das ist sein Künstlername und Alter Ego, wenn er HipHop macht. Das war schon als Jugendlicher so und auch während der zehnjährigen Geschichte seiner früheren Combo [bih’tnik]. "Als kleines Kind habe ich häufig zu Weihnachten oder Ostern Reime geschrieben, dann Hörspiele mit dem Kassettenrekorder aufgenommen. Als Teenager habe ich angefangen, Songs mitzusingen. In Lörrach, auf dem Velo, mit einem Radio auf dem Gepäckträger", erinnert sich Stöcklin. Zur Musik kommt er mit 16 auf einer Asthmakur. "Der Betreuer, ein Hardrockfan, hat gemerkt, dass ich voll auf Musik abflashe." Mit 17 richtet er sich unter der Werkstatt seines Opas einen Proberaum ein.

Der Ton wird ernster, als er sagt: "Seit fast 20 Jahren versuche ich, von der Musik zu leben, das ist ein hartes Business. Die Privatperson Pete war ausgeglichener früher. Statt ein Buch zu lesen, versuche ich heute, von 100 auf zehn markierte Mails herunterzukommen."

Zu 30 Prozent arbeitet der studierte Sozialarbeiter in der Jugendarbeit in der Schweiz. Zudem macht er sich für Inklusion stark und hat im April die gemeinnützige Organisation "Norm braucht Vielfalt (gUG)" ins Leben gerufen. Da macht er Musik mit Jugendlichen, Migranten, Behinderten und Demenzkranken.

In seinen Jahren mit Otto Normal hat Stöcklin über 300 Liveshows absolviert, zwei Alben, zwei Akustiksessions auf Vinyl und ein aufwändiges, rückwärts gedrehtes Video ("Spitter") veröffentlicht, ist bei "Circus Halligalli" im TV aufgetreten und hat auch vier Videos in Gebärdensprache herausgebracht. Beim Auftritt auf dem Zelt-Musik-Festival übersetzt eine Gebärdensprachdolmetscherin die Liedtexte. Ständig Neues wagen, stets etwas auf die Beine stellen, das ist typisch Stöcklin. Bei seinem "Soloprojekt" Chabezo tummeln sich elf Leute auf der Bühne! Schlagzeuger Konstantin König lobt: "Pete kann extrem gut motivieren und mobilisieren. Ein echtes Zugpferd." Nicht nachlassen, immer das Optimum herausholen, das zeichnet den Rapper aus. Und der ZMF-Preis natürlich auch. Der Vokalist: "Ich bin super dankbar dafür, und es ist mir eine große Ehre!"

Konzert: Freiburg, ZMF, Spiegelzelt, Sonntag, 23. Juli, 21 Uhr.