Jazzrockschlagzeuger

Jon Hiseman ist tot

Peter Disch (ergänzt um 14 und 16.30 Uhr)

Von Peter Disch (ergänzt um 14 und 16.30 Uhr)

Di, 12. Juni 2018 um 08:19 Uhr

Rock & Pop

Mit der Band Colosseum und dem United Jazz + Rock Ensemble hat er Geschichte geschrieben. Nun ist der Schlagzeuger Jon Hiseman gestorben.

Hiseman starb am Dienstagmorgen im Alter von 73 Jahren. Das gab seine Tochter Ana Gracey auf Facebook bekannt. Colin Richardson, Weggefährte von Colosseum seit den 70ern und Mitautor von Hisemans Biographie, hat die Todesnachricht gegenüber der Badischen Zeitung bestätigt, ebenso seine deutsche Agentur.

Ende April wurde bei dem Musiker ein Hirntumor diagnostiziert – kurz bevor Hiseman mit seiner neuen Band JCM, mit der er gerade auf Tour war, im Freiburger Jazzhaus auftreten sollte. Er wurde in London operiert. Hiseman sein nach dem Eingriff in guter Verfassung gewesen, habe dann aber eine Hirnblutung erlitten, sagte Richardson. Eine weitere Operation sei notwendig geworden, der Musiker habe danach aber das Bewusstsein nicht wiederlangt. Seine letzten Tage verbrachte er in der Palliativpflege eines Hospizes.

Die Mischung verschiedener Stile, am Anfang, in den Sechzigern, waren das vor allem Rhythm and Blues und Modern Jazz – sie war der rote Faden von Hisemans Karriere. Zu den Bands, in denen der Brite spielte, gehörten die Graham Bond Organisation und John Mayalls Bluesbreakers.

Am wichtigsten aber war Colosseum. Die 1968 gegründete Formation feierte mit ihrer Mischung aus Jazz, Rock und Blues große Erfolge. 1976 zählte Hiseman zur ersten Besetzung des United Jazz + Rock Ensemble, das vor allem auch und gerade in Deutschland sehr populär war. 1994 vereinten sich Colosseum wieder und spielten auch auf dem ZMF in Freiburg. Hiseman arbeitete auch viel im Bereich Filmmusik. Er galt als Virtuose seines Instruments, seine bis zu viertelstündigen Soli waren legendär, der Einsatz von zwei Basstrommeln und die scheinbar mühelose Verbindung und Verschmelzung unterschiedlicher Rhythmen seine Markenzeichen.