Rock & Pop

Peter Kraus in Freiburg: Schön war die Zeit

Stefan Rother

Von Stefan Rother

Mo, 23. April 2018 um 19:10 Uhr

Rock & Pop

Abschied nach dem Abschied? Oder vor der nächsten Abschiedstournee? Peter Kraus ließ es bei seinem Auftritt offen. Zur Freude der Fans.

Der Mann hat Humor: "Herzlich willkommen zu meiner erneuten Abschiedstour", begrüßt Peter Kraus sein Publikum am Sonntag im Freiburger Konzerthaus – und landet damit neben den ersten Lachern auch gleich Sympathiepunkte.

Denn eigentlich hat sich der "deutsche Elvis" bereits 2014 mit einer groß anlegten Tour unter dem Motto "Das Beste kommt zum Schluss" von seinem Publikum verabschiedet. Mit dem "Wortbruch" ist er im Musikgeschäft allerdings in bester Gesellschaft – und seine Anhänger wollen ohnehin nicht, dass er aufhört. Denn solange der 79-Jährige mit seiner Band noch auf der Bühne steht und etwa von seinen ersten Auftritten und Plattenaufnahmen anno 1956 erzählt, hält er auch ein Stück ihrer Jugend lebendig.

Zumal sich Kraus für die aktuelle Tour, bei der Freiburg das 29. und finale Gastspiel markierte, ein neues Motto ausgedacht hat: "Schön war die Zeit! Die Kulthits der wilden 50er & 60er" lautete der Titel, unter dem an diesem Freitag auch eine neue CD erscheint. Nun ist ein Album mit Coverversionen in der Regel ein klares Anzeichen dafür, dass einem altgedienten Künstler nun gar nichts Neues mehr einfällt. Bei Kraus liegt die Sache allerdings etwas anders, denn zum einen ist sein Tourprogramm natürlich ohnehin stets eine klare Nostalgieveranstaltung, zum anderen startete er seine Karriere einst damit, deutschsprachige Versionen angesagter englischer Rock-’n’-Roll-Hits einzusingen. Elvis stand dabei natürlich an erster Stelle, aber auch "Tiger" von Fabian Forte bekam einen amüsanten deutschen Text spendiert.

Der Lull-Faktor wirkt teils bis heute noch nach

In seinem Programm springt Kraus dann gerne mal zwischen den englischen und deutschen Textfassungen hin und her und setzt ohnehin auf Abwechslung und eine beachtliche Zahl an Songs, die als Medleys teils auch nur kurz angespielt werden. Präsentiert wird das Ganze als lose chronologisch strukturiertes Programm, bei dem sich der als Peter Krausenecker geborene Österreicher als charmanter Conférencier mit Bereitschaft zur Selbstironie präsentiert. So erzählt er von den Skandalen, in die von ihm verehrte Größen wie Chuck Berry und Jerry Lee Lewis verwickelt waren und sinniert, was es bei ihm dagegen an Aufregern gab. Der seinerzeit größte dürfte heute nicht einmal mehr für hochgezogene Augenbrauen sorgen: Als er den amerikanischen Schlagerstar Connie Francis vom Flughafen abholte, habe er beim Begrüßungskuss eine Hand in der Hosentasche gelassen, was die deutsche Presse empörte.

Harmlosere Zeiten – und zum Rebell taugte Peter Kraus dann auch nicht wirklich. Stattdessen heiratete er ganz bürgerlich und verkündete nun in Freiburg stolz, dass er im nächsten Jahr mit Ehefrau Ingrid Goldene Hochzeit feiern kann. Auch musikalisch wurden dem "Tiger" zeitweise die Krallen gestutzt: Zwar gehört sein Herz bis heute unverkennbar dem Rock ’n’ Roll, bis auf das fetzige "Sugar Baby" bewegten sich viele seiner kommerziell größten Hits dann aber doch sehr nah am Schlager. Schließlich habe die Plattenfirma damals festgestellt, dass seine größten Fans "die Mädels waren, die von mir lieb und nett eingelullt werden sollten – und ich lullte".

Der Lull-Faktor wirkt teils bis heute noch nach, denn als Kraus "Wenn Teenager träumen" ankündigt, geht ein kollektiv seufzendes "Oooh" durch die Konzerthaus-Reihen. Schmonzetten wie "Schwarze Rose Rosemarie" sind dagegen nur bedingt gut gealtert. Dafür borgt sich Kraus bei Kollegen flotte Nummern wie Bill Ramseys "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett", lässt "Let’s Twist Again" nahtlos in "Bye Bye Love" übergehen und übergibt seinem talentierten Chor auch mal ganz die Position am Mikrofon für die Doo-Wop-Nummer "Sh-Boom". Am Ende darf dann zum Mitsing- und Rock-’n’-Roll-Medley auch in den Gangreihen und vor der Bühne getanzt werden, bis sich Kraus schließlich mit den heftig beklatschten Worten verabschiedet: "Ich kann Ihnen jetzt nicht mehr versprechen, dass das meine letzte Tournee war."