Bar

NEUE TONTRÄGER: Ludwig Hirsch trifft David Lynch

Carmelo Policicchio

Von Carmelo Policicchio

So, 20. Mai 2018

Rock & Pop

Die schwermütigste aller Freiburger Schwermut-Bands veröffentlichte ihr zweites Album. Das ist einmal mehr, nun ja, sehr schwermütig geworden. Dabei weist der Titel "Keep Smiling" ja eher in eine optimistische Richtung. Und tatsächlich eröffnet "Bad Groove" die Platte mit einem Stück, das mit Stimmung und Melodienfolge schwer an den Meister des Morbiden, Ludwig Hirsch, erinnert. Also an einen, der den Gegensatz von Schwere und Schwärze im Text zu einer Leichtigkeit im Sound, wie kein Zweiter austarieren konnte.

Auch finden sich mit "Bound" und "Self Defence", zwei stetig nach vorne quengelnde Songs, die für Bar-Verhältnisse fast schon rockig und ungestüm klingen, die Grundstimmung ist aber eher düster.
Für den auf der Platte einmal mehr ganz großartigen Gitarristen Oliver Maier ist das Album trotzdem versöhnlicher und auch leichter zugänglicher, als das bisherige Schaffen der Band. Mag sein, dennoch ist "Keep Smiling" unverkennbar Bar. Musik für wolkenverhangene dunkle Himmel, durch die der Vollmond scheint. Musik die als Soundtrack zu einem David-Lynch-Film bedeutend besser passt, als eine Assoziation zu Tom Waits, die von einigen Kritikern bei Bar schon gezogen worden ist.
Sänger Jens Teichmanns mehr erzählende denn singende Stimme mit den düsteren Texten, der sägende, oft schon furchteinflößende Bass von Markus Heinzel und das präzise vorwärts marschierende Schlagzeug von Jeremy Dhome geben der Musik ein Gerüst, das von Dunkelheit und Melancholie getragen wird. Durch dieses Gerüst schimmert, wie bei"Massively Passive", ab und an ein Sonnenstrahl, wenn sich der Gastpianist von Neo Rodeo ans Piano setzt und den Song in luftige Höhen schraubt. Bars "Keep Smiling" ist die Herbstplatte dieses Frühlings.Carmelo Policicchio
Bar, Keep Smiling, Rookie Records
Live: CD Release Party am Donnerstag, 14.Juni, im Freiburger Slow Club

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